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Bildungsbericht

Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen

22.06.2012 | 17:59 Uhr
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
Das Bildungsniveau steigt, doch immer noch ist jeder fünfte Schüler schwach im Lesen, ergab der aktuelle Bildungsbericht. Jeder dritte Schüler in NRW gehört zu einer „Risikogruppe“.Foto: Irmine Skelnik

Berlin.   Wissenschaftler sehen Fortschritte und mahnen zugleich. In Deutschland gibt es trotz Fortschritten im Bildungssystem noch immer zahlreiche Bildungsverlierer. So zeigt etwa nach wie vor jeder fünfte Schüler Schwächen beim Lesen, und viele Jugendliche schaffen nicht den direkten Übergang in die Berufsausbildung, wie aus dem am Freitag in Berlin vorgestellten Bildungsbericht hervorgeht.

In Deutschland gibt es trotz Fortschritten im Bildungssystem noch immer zahlreiche Bildungsverlierer. Laut Bildungsbericht 2012 haben immer noch 6,5 Prozent der Schulabgänger keinen Abschluss. Zudem ist nach Auskunft der Bildungsforscher jeder fünfte Schüler schwach im Lesen.

Gleichwohl zogen die Kultusminister gestern bei der Vorstellung des Berichtes in Berlin eine positive Bilanz. „Die Zahl der Abiturienten nimmt zu, die Zahl der Schulabbrecher geht weiter zurück“, betonte der Präsident der Kultusministerkonferenz, der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD). Außerdem besuchten fast alle drei- bis fünfjährigen Kinder inzwischen eine Kindertagesstätte, erklärte Rabe.

Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss sinkt

49 Prozent der Schulabsolventen im Jahr 2010 haben die allgemeine Hochschulreife erlangt. Es gibt mehr Studenten, dazu bessere Chancen für Jung-Akademiker. Auch die Lage auf dem Lehrstellenmarkt entspannt sich. Zwischen 2008 und 2010 ist der Anteil der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss gesunken: Von acht auf 6,5 Prozent. Die Forscher mahnen, dass der Ausbau des Betreuungsangebots für unter Dreijährige massiv vorangetrieben werden muss, um den ab August 2013 geltenden Rechtsanspruch erfüllen zu können

Das Bildungsniveau steigt. Die Hälfte der Jugendlichen macht Abitur. Es gibt mehr Studienanfänger- und Abschlüsse, weniger Schulabbrecher. Der Bildungsbericht, der gestern in Berlin vorgelegt wurde, liest sich für die Kultusminister wie ein gutes Zeugnis. Fragen und Zahlen im Überblick:

Was ist der Bildungsbericht?

Eine Datensammlung und Analyse, die alle zwei Jahre von Wissenschaftlern vorgelegt wird. Die Federführung hatte der Bildungsforscher Horst Weishaupt. Auftraggeber sind Bund und Länder.

Stimmt es, dass darin das geplante Betreuungsgeld kritisiert wird?

Indirekt. Die Forscher fragen, ob Mittel für die Kindertagesstätten fehlen werden. Die Regierung antwortet, es seien zwei verschiedene Töpfe. Das Betreuungsgeld gehe nicht zu Lasten des Programms zum Kita-Ausbau.

Wie sieht es bei der frühkindlichen Bildung aus?

Die 3- bis 6-Jährigen gehen in der Regel in eine Kita. Bei den Jüngeren liegt der Anteil bei 25 Prozent.

Sind private Schulen im Trend?

Ihr Anteil hat sich zwischen 1998 und 2010 von 5,2 auf 9,9 Prozent fast verdoppelt. Ein Beispiel: Die Zahl der privaten Grundschulen ist in Jahren von 2277 auf 3605 gestiegen. Zum Teil holt der Osten eine Entwicklung nach. Zum Teil sind die Schulen relativ klein. Träger sind überwiegend die Kirchen.

Wo setzen die Kultusminister neue Prioritäten?

Bei der Lehrerausbildung. Sie wollen dafür 500 Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren ausgeben. Die Hälfte der Lehrer ist über 50 Jahre alt. Man hofft nicht zuletzt auf mehr Pädagogen mit Migrationshintergrund. Denn sie sind bisher deutlich unterrepräsentiert.

Wo gibt es Versäumnisse?

Das Potenzial der Ganztagsschulen werde „zu wenig ausgeschöpft“. Jeder fünfte Schüler ist ein schwacher Leser. 3,4 Prozent der Kinder werden direkt in eine Förderschule eingeschult. Es gibt einen Sockel an Bildungsverlierern, vor allem unter Migrantenkindern.

Was sind Risikofaktoren?

Wenn beide Eltern arbeitslos sind, spricht man von einem sozialen Risiko. Wenn das Einkommen der Familie unter der Armutsgrenze liegt, wird eine finanzielle Risikolage angenommen. Haben weder die Mutter noch der Vater einen Berufsabschluss oder Abitur gemacht, gilt das Elternhaus als bildungsfern. In Nordrhein-Westfalen wird jeder dritte Schüler mindestens einer dieser drei Risikogruppen zugerechnet.

Was sagen die Bildungsminister?

Sie fühlen sich bestätigt, weil das Bildungsniveau gestiegen ist und das Schulsystem durchlässiger, flexibler geworden ist. Das war das Ziel der Reformen der letzten Jahre. Neu am Bildungsbericht ist die Untersuchung der kulturellen, musischen Ausbildung. Über alle Altersstufen hinweg stellten die Forscher ein großes Interesse daran fest: Nahezu alle Kinder malen, basteln und musizieren gern. Insbesondere die Ganztagsschulen gelten „als wichtiger Lernort für kulturelle Bildung“. Auch in den Familien hat das Vorlesen und Singen hohe Bedeutung.

Miguel Sanches



Kommentare
24.06.2012
20:12
#28 so ist es, da erobern sich Studenten mit guten Noten einen Posten
von meigustu | #30

den sie nicht ausfüllen können. Gerade Ausbilder müssen gestandene Persönlichkeiten mit klaren Kopf sein, keine braven Bücherwürmer, die dann am Ende nur wissen wie man jemanden rechtssicher feuert.

Heute ist der Arbeitsmarkt leergefegt, da muss ein Ausbilder auch die zu einem Berufsabschluss führen können, die er vor 10 Jahren noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch geladen hätte. Dazu muss ist an der Spitze ein Wechsel unerlässlich.

24.06.2012
14:27
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Trompeten-Charly | #29

Wir brauchen ein Bildungs- bzw. Schulsystem, welches nicht ständig durch profilneurotische Politiker "reformiert" wird. Zudem Eltern, für die es selbstverständlich ist, ihre Kinder während deren schulischer Laufbahn aktiv zu begleiten, in beschwerlichen Ausbildungssituationen Gehör und Aufmerksamkeit zu schenken und nicht zuletzt auch liebevoll und fördernd in die Entwicklung ihrer Kinder eingreifen!

24.06.2012
09:11
Generation Doof
von Tritt_Brettfahrer | #28

Ich erinnere mich an zwei Fälle, die auch erfolglos aussahen. Die brauchten etwas „Anschubarbeit“. Heute sind die beiden engagierte Mechatroniker, die eine gute Arbeit leisten und die der Betrieb freiwillig nicht abgeben wird. Hätten wir die damals aufgegeben, lungerten die heute auf der Straße herum.
Ein Ausbilder, der mit beleidigenden Parolen um sich wirft, gibt die ihm anvertrauten jungen Menschen (und sich selbst) bereits auf, bevor er überhaupt den ersten Kontakt mit ihnen aufgenommen hat. Ein Ausbilder, der mit seiner Aussage eine ganze Generation junger Menschen über einen Kamm schert, ist eine Katastrophe für jeden Azubi und jeden Ausbildungsbetrieb. Als Ausbilder sollte er so schnell wie möglich entfernt werden, allein schon, um nicht auch noch die guten Azubis zu demotivieren, deren Existenz er mit seiner Aussage „Generation Doof“ vollständig leugnet.

23.06.2012
16:25
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von DerMerkerNRW | #27

Warum werden solche Defizite beschönigt, als Ausbilder in Industrie und Handwerk kann ich nur sagen es sind mindestens 40%, Gottseidank in den letzten 5 Jahren abnehmend!

Glück Auf Generation Doof

23.06.2012
13:24
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Bella74 | #26

Mit Schrecken dürfte ich in der Vergangenheit immer wieder feststellen, das das Leseproblem oft hausgemacht ist. Oft genug bekam ich von zumeist jüngeren Kollegen, gerade erst Eltern geworden, das sie selber nie oder selten, und wenn dann nur 08/15 Groschenromane lesen würden. Wo soll da der Impuls und Anreiz zum lesen her kommen?!? Die Schule kann solche erzieherischen Mängel nicht zu 100% auffangen. Ich selber lese 40-50 Romane im Jahr und wenn ich könnte, wären es gern doppelt so viele. Zum Glück konnte ich meinen Sohn erfolgreich zum lesen animieren, so das er abends noch heimlich weiter liest, obwohl wegen der Schule Zeit zum schlafen wäre.

3 Antworten
Bravo, bravo!
von HansiwurstI | #26-1

Du liest also jede Woche ein Buch. Und jetzt bist du mehr Wert, als wir alle zusammen? Versteh ich nicht. Gehörst wohl auch zu der Sorte, die sagen: "Hauptsache lesen". Ob der Sohn sich dann Harry-Potter-Müll reinzieht - egal: "ich geb ihm ja schließlich auch Dosenfutter". Hauptsache, er liest, gell?

Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Dschoistick | #26-2

Viel genützt hat das Lesen aber nicht ...

Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von xxyz | #26-3

Das ist wieder typisch Deutschland. Kaum wird vom Lesen oder einer Leistungsorientierung gesprochen, schon gibt es die ersten Kommentare, die zeigen, dass Leistung nicht akzeptiert wird.

Nur Bildung auf geringsten Niveau wird anerkannt. Alle anderen sind streber oder Besserwisser.

23.06.2012
13:21
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von dummmberger | #25

Ich verfolge jetzt schon länger die Bildungs-Diskussionen hier auf derwesten. Dabei fällt auf, dass das Niveau der meisten Kommentare die These, die Schulbildung sei früher besser gewesen, nicht stützt.

3 Antworten
...
von HansiwurstI | #25-1

das fällt mir bei dir auch immer so unangenehm auf...

Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von dummmberger | #25-2

Wieder ein sinnfreier Beitrag, der mich bestätigt.

Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Tritt_Brettfahrer | #25-3

Für mich scheinen die immer wiederkehrenden Kommentare von Hansiwurstel (bzw. seinen wechselnden Nicks) eher Ausdrucksversuche eines gelangweilten pubertierenden Kindes zu sein. Sinnfrei sind sie aber allemal.

23.06.2012
10:10
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von carbid | #24

Das Abitur ist ein Massenbildungsabschluss geworden.
Abiturienten von heute hätten in den 60er- und 70er-Jahren Probleme mit dem Hauptschulabschluss gehabt.

1 Antwort
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von xxyz | #24-1

Ja, früher war alles besser.
Als ich an der Uni in der Fachschaft Klausuren aus den 80er Jahren gesehen hatte, konnte ich kaum Glauben, wie einfach die Aufgaben waren.

Heute wird auch mehr Text produziert , und viele müssen auf der Arbeit mehr Infos verarbeiten als früher. Da lässt die Qualität nach.

Ich schreibe bspw. Zurzeit auf einem modernen tablet, es ist eine Katastrophe, was die autovervollstandigung aus den Texten macht.

23.06.2012
08:57
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von buntspecht2 | #23

Früher waren wir an den kleinen Volksschulen in zwei Klassen aufgeteilt 1-4 und 4-8 und die meißten sind auch was geworden war überings die Volksschule Witten-Schnee

2 Antworten
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von sonsengnim | #23-1

die mei ß ten?

...
von HansiwurstI | #23-2

ja, er ist Metzgermeister geworden. Da kommts auf Rechtschreibung nicht so an.

23.06.2012
08:52
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Fernglas | #22

Doof bleibt Doof - da helfen auch keine Bildungspakete, Förderprogramme, oder wie die ganzen sinnlosen Pakete noch heissen mögen.

23.06.2012
08:16
Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen
von Klausi1683 | #21

Ja Frau Löhrman und Frau Kraft das wird wohl in den nächsten Jahren nicht wirklich besser da ihr Allgemeinschulenexperiment weitere Schüler auf dieses niedrige Niveau herunter ziehen wird. Hauptsache wir Lernen alle länger zusammen!!! Schwwachsinn!

1 Antwort
Pippilotta-Prinzip
von Tritt_Brettfahrer | #21-1

Seit es die Kultusministerien gibt, möglicherweise auch schon weit zuvor, wird mit und an den Schülern experimentiert. Ob die neue Schulform nun gut oder schlecht ist, muss sich noch zeigen. Es ist zwar schön, Recht zu haben, diejenigen aber, die jetzt schon der Meinung sind, sie sei schlecht, sollten im Sinne der Schüler hoffen, dass sie mit ihrer Beurteilung falsch liegen. Noch mehr Fehler können wir uns bildungspolitisch nämlich nicht mehr leisten.
Sicher ist nur eines: Die neue Schulform ist nicht nur das gemeinsames Produkt der Damen Löhrman und Kraft, sondern auch des Herrn Laumann –obwohl der ja bis zuletzt dagegen war! Wer letzteren Herrn verschweigt, betrügt sich selbst. (Ich mach mir die Welt, Widdewidde, wie sie mir gefällt ...)
Übrigens: Dass es mit dem Schulsystem auch früher nicht zum Besten stand, zeigt die Interpunktion mancher Kommentatoren

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