Jetzt spricht das Volk

Das antike Griechenland gilt als Wiege der direkten Demokratie. In der Volksversammlung hatten alle Bürger – außer den Frauen – Stimmrecht. Sie verabschiedeten Gesetze, wählten ihre Beamten, entschieden über Krieg und Frieden.


Das moderne Griechenland
hat mit Volksabstimmungen wenig Erfahrung. Die letzte fand 1974 statt. Damals ging es um die Monarchie. Knapp 70 Prozent stimmten für ihre Abschaffung. So klar wird das Referendum am Sonntag wohl nicht ausgehen.


Das Ergebnis der Abstimmung
ist bindend für die Regierung, sofern die Wahlbeteiligung mindestens 40 Prozent erreicht. Ungewiss war am Freitag aber noch, wie reibungslos die Abstimmung ablaufen wird. Für die organisatorische Vorbereitung hatten die griechischen Behörden nur eine Woche Zeit.


Der Wahlkampf
wird nicht nur mit Plakaten, Flugblättern, TV-Spots, Radiowerbung und in den sozialen Medien geführt. Seit Tagen versammeln sich die Anhänger beider Lager in den Städten zu Massenkundgebungen. Am Freitag organisierten die Anhänger eines Ja eine Versammlung im alten Athener Olympiastadion. Premier Tsipras wandte sich noch einmal in einer TV-Ansprache ans Volk.


Überschattet wird die Abstimmung
von wachsender Angst seit der Schließung der Banken am letzten Montag. In den meisten Supermärkten sind Mehl, Hülsenfrüchte, Zucker, Reis und Pasta fast ausverkauft.