Jugendbanden plündern Geschäfte in Soweto

Johannesburg..  Das für seine Aufstände gegen die Apartheid-Regierung berühmte Johannesburger Mega-Township Soweto befindet sich erneut in Aufruhr. Dieses Mal gilt der Zorn der Bevölkerung allerdings nicht der längst abgedankten verhassten weißen Staatsmacht, sondern ausländischen Ladenbesitzern, deren Krämerlädchen im Verlauf dieser Woche geplündert wurden – Augenzeugen sprechen von fast 200 ausgeraubten Geschäften. Jugendbanden ziehen seit Anfang der Woche durch die Stadtteile des rund drei Millionen Einwohner zählenden Townships, um – wie manche der Plünderer behaupten – Soweto von den „ausländischen Ausbeutern“ zu befreien.

Viele der kleinen Geschäftsleute wurden um ihren gesamten Besitz gebracht. Die Polizei verhaftete mehr als 150 Personen und stellte Schusswaffen sicher. Gestern wurden viele der eingewanderten Ladenbesitzer, die in den Polizeistationen Schutz gesucht hatten, an einen geheimen Ort evakuiert.

Der Flächenbrand hatte sich am Montag bei einem Zwischenfall in Sowetos Stadtteil Snake Park entzündet. Dort erschoss ein Ladenbesitzer aus Bangladesch einen 14-Jährigen, der an einem Überfall auf sein Geschäft beteiligt gewesen sein soll.

Die Reaktion der aufgebrachten Bevölkerung weitete sich in der Folge auf große Teile der rund zwanzig Kilometer südöstlich Johannesburgs gelegenen Satellitenstadt aus, wobei zumindest ein weiterer Todesfall gemeldet wurde. Ein Mob stach nach einem Bericht der Tageszeitung „The Star“ einen 74-jährigen halb erblindeten Ladenbesitzer aus Malawi nieder und zündete ihn anschließend an. Trotz des gelegentlichen Einsatzes von Tränengas und Gummigeschossen sah sich die Polizei außerstande, die Unruhen unter Kontrolle zu bringen. Allerdings wurden Polizeibeamte auch dabei beobachtet, wie sie den Plünderungen tatenlos zusahen oder sich sogar daran beteiligten.

Medien ziehen bereits Parallelen zu den blutigen ausländerfeindlichen Übergriffen am Kap der Guten Hoffnung, bei denen vor sieben Jahren fast einhundert Menschen ums Leben kamen und Tausende fliehen mussten. Politiker des regierenden ANC versuchen, die Vorfälle herunterzuspielen und beteuern, dass es sich nicht um ausländerfeindliche Übergriffe, sondern um gemeine kriminelle Akte handele. Da aber fast ausschließlich ausländische Geschäftsleute angegriffen wurden, spricht auch die südafrikanische Menschenrechtskommission von „ausländerfeindlichen Motiven“.

Geld für Alkohol – Nahrung stehlen

Viele Bewohner Sowetos äußern sich bestürzt über die Ausschreitungen. „Die Leute können nicht behaupten, dass sie hungrig sind, wenn man sie jeden Tag betrunken sieht“, sagte Enock Molebeletse der Agentur News24: „Sie geben ihr Geld zum Trinken aus und stehlen ihr Essen.“ Politiker aller Lager erinnern die Bevölkerung daran, dass zahlreiche Südafrikaner während der Apartheidzeit Asyl in anderen afrikanischen Staaten gefunden haben: Doch die Auffassung, dass ihnen afrikanische Immigranten Arbeitsplätze wegnähmen, ist unter jungen Südafrikanern weit verbreitet.