Junge Muslime von Salafisten-Szene fernhalten

An Rhein und Ruhr..  NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) warnt vor einer „rasch wachsenden“ Szene des gewaltbereiten Salafismus in NRW. Um den Einstieg jugendlicher Muslime in den Salafismus zu verhindern, will Jäger in diesem Jahr vier weitere Beratungsstellen einrichten. Gestern eröffnete er eine „Wegweiser“-Beratung in Wuppertal, weitere Büros sind noch in diesem Jahr in Duisburg, Dinslaken, Köln und Dortmund geplant. Bisher gibt es „Wegweiser“ in Düsseldorf, Bochum und Bonn. Landesweit gehen Behörden von mindestens 1900 gewaltbereiten Salafisten aus – allein 200 in Bonn.

CDU-Kritik: Gefahr nicht erkannt

Die „Wegweiser“-Berater wenden sich pro Woche an über 40 Hilfesuchende. Derzeit arbeiten Sozialarbeiter mit 30 Jugendlichen besonders intensiv, um ihre Radikalisierung zu stoppen. Häufig meldeten sich Eltern von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, weil sich der Sohn anders kleide, plötzlich hochreligiös werde und von den Familien abdrifte, sagte Jäger. Die Berater helfen dann bei der persönlichen Betreuung, schulischen Problemen und der Suche nach einem Arbeitsplatz. Nach Angaben Jägers ist es in einigen Fällen gelungen, dass betroffene Jugendliche wieder zur Schule gehen und Kontakt zur Familie aufnehmen.

CDU-Innenexperte Theo Kruse kritisierte, dass Jäger die Gefahr der schnell wachsenden Salafisten-Szene nach wie vor nicht erkannt habe. Experten gingen von einer deutlich höheren Dunkelziffer bei Salafisten aus. FDP-Experte Joachim Stamp sprach von einem „Placebo“ des Ministers, der bisher gerade einmal vier Stellen in NRW bereit stelle. „In keinem anderen Bundesland ist das Problem mit gewaltbereiten Salafisten so hoch wie in NRW“, mahnte Stamp. Jäger sei sich der Dimension des Problems nicht bewusst.