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Kein Label – Kunden können "Tierwohl-Fleisch" nicht erkennen

18.01.2016 | 16:00 Uhr
Kein Label – Kunden können "Tierwohl-Fleisch" nicht erkennen
Landwirt Josef Mertens aus Attendorn-Niederhelden hat im Rahmen der Initiative Tierwohl die Aufzuchtbedingungen für seine 700 Schweine verbessert.Foto: Matthias Graben

Essen.   Die Initiative Tierwohl spricht von einem gelungenen Start ihres Projekts. Aber Verbraucher werden weiter nicht erkennen können, ob sie Tierwohl-Fleisch kaufen.

Der Geschäftsführer der Initiative Tierwohl, Alexander Hinrichs, ist dagegen, das „Tierwohl-Fleisch“ für Verbraucher offen zu kennzeichnen. „Würde ein solches Label eingeführt, dann müssten alle teilnehmenden Betriebe ihre Tiere nur noch von Betrieben beziehen, die ebenfalls teilnehmen. Das würde einen massiven Eingriff in bestehende Kunden-Lieferanten-Beziehungen bedeuten. Dann bestünde die Gefahr, dass nur wenige Landwirte teilnehmen wollten und die Initiative in ein Nischenmarktsegment abrutscht“, sagte Hinrichs dieser Redaktion.

Er bestätigte Informationen der Landwirtschaftskammern, dass derzeit rund 2500 Schweinemast-Betriebe an der Initiative teilnehmen wollten, es aber nicht könnten. „Eine Aufnahmegarantie gibt es nicht. Aber wir verstehen die Sorgen der Landwirte und wir werden in diesem Jahr noch weiteren Betrieben die Teilnahme ermöglichen.“

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Das Tierschutzprojekt "Initiative Tierwohl" steckt in der Krise. Westfälische und bayerische Bauern protestieren vor Edeka-Märkten.

Den kürzlich von Bauern in NRW organisierten Protest gegen Edeka hält Hinrichs für falsch. Edeka sei der größte Beitragzahler für die Initiative und erfülle seine Verpflichtungen voll. Die Kette war in die Kritik geraten, weil sie die von vielen Bauern geforderte Preiserhöhung für das Tierwohl um zwei Cent auf sechs Cent pro Kilo Schweinefleisch derzeit ablehnt. Im Hintergrund würden aber Verhandlungen über die „Anpassung der Teilnahmeentgelte“ geführt, sagte Hinrichs.

Viele Bauern bleiben offenbar auf ihren Investitionen ins Tierwohl sitzen

Die protestierenden Bauern werfen Edeka vor, den Erfolg der Initiative zu blockieren. Sie fordern eine Erhöhung des Verkaufspreises für Schweinefleisch um zwei Cent pro Kilo. Bisher fließen vier Cent ins Tierwohl-Projekt. Nach dieser Preiserhöhung könnten sich alle 4600 deutschen Schweinezucht-Betriebe, die bei der „Initiative Tierwohl“ mitmachen wollen, beteiligen. Viele hätten in eine verbesserte Tierhaltung investiert und würden nun auf ihren Kosten sitzenbleiben, weil die Initiative zu wenig Geld eingesammelt habe. Die Landwirte geben den Schweinen zum Beispiel mehr Platz im Stall, mehr Licht und diverse „Spielzeuge“ zum Wohlfühlen.

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Die „Initiative Tierwohl“ verfolgt die artgerechte Aufzucht von Hühnern und Schweinen. Bessere Lebensbedingungen bringen Bonus für Züchter.

Nach Einschätzung von Alexander Hinrichs war der Start der Initiative Tierwohl erfolgreich. Die Finanzierung der rund 2000 teilnehmenden Betriebe sei gesichert. Der Lebensmittel-Einzelhandel habe 85 Millionen Euro für das erste Jahr an die Initiative abgeführt. Von der Initiative profitierten rund 12 Millionen Schweine. Insgesamt werden im Jahr in Deutschland etwa 50 Millionen Mastschweine produziert.

Tierwohl-Index in der Vorbereitung

Der Lebensmittelhandel hatte zuletzt bemängelt, dass es immer noch keinen „Tierwohl-Index“ gibt, obwohl dieser schon für das vergangene Jahr in Aussicht gestellt worden sei. Dabei wird in Schlachtbetrieben kontrolliert, ob die Tiere wirklich bessere Haltungsbedingungen hatten. Diesen Index gebe es aber noch nicht, also sei das Tierwohl nicht überprüfbar und eine Preiserhöhung nicht gerechtfertigt, hatte Edeka argumentiert. Verhandlungsführer Edeka Minden-Hannover behauptete sogar, Schweinefleisch zu vermarkten, das über eine „deutlich höhere Tierschutzqualität“ verfüge als das „Tierwohl“-Fleisch.

„Wir haben 2016 das Thema Tierwohl-Index auf der Agenda. Wir wollen Schlachtbefunddatenin in einer zentralen Datenbank zusammenführen und prüfen, wie wir daraus Rückschlüsse auf das Tierwohl in den Betrieben ziehen können“, sagte Hinrichs dieser Redaktion.

Matthias Korfmann

Kommentare
21.01.2016
08:08
Kein Label – Kunden können "Tierwohl-Fleisch" nicht erkennen
von y.kelebek | #4

Schon makaber ein Label für Fleisch „Tierwohl“n zu nennen.

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2016-01-18 16:00
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