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Julia Klöckner macht mit Seehofer Wahlkampf in Ludwigshafen

28.02.2016 | 08:01 Uhr
Julia Klöckner macht mit Seehofer Wahlkampf in Ludwigshafen
Horst Seehofer gibt sich an Julia Klöckners Seite zahm.Foto: dpa

Ludwigshafen.  Beim Wahlkampfauftritt in Rheinland-Pfalz hält sich CSU-Chef Seehofer deutlich zurück. Er mimt stattdessen den Klöckner-Verehrer.

Julia Klöckner hat mit der Kanzlerin telefoniert. „Schöne Grüße von Angela“, sagt sie. Schon die Begrüßung von Horst Seehofer, draußen auf der Straße vor seiner Limousine, ist politisch. Den einzigen Auftritt des CSU-Chefs im rheinland-pfälzischen Wahlkampf bringen die CDU-Spitzenkandidatin wie ihr Gast unfallfrei hinter sich: Soll keiner denken, dass sich zwei gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin verbünden.

Er sind 350 Zuhörer da, mehr Plätze hat die Festhalle in Oggersheim nicht. Aber mehrere Kamerateams verfolgen Seehofer im Ludwigshafener Stadtteil auf Schritt und Tritt, halten jede Regung, jedes Wort fest. Kein böser Satz ist dabei. 60 Minuten ohne Merkel-Bashing. Am Ende flüstert er Klöckner zu, „ich habe nicht gezündelt“.

Auftritt eines Charmeurs

Der Mann muss vor dem Auftritt in Helmut Kohls Heimat eine XXL-Portion Kreide gefressen haben, so lieblich hat er seine Stimme gemacht. Es ist der Auftritt eines Charmeurs („Du bist eine fabelhafte Person“), eines Klöckner-Verehrers. „Bei allen Diskussionen, die wir haben“, flötet der Bayer, „arbeite ich mit unserer Bundeskanzlerin hervorragend und vertrauensvoll zusammen“. Am nächsten Mittwoch, verriet er, sei er wieder bei Merkel im Kanzleramt – zum Gipfeltreffen.

Wer Seehofer an diesem Sonnabend zuhört, käme nicht auf die Idee, dass es derselbe Mann ist, der Merkel im aktuellen „Spiegel“ Realitätsblindheit vorwirft. Vor der Wirklichkeit könne man eine Weile wegrennen, weil sie nicht ins politische Konzept passe, „aber dann wird uns eben die Bevölkerung weglaufen.“ Ein Satz, dem Klöckner aus eigener Erfahrung beipflichten müsste. Je länger die Flüchtlingskrise anhält, desto mehr verliert ihre Partei an Zustimmung. Klöckner dringt mit ihrem Programm im Wahlkampf nicht durch, „man hat fast den Eindruck, es geht nur um Flüchtlingsfragen.“ Ein verständlicher Stoßseufzer – ihr schwimmen gerade die Felle davon.

Klöckner sitzt zwischen zwei Stühlen

Politisch sitzt sie zwischen allen Stühlen. Sie ist als Vizechefin der CDU loyal zu Merkel, aber in der Sache näher an Seehofer. Wenn es zu keiner europäischen Lösung komme, „dann müssen wir die nationalen Grenzen kontrollieren“, sagt Seehofer in Oggersheim. Nichts anderes ist Klöckners Plan „A2“. Darauf läuft ihr gemeinsamer Vorstoß mit dem baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf hinaus: Nationale Tageskontingente. An der bayrisch-österreichischen Grenze könnten sie schneller Realität werden, als die Wahlkämpfer es gedacht haben. Gestern bestätigte der bayrische Innenminister Joachim Herrmann, (CSU), dass der Freistaat sich schon auf eine Grenzschließung einstellt und dann die Zahl der Flüchtlinge auf 600 pro Tag begrenzen will.

Es ist Klöckners Plan.

Miguel Sanches

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http://www.derwesten.de/politik/julia-kloeckner-macht-mit-seehofer-wahlkampf-in-ludwigshafen-id11604806.html
2016-02-28 08:01
Politik