Jeder dritte Christ hat die Kirche verlassen

Hagen..  Die Volkskirchen verlieren weiterhin dramatisch an Mitgliedern. Obwohl die offiziellen Gesamtzahlen für 2014 erst im Laufe der nächsten Wochen veröffentlicht werden, lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Austrittswelle im Vergleich zum Vorjahr noch weiter angestiegen ist.

13 092 Gläubige hat die Evangelische Kirche von Westfalen in 2013 verloren, im Bereich des Erzbistums Paderborn verabschiedeten sich 8356 Katholiken von ihrer Kirche.

Der Mitgliederschwund ist in der Region wie auch auf Bundesebene bei beiden Konfessionen prozentual gesehen annähernd gleich: Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte verloren die Kirchen jeweils mehr als 30 Prozent ihrer Mitglieder.

Dabei sind die Gründe für den Schwund vielfältig. Neben der grundsätzlichen demografischen Entwicklung und einer generellen Säkularisierung der Bevölkerung sorgen auch Themen wie der Missbrauchsskandal oder das fragwürdige Finanzgebaren des ehemaligen Limburger Bischofs Tebartz-van-Elst für immer weitere Austritte. Individuelle Negativ-Erfahrungen in den Gemeinden vor Ort, der Ärger über den Kirchensteuer-Einzug und nicht zuletzt allmähliche Entfremdungsprozesse über Generationen hinweg flankieren zudem die nicht enden wollende Austrittswelle.

Von den 2,4 Millionen Protestanten in Westfalen haben sich von 2004 bis 2013 mehr als 107 000 Christen verabschiedet. Im Erzbistum Paderborn (1,6 Millionen Katholiken) waren es im gleichen Zweitraum gut 55 000 Menschen. Übertritte von einer zur anderen Konfession bleiben die Ausnahme, und die Kircheneintritte bewegen sich im niedrigen vierstelligen Bereich.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, richtet in dieser Situation den Blick auf die Jugend: Da in den Familien der Glaube vielfach nicht mehr vermittelt werde, müsse die Kirche nach anderen Möglichkeiten suchen, dieses gesellschaftliche Defizit auszugleichen.