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Jost de Jager will CDU-Landeschef bleiben

16.08.2012 | 19:00 Uhr

Die Zukunft von Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Jost de Jager ist vorerst geklärt: Er stehe weiter für den Landesvorsitz zur Verfügung, sagte der 47-Jährige am Donnerstagabend vor einer Sitzung des Landesvorstandes in Kiel. "Ich glaube, es ist kein politischer Schaden eingetreten." Medien hatten zuvor berichtet, dass de Jager seinen Rücktritt vom Landesvorsitz erwägt.

Kiel (dapd). Die Zukunft von Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Jost de Jager ist vorerst geklärt: Er stehe weiter für den Landesvorsitz zur Verfügung, sagte der 47-Jährige am Donnerstagabend vor einer Sitzung des Landesvorstandes in Kiel. "Ich glaube, es ist kein politischer Schaden eingetreten." Medien hatten zuvor berichtet, dass de Jager seinen Rücktritt vom Landesvorsitz erwägt.

Hintergrund der Spekulationen war die von de Jager geplante Bundestagskandidatur im Wahlkreis Schleswig-Flensburg. Dies sorgte für Irritationen im Landesverband. Die 54 Jahre alte Juristin Sabine Sütterlin-Waack hatte Anfang der Woche angekündigt, parteiintern gegen de Jager um den Wahlkreis kandidieren zu wollen.

Eine wochenlange Hängepartie vor einer Kampfabstimmung wolle de Jager, der bereits mit einem Wechsel in die Wirtschaft kokettiert habe, nicht hinnehmen, berichtet "Die Welt" (Freitagausgabe) unter Berufung auf ein führendes Mitglied der Christdemokraten. Sütterlin-Waack war auf dapd-Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Vor der Vorstandssitzung betonte de Jager, dass er die Rückendeckung des Landesvorstands spüre. Er habe nicht den Eindruck, dass er die Unterstützung einfordern müsse. Er werde seine Kandidatur aufrechterhalten. Es sei das demokratische Recht von Sütterlin-Waack, dass auch sie ihre Kandidatur aufrechterhalte. Er werde jedoch alles dafür tun, dass die Mitglieder hinter ihm stünden.

CDU-Sprecherin Christine Ström nannte den Zeitungsbericht auf dapd-Anfrage "Spekulation". Dagegen sagte ein CDU-Vorstandsmitglied dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, de Jager verlange auf der abendlichen Sitzung der Partei eine Entscheidung darüber, ob er im Wahlkreis Schleswig-Flensburg für den Bundestag kandidieren kann. Der bisherige Direktkandidat Wolfgang Börnsen will zur Bundestagswahl 2013 nicht mehr antreten.

Fassungslos über die aktuelle Diskussion zeigte sich Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Mitglied des CDU-Landesvorstand. "Jost de Jager ist unverzichtbar für Schleswig-Holstein", sagte Schröder.

Auch der CDU-Fraktionschef in Schleswig-Holstein und Kreisvorsitzende von Schleswig-Flensburg, Johannes Callsen, unterstützt de Jager. Er werde alles dafür tun, dass de Jager Landesvorsitzender bleibe und deshalb habe er für diese Kandidatur auch seine volle Unterstützung, sagte Callsen.

De Jager musste bei der Landtagswahl am 6. Mai als Spitzenkandidat seiner Partei eine Niederlage einstecken. Die Union war aus dieser zwar knapp als stärkste Kraft vor der SPD hervorgegangen. Allerdings reichte es nicht für eine Neuauflage von Schwarz-Gelb. In der Folge lösten SPD, Grüne und Südschleswigscher Wählerverband (SSW) die CDU-geführte Landesregierung ab.

De Jager war zuletzt Wirtschaftsminister und seit dem Rückzug des einstigen Landeschefs und Spitzenkandidaten Christian von Boetticher auch der Hoffnungsträger der CDU. Zur Landtagswahl hatte er jedoch keinen Direkt-Wahlkreis erhalten. Da exakt so viele CDU-Kandidaten ihre Wahlkreise gewannen, wie der Partei laut dem Zweitstimmenergebnis zustanden, hatte kein CDU-Listenkandidat ein Mandat erhalten. Dies traf auch für de Jager zu.

dapd

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