Kampf gegen Freibad-Schließungen - Zukunft Bürgerbad

Sommer, Sonne, Grugabad: Trotz Finanznot der Stadt ist das Essener Freibad noch ein städtischer Betrieb.
Sommer, Sonne, Grugabad: Trotz Finanznot der Stadt ist das Essener Freibad noch ein städtischer Betrieb.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Viele Freibäder werden schon seit Jahren von Vereinen und privaten Gesellschaften betrieben. Kritiker: Kommunen entziehen sich ihrer Verantwortung.

Ruhrgebiet..  In diesen warmen Tagen sind Freibäder wieder gefragt, aber das Wetter ist bekanntlich wankelmütig – und selbst ein rappelvolles Bad spült nie so viel Geld in die ­Kasse, dass es sich selbst tragen könnte. Überall klamme Kommunen, allerorten also Freibäder, die um ihren Fortbetrieb bangen.

Doch mancherorts entpuppen sich die Badenden selbst als Lebensretter; immer mehr Beispiele gibt es, wo Bürgerbegehren und zuweilen eilig gegründete, private Vereine die Schließung eines Bades verhinderten.

Was wiederum nicht jedem ­gefällt: „So geht es nicht“, sagt etwa Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG. „Die Städte entziehen sich ihrer Verantwortung und laden das wirtschaftliche Risiko auf den pri­vaten Initiativen ab.“ Dabei seien Bäder Kultur- und Lehrstätten und soziale Räume. „Der Badbetrieb ist nicht Aufgabe der Bürger.“

Bürgerbad als Rettungsanker

Trotzdem haben sie diese nicht nur in Bottrop übernommen. Dort sorgte die Initiative „Rettet das Stenkhoffbad“ 2013 mit einem Bürger­entscheid für den Erhalt – und hob den Stilllegungs-Beschluss der Stadt wieder auf. Ihre Vorbilder ­fanden die Bottroper gleich nebenan in Gladbeck: Dort führt der Sportverein SV 13 das Freibad schon seit 2003. „Aus bürgerschaftlichem Engagement und getreu unserer Gründungssatzung, die ­Verbesserung und Vermehrung der Schwimm- und Badegelegenheiten zu betreiben“, helfen viele Ehrenamtliche, „unser wunderschönes Freibad“ offenzuhalten.

Auch im Freibad in Fröndenberg-Dellwig ist ­eitel Sonnenschein: Seit dem Jahr 2012 wird die Anstalt als Bürgerbad vom Förderverein Freibad Dellwig als gemeinnützige GmbH betrieben. Seither lockt nicht nur der ­Badespaß insbesondere Familien an. Der Veranstaltungskalender 2015 verspricht Gottesdienste, Zeltlager oder Hundeschwimmen.

„Wollen eine Erlebnisarena bieten“

„Wir wollen eine Erlebnisarena bieten – wir versuchen, das Gelände durch Aktionen zu beleben“, erklärt auch Daniel Hallmann, Leiter im Naturbad in Mülheim. Seit Mai 2012 übernimmt die Stadt nur noch einen kleinen Teil der Kosten, der Rest kommt von der PIA-Stiftung für integrierte Stadtentwicklung. Und so gibt es neben dem alltäg­lichen Freibadbetrieb außerdem Wasserball- oder Kanuturniere, ­Beachparties mit Cocktails und DJ.

Hallmann sieht auch die Vorzüge eines solchen Bürgerbads, das für ihn und sein Team „mehr oder weniger unsere Sommerresidenz“ sei: Vieles könne auf dem kurzen Dienstweg geregelt werden, sei ­weniger bürokratisch. Deshalb könne man schneller auf Zwischenfälle wie eine defekte Pumpe reagieren.

Helfende Hände in der Not

Oder auch auf ein unvorhersehbares Hochwasser. So geschehen 2010 im Elsebad in Schwerte. ­Wobei dafür dann doch mehr benötigt wurde: helfende Hände und spendable Sponsoren. „Und ein starker Rückhalt in der Bevölkerung“, sagt Thomas Wild vom ­Förderverein.

Den hat das Bad: ­Insgesamt sind es 130 Menschen, die es im Ehrenamt erhalten – und das schon im 18. Jahr! Auch hier hatte es zwei Jahre nach der Schließung 1992 einen Bürgerentscheid gegeben, danach habe die Stadt „zähneknirschend“ einer Wiedereröffnung zugestimmt und das Bad in die Hände von Förderverein und gGmbH gelegt. Die betreibt nun ein Bürgerbad, wo man, so Wild, „Ideen verwirklichen kann“...

Poolparty und Badewannen-Rennen

...Verwirklichen muss: Die meisten Bäder leiden weiterhin unter erheblichem Sanierungsbedarf. „Die Städte haben es versäumt, Rück­lagen zu bilden“, klagt die DLRG. „Die Bürger zahlen die Zeche.“ Oder denken sich immer neue Sachen aus, um ihre Bäder attraktiv zu halten. In Bottrop ist heute Abend Poolparty. Und in Sprockhövel, wo ebenfalls private Träger das Bad am Leben halten, laden sie Ende Juli ein – zum Badewannen-Rennen.