Justizminister Kutschaty verheimlichte Ausbruch junger Intensivtäter
29.09.2012 | 17:49 Uhr 2012-09-29T17:49:00+0200
Düsseldorf. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty verschwieg die Flucht von drei jungen Intensivtätern. Die Landesregierung warb noch neun Tage nach der Flucht von Jugendstraftätern für das Erziehungscamp. Erprobt werden sollte eine neue, offene Form des Vollzugs. Motto: Bessern statt Strafen, Erziehen statt Wegschließen.
Es wirkt wie ein Katalog für Abenteuerreisen . Schöne Fotos von Kanufahrern, Kletterern, einem Kicker und lachenden jungen Männern. „Cool?!“, steht dort in großen Lettern. Und die erstaunliche Aufforderung: „Worauf wartest Du noch? Mehr Infos bekommst Du in Deiner Justizvollzugsanstalt.“ Es ist der Flyer, mit dem sich junge Häftlinge in NRW um einem Platz für den neuen „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ bewerben konnten. Bis zum jähen Ende am gestrigen Freitag.
Seit 1. August wollte die NRW-Landesregierung einen alternativen Jugendstrafvollzug testen . Motto: Bessern statt Strafen, Erziehen statt Wegschließen. Eine überparteiliche Enquete-Kommission hatte es schon vor vier Jahren so empfohlen. Bisher schien man kriminelle Karrieren im Knast eher zu befördern als zu verhindern. Die Rückfallquote: Stabile 60 Prozent.
Platz für sieben Straftäter
Also beauftragte das Justizministerium die Jugendhilfe-Einrichtung „Raphaelshaus“ in Dormagen damit, sieben Plätze für verurteilte Straftäter bereitzustellen. Statt Gitterfenstern wartete dort ein Tagesprogramm aus Frühsport, Schule, Koch- und Benimmkursen. Kostet ein durchschnittlicher Haftplatz in NRW 111,55 Euro am Tag, wurden in Dormagen 266,75 Euro fällig.
Drei jugendliche Straftäter sind aus einer offenen Vollzugseinrichtung in Dormagen ausgerissen. Für die NRW-Landesregierung bedeutet das einen schweren Rückschlag in ihrem gerade eingeschlagenen Sonderweg im Umgang mit jungen Straftätern. Die Opposition hatte vor einer „Kuschelpädagogik“ gewarnt.
Bei der Auswahl der ersten Kandidaten muss etwas gründlich schief gegangen sein. Knapp drei Wochen nach Projektstart verschwanden zwei 17-Jährige spurlos . Sie hatten wegen Diebstahl- und Gewaltdelikten schon stattliche Haftstrafen von vier Jahren und zwei Monaten bzw. eineinhalb Jahren auf dem Kerbholz. Da beide Migrationshintergrund besitzen, könnten sie längst außer Landes sein. Die Leitung des Jugendgefängnisses Wuppertal-Ronsdorf hatte sie ebenso für das Dormagener Projekt empfohlen wie einen 16-Jährigen, der nach kurzer Flucht gefasst werden konnte.
Thomas Kutschaty hat ein Problem: Sein Umgang mit offenkundigen Pannen beim Start eines vielbeachten Modellprojekts ist ein Desaster. Wenn 17-jährige Kriminelle spurlos verschwinden, darf das Landeskabinett dies nicht einfach der Öffentlichkeit und dem Landtag verschweigen.
Minister in Bedrängnis
In höchster Bedrängnis durchkreuzte Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Freitag seine Blaupause für eine landesweite Reform des Jugendstrafvollzugs. Die Projektgruppe in Dormagen wurde aufgelöst, das Modellprojekt ausgesetzt . Kutschaty fühlt sich von der Opposition im Stich gelassen, die sich nicht mehr an eine zentrale Empfehlung der Enquete-Kommission erinnere: Man solle den Jugendstrafvollzug in freien Formen drei Jahre lang in Ruhe experimentieren lassen. CDU-Fraktionsvize Peter Biesenbach stellte dagegen klar, dass er nicht den Ansatz eines erzieherischen Strafvollzugs kritisiere, sondern die Kandidatenauswahl und Umsetzung des Projekts.
Öffentlichkeit erfuhr nichts
Zum politischen Problem wird zudem die Informationspolitik des Justizministers. Noch am 28. August hatte das rot-grüne Landeskabinett das Dormagener Modell als Beispiel für das Regierungscredo „Kein Kind zurücklassen“ von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hochgehalten. Von den Fluchten erfuhr die Öffentlichkeit nichts. Selbst die Fachpolitiker der Landtagsfraktionen ahnten nicht, dass zwei angeblich ideal geeignete Intensivtäter schon neun Tage verschwunden waren.
Wegsperren oder Arbeitsstunden? Sozialarbeit oder Warnschussarrest? Im Gespräch mit WR-Redakteurin Katja Sponholz nimmt NRW-Justizminister Thomas Kutschaty Stellung zum Thema Jugendarrest und erläutert, was ein neues Gesetz bewirken soll.
Grünen-Rechtspolitikerin Dagmar Hanses will das Projekt retten: „Jugendstrafvollzug in freien Formen braucht weiterhin einen breiten politischen Konsens. Ich werde die Fachpolitiker aller Fraktionen zu einem Runden Tisch einladen – mit dem Ziel, dass wir uns über den bisherigen Konsens zum erzieherischen Umgang mit jungen Gefangenen neu verständigen.“ Womöglich könne künftig die Eignung von Kandidaten von Gerichten mitbeurteilt werden, so Hanses.

17:57
Wer ihn kennt, weiß, eine glatte Fehlbesetzung! Der Rücktritt ist unausweichlich!
Mit Geld kommt man da nicht weiter, da hilft nur eine gute Erziehung in einem guten Elterhaus!
17:15
Rücktritt - Herr Kuschelminister.
Die rotgrünen Toleranzromantiker haben wieder mit der Realität Bekanntschaft gemacht. Tut weh gell?!
09:17
Wahrscheinlich haben die Jünglinge mit "Migrationshintergrund" den Psychologinnen und Pädagoginnen genau wie sonst in der Disco ein bisschen schöne Augen gemacht und ein smartes Lächeln aufgesetzt, und schon waren sie für das Modellprojekt besonders geeignet.
09:04
266,75 € pro tag, wieviele unschuldig in bedrängnis geratenen träumen von solch einer summe.
also gibt es hier in diesem land nur eine möglichkeit in ein angenehmes von öfffentlichen geld bezahltes leben zu kommen, intensivtäter zu werden.
mitbürger, besonders unsere sozialpädagogen (haha), die immer noch von modernen vollzug sprechen sind einfach nur auszulachen, und das machen im übrigen auch sehr gerne die lustigen nazis im osten, mit denen in besserungsrojekten gearbeitet wird.
Soviel kostest es eben wenn man in Strassen statt Kinder investiert, danke schwarz/gelb für die verschwendete Zeit
Nein, soviel kostet es wenn man trotz aller Warungen ein Projekt durchsetzt das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist - und dazu noch die Öffentlichkeit belügt wenn das Projekt schon gescheitert ist...
08:48
Entschuldigung,
aber das geht beim besten Willen nicht, dass man deratige Tatsachen verheimlicht.
Es ist gut, dass Frau Hanses versucht mit den" Law-&-Order-Parteien-der-Angstmacher" einen Kompromis zu finden.
Entschuldigung,
was aus demokratischer und sozialer Sicht nicht geht, dass die ewig Gestrigen, wie sie sich hier vor mir äußerten, einen zukunftsorientierten humanen Strafvollzug ständig bekämpfen. Es ist viel Arbeit für Politker, wenn man an zwei Fronten kämpfen muss.
08:37
Grünen-Rechtspolitikerin will das Projekt retten dann würde ich vorschlagen jeder grüne Politiker nimmt einen Straftäter bei sich zu hause unter seine Betreung
genau so.
man sollte mal schauen wo die ganzen Politiker wohnen, die so was beschliessen und diese "Projekte" dann in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ansiedeln
08:20
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07:02
17-Jährige die zu "4 1/2" Jahren Haft verurteilt werden steckt man in den "Kuschelvollzug"?
Dann noch mit der Möglichkeit, im Ausland unterzutauchen!?
Begreift man nicht, das solche Täter sich über den deutschen Rechtsstaat ausschütten vor Lachen?
Verstellt die Sozialromantik bei manchen Politikern die Sicht auf die gelebte Realität?
Und dann will Frau Hanses von den Grünen allen Ernstes dieses Projekt noch weiterführen?
Mir scheint, solche Politiker sind für NRW ein echtes "Sicherheitsrisiko"!
23:52
Dafür, das billigend in Kauf genommen wurde, die Bevölkerung weiter zu gefährden, muss dieser Minister zurücktreten.
Weiterhin hat bewusst gelogen, um seinen persönliches Projekt nach vorn zu bringen.
Treten sie zurück. Sie gefährden mit ihrem Verhalten andere.
23:24
Es müsste den Hartz IV Beziehern einmal so gut gehen wie diesen Straftätern.
Versteh ich nicht. Also sollen Hartz4 Empfänger, Ihrer werten Meinung nach, jetzt in Camps zusammengepfercht werden und dort Benimm Unterricht und Kochkurse bekommen???
Ach so, die sechs Intensiv-Straftäter wurden also im offenen Vollzug in Dormagen im Raphaelshaus "zusammengepfercht", statt ihre wohlverdiente Jugendstrafe absitzen zu dürfen.
Ja dann verstehe ich auch, dass die Hälfte von ihnen getürmt ist...