Das aktuelle Wetter NRW 17°C
CDU

Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union

06.10.2012 | 16:32 Uhr
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
Kanzlerin Merkel (CDU, l.), der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder (CDU), und die stellvertretende Bundesvorsitzende der JU, Dorothee Baer (CSU) beim Deutschlandtag der JU in Rostock.Foto: dapd

Rostock.   Auf ihrem Deutschlandtag in Rostock präsentiert sich die Junge Union pflegeleicht und harmoniebedürftig. Ein Jahr vor der Bundestagswahl ist keine Zeit für Kritik an der CDU-Führung. Bundeskanzlerin Merkel und Umweltminister Altmaier wurden gefeiert, Philipp Mißfelder als Vorsitzender wiedergewählt.

Plötzlich kracht es doch noch richtig. Wenn auch an unerwarteter Stelle: bei Armin Laschets Brille. Während des Frühstücks ist das gute Stück zu Bruch gegangen. Mit zusammengekniffenen Augen steht der Landeschef der NRW-CDU nun auf der Bühne der Rostocker Stadthalle und findet nette Worte für das neue Grundsatzprogramm der Jungen Union (JU). Es folgen einige Helmut-Kohl-Lobhudeleien, ein Appell an die Grundsätze und Eigenständigkeit der Union und das Versprechen auf zwei Fässer Bier von der NRW-CDU. Besten Dank, artiger Applaus!

Ja, auf ihrem Deutschlandtag präsentiert sich die JU pflegeleicht und harmoniebedürftig. Ein Jahr vor der Bundestagswahl ist nicht die Zeit für Kritik an der Parteiführung. Die eigenen Reihen schließen, auf den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück einhacken, ein neues Grundsatzprogramm beschließen und Dauerchef Philipp Mißfelder erneut im Amt bestätigen – darum geht es an diesem Wochenende in Rostock.

280 Delegierte feiern Kanzlerin Merkel mit stehenden Ovationen

Bereits zum Auftakt feiern die 280 Delegierten Kanzlerin Angela Merkel mit stehenden Ovationen. Der Nachwuchs aus Bayern schwenkt blau-weiße Fahnen, auf einem Ipad blinkt der Name „Angela“ wie auf einem Reklameschild auf. Das war nicht immer so. Vor drei Jahren hatte die Kanzlerin die Junge Union schwer vergrätzt, weil sie seinerzeit nicht zum Deutschlandtag kam. Danach war das Verhältnis erst einmal frostig.

Dieses Mal könnte das Rententhema für jede Menge Zündstoff sorgen. Die JU lehnt das Modell der Zuschussrente von Arbeitministerin Ursula von der Leyen (CDU) vehement ab. Sie favorisiert das kürzlich vorgestellte Konzept junger Abgeordneter von Union, darunter Mißfelder, und FDP, das eine Stärkung der privaten und betrieblichen Eigenvorsorge vorsieht. Geschickt umgarnt Merkel den Unions-Nachwuchs: „Es ist ein guter Vorschlag, zu überlegen, ob man das private Element bei der Rente stärken sollte“, sagt die CDU-Chefin. „Das war ein wichtiges Signal“, meint der JU-Landeschef aus NRW, Sven Volmering, anschließend. Nicht nur bei der Rente sucht Merkel den Schulterschluss mit den Delegierten, sondern auch beim Netzausbau und der Netzpolitik.

Mißfelder mit 86,54 Prozent zum alten neuen JU-Vorsitzenden gewählt

Für kritische Nachfragen an die Kanzlerin bleibt im Trubel der Glückseligkeit so gut wie kein Platz. Stattdessen schlägt Volmering vor, man möge Merkel erneut für die Kandidatur zur CDU-Chefin vorschlagen. Gesagt, getan, geklatscht.

„Wir werben dafür, dass Angela Merkel Deutschland weiterhin sicher durch die Krise führt“, verspricht Mißfelder der Kanzlerin und wirbt vehement für eine Fortführung der schwarz-gelben Koalition, sofern es denn nach der Wahl dazu reicht. Für dieses Ziel kann sich der 33-Jährige jedenfalls in der ersten Reihe einsetzen. Mit 86,54 Prozent wählen ihn die Delegierten zum alten neuen Vorsitzenden. Gegenkandidaten gibt es mal wieder nicht.

JU für die Abschaffung des Biosprits E10 aus

Bis Sonntag wollen die Delegierten der 18 Landesverbände ihr seit 1995 geltendes Grundsatzprogramm neu fassen. Dazu liegen fast 2000 Änderungsanträge vor. Dabei spricht dich die JU für die Abschaffung des Biosprits E10 aus. Dafür scheitert ein Antrag knapp, der die Ablehnung des umstrittenen Beutreuungsgeldes vorsieht.

Dann wird es richtig kuschelig. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) betritt die Bühne. Er sei einer der „Lieblinge der Jungen Union“, frohlockt Mißfelder. Der Gelobte die die Blumen artig zurück. „Der Philipp“ sei nicht irgendein Vorsitzender, sondern habe überall seine Spuren hinterlassen. Altmaier wirbt vehement für die Energiewende. Bei der Umstellung auf erneuerbare Energien könne gezeigt werden, dass wirtschaftliches Wachstum und eine nachhaltige Umweltpolitik kein Widerspruch seien, sondern sich ergänzen können. Altmaier bittet die JU-Delegierten, sich die Energiewende auf die Fahren zu schreiben. Stehende Ovationen, minutenlanger Applaus. Es folgt eine höfliche Fragerunde – ohne nennenswerte Kritik. Aber darum geht es auch nicht in Rostock. Vielmehr um die Botschaft: „Wir stehen hinter der Partei“, wie Volmering es sagt.

Daniel Freudenreich



Kommentare
07.10.2012
20:43
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von meinemeinungdazu | #27

Für Mißfelder müsste sich die Union täglich schämen. Solche Leute müssen ausgeschlossen werden. Für die Beleidigungen der alten Menschen ist kein Platz in der Politik. Der Mann schadet der Union massiv.

07.10.2012
18:31
Beim Stichwort der „Generationengerechtigkeit“
von Ani-Metaber | #26

sollte dem Herrn Mißfelder Stichworte wie Atommüll einfallen.
Und wer soll in Zukunft all den Müll beseitigen, den man durch etwa durch unsinnigen Straßen- und Brückenbau und anderen in Zukunft nicht mehr gebrauchten Müll in die Welt gesetzt hat?
Schließlich soll die Bevölkerung schrumpfen und vieles wird in Zukunft nicht mehr gebraucht werden.

Wie kann und konnte der Staat auf Steuern verzichten, die dann zukünftige Generationen bezahlen müssen, weil man den dadurch entstehenden Mangel mit Kreditaufnahmen begegnete?

Generationengerechtigkeit und cdU sind Gegensatzpaare,
Mißfelder aber nicht nur beim Thema Hüftgelenke, sondern auch in seinen außenpolitischen Statements (Stichworte Libanon, Palästinenser) ein verbal rechtsradikaler Außenseiter.

07.10.2012
18:02
Feige, Pardon Freie Deutsche Jugend ...
von wohlzufrieden | #25

Ja, ja, es war einmal: Auf dem Foto ist deutlich erkennbar, wie Angela Merkel freudig erregt an alte Zeiten denkt...

07.10.2012
17:01
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von Grasovka | #24

Selber nie gearbeitet, nix geleistet, nirgendwo eingezahlt, aber Leuten die ihr Leben lang gearbeitet haben, die ärztliche Behandlung verweigern wollen. Ekelhafter Typ.

07.10.2012
16:55
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #23

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.10.2012
15:48
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von silera | #22

Habe wohl irgendetwas verwechselt. War da jetzt ne Jugenweihe oder der Tag der jungen Pioniere ? So mit blauen Hemd und roten Schal und Fähnchen.?

07.10.2012
14:16
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von fogfog | #21

alle arbeiten fleissig für die beamtenpensionen und politikerversorgung.
da ist nichts mit 43 %. sonst könnten die einzahler ja mehr bekommen.

07.10.2012
13:40
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #20

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.10.2012
13:09
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von janka.nbmv | #19

Mißfelder wird mitverantwortlich sein für die spätere Altersarmut seiner Generation, für die er sich angeblich so einsetzt. Er selbst wird kaum Probleme haben mit der privaten Vorsorge, aber die mal mit ihm im Sandkasten spielten (falls es solche gab oder er sich überhaupt im Sand schmutzig machen durfte)

07.10.2012
11:04
Kein Platz für Kritik beim Deutschlandtag der Jungen Union
von meinemeinung47 | #18

Es kann nicht so weitergehen, daß sich Politiker und Beamte fürstliche Altersversorgungen aus den Steuereinnahmen gönnen und diejenigen, die diesen Steuertopf füllen noch zusätzlich für sich selbst sorgen lassen!
Es ist eine Unverfrorenheit wenn Politiker mit über 10000 EUR Monatseinkommen keinen einzigen Cent für ihre Altersversorgung zahlen müssen, aber von Geringverdienern verlangen selbst Rückstellungen anzusparen!
Auch immer diese Erwähnung von "Betriebsrenten"! Wieviel Promille der Arbeitgeber gewähren denn noch neu eingestellten Mitarbeitern eine Betriebsrente?
Wenn ich diesen Mißfelder sehe und höre, der älteren Leuten mal keine Operationen mehr gewähren wollte, kommt mir die Galle hoch! Dieses Jüngelchen hat in seinem Leben noch keinen Cent durch produktive Arbeit selbst verdient! Politschmarotzer!!!

Aus dem Ressort
Thilo Sarrazin schlägt AfD eine Abgrenzung nach rechts vor
AfD
Nach den jüngsten Wahlerfolgen der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen und Brandenburg hat Thilo Sarrazin der Partei eine Abgrenzung nach rechts vorgeschlagen, um sich dauerhaft etablieren zu können. SPD-Generalsekretärin Fahimi kritisierte Sarrazins Aufritt scharf.
Britische Regierung verspricht mehr Autonomie für alle
Schottland
Nach der Entscheidung der Schotten pro Britannien sollen auch die anderen drei Regionen mehr Befugnisse erhalten. Der schottische Ministerpräsident Salmond tritt nach der verlorenen Wahlschlacht zurück. Trotz der Enttäuschung feierte er den Ausgang als „einen Triumph für den demokratischen Prozess“.
Britische Regierung verspricht mehr Autonomie für alle
Schottland
Nach der Entscheidung der Schotten pro Britannien sollen auch die anderen drei Regionen mehr Befugnisse erhalten. Der schottische Ministerpräsident Salmond tritt nach der verlorenen Wahlschlacht zurück. Trotz der Enttäuschung feierte er den Ausgang als „einen Triumph für den demokratischen Prozess“.
Was die EU-Sanktionen für Schalke und Gazprom bedeuten
EU-Sanktionen
Die deutsche Wirtschaft ächzt und klagt. Aber solange aus der löchrigen Gefechtspause in der Ost-Ukraine keine verlässliche Verständigung wird, bleibt die nächste Verschärfung der Sanktionen gegen Russland aktuell. Keine Sorgen muss sich vorerst Schalke 04 wegen der Partnerschaft mit Gazprom machen.
Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy kehrt in die Politik zurück
Comeback
Nicolas Sarkozy ist wieder da. Nach seiner Niederlage 2012 bei der Präsidentenwahl plante er den neuen Einstieg in die Politik lange und sorgfältig voraus. Sein erstes Ziel: Parteichef. Aktuell läuft gegen ihn noch ein Anklageverfahren wegen des Verdachts auf Korruption.
Umfrage
Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

Die Schotten haben sich gegen die Unabhängigkeit entschieden, Großbritannien bleibt intakt. Wie finden Sie das?

 
Fotos und Videos