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Altersarmut

Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut

27.08.2012 | 17:16 Uhr
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Die Rente ist nicht sicher: Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt vor mehr Altersarmut in NRW.Foto: dapd

Düsseldorf.   Jeder dritte Rentenversicherte in NRW ist akut von Altersarmut bedroht. Die Ursachen sind vielschichtig: zu wenig Vollzeitjobs, ein wachsender Niedriglohnsektor, psychischer Druck am Arbeitsplatz mit der Folge, dass immer mehr Beschäftigte früher aussteigen.

Fast jeder dritte Rentenversicherte in NRW ist von Altersarmut bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt der "Renten-Report" des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Nordrhein-Westfalen. Demnach ist in den vergangenen 15 Jahren die Altersrente bei Männern von montalich 1050 Euro auf 975 Euro gesunken. Bei Frauen liegt die Monatsrente im Schnitt bei 491 Euro.

Wie entwickeln sich die Renten?

„Erschreckend“ nennt DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber die Bilanz, die sich auf Daten der Deutschen Rentenversicherung Rheinland stützt. Danach sank die durchschnittliche Altersrente bei Männern in den letzten 15 Jahren von 1050 auf 975 Euro. Frauen erhielten voriges Jahr im Schnitt 491 Euro – 185 Euro weniger als das Existenzminimum. Noch stärker gingen die Erwerbsminderungsrenten zurück. „Armut ist einmal mehr weiblich“, sagt DGB-Vize Sabine Graf.

Warum der Abwärtstrend?

In NRW hat laut Studie jeder vierte Arbeitnehmer keinen unbefristeten Vollzeitjob, gut jeder fünfte ist im Niedriglohnsektor mit Stundenlöhnen unter neun Euro tätig. Das führe dazu, dass fast jeder dritte Versicherte nur sehr geringe Rentenansprüche aufbaue. Graf macht eine Rechnung auf: Eine Mini-Jobberin mit 400 Euro Monatsverdienst müsste theoretisch 165 Jahre für eine Rente von 517 Euro arbeiten – und läge immer noch unter der Grundsicherung (676 Euro).

Wie reagiert die Politik?

„Prekäre Beschäftigung muss zurückgedrängt werden, der Niedriglohnsektor darf nicht weiter ausufern“, sagt NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Ansonsten sei Altersarmut die Spätfolge. Er fordert unbefristete feste Arbeitsverhältnisse als „Regel“. Meyer-Lauber plädiert für eine Reform der Mini-Jobs und eine gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro als „Notbremse“. Davon würden in NRW eine Million Menschen profitieren.

Wie wirkt sich das frühe Renteneintrittsalter aus?

Es verschärft die Lage. Heute gehen Arbeitnehmer in NRW durchschnittlich mit 60,4 Jahren in Rente, also weit vor dem normalen Rentenalter von 65. Dies zieht teilweise herbe Abschläge bei der Rente nach sich. Etwa jeder zweite Rentner ist betroffen, die Rentenminderung beträgt im Schnitt 113 Euro. Durch die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre wird sich die Situation zuspitzen. Im Jahr 2030, so Graf, werde ein Durchschnittsverdiener 33 – anstatt heute: 27 – Jahre arbeiten müssen, um eine Rente auf Niveau der Grundsicherung zu erhalten.

Warum gehen immer mehr Menschen vorzeitig in Rente?

Die meisten, so Meyer-Lauber, scheiden nicht freiwillig aus. Inzwischen werde jede zweite Erwerbsminderungsrente wegen psychischer Erkrankungen gezahlt. Nach einer DGB-Statistik müssen 16 Prozent der 60- bis 65-Jährigen wegen Entlassung vorzeitig aufgeben, 22 Prozent wegen Erkrankung. Weitere 11 Prozent scheiden früher aus, um einen Angehörigen zu pflegen. Besonders stressbelastet seien Menschen in Gesundheits- und Bauberufen. Sie gehen im Schnitt schon mit unter 60 Jahren in Rente.

Wachsen genügend Beitragszahler nach?

Aufstehen gegen Armut

Nein. Die Demografie belastet die Rentenkasse zusätzlich. 2008 kamen noch 100 Beitragszahler für rund 20 Rentner auf. 2030, so die Prognose, werden sie 29 Rentner finanzieren müssen.

Theo Schumacher

Kommentare
03.09.2012
10:15
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von meinemeinung47 | #21

Wenn, wie hier teilweise (zu Recht) befürchtet, die Rente in 20 - 30 Jahren bestenfalls nur noch der Grundabsicherung dient, müssen aber auch die Pensionen diesem Trend folgen.
Es wurde doch gesagt, daß alle Änderungen im Rentensystem wirkungsgleich auf die Pensionen übertragen werden!
Laß mich mal überraschen, ob dem so bleibt!?

03.09.2012
08:38
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von J.Driegert | #20

Hallo

Ich finde das der Deutsche mal sein Ar....bewegen sollte und einfach alles für einige Zeit hinschmeißen( Streik)...lasse uns doch Deutschland einmal bestreiken.

29.08.2012
20:32
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von bloss-keine-Katsche | #19

Dank CDUCSUFDPGRUENESPD!

28.08.2012
19:40
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von Hugo60 | #18

Der Umbau des Rentensystems ist nur eine Facette der auf einen langen Zeitraum angelegten neoliberalen Revolution.
Die Agenda 2010 und die nicht lange auf sich wartende Agenda 2020 sind ein weiterer Baustein für das Fundament der neuen Zeit, einer Reminiszenz an den Manchester-Kapitalismus.
Die Finanzkrise war ein Glücksfall für die Neoliberalen, gelang es ihnen doch, nachdem die Staaten sie gerettet haben, die falsche Architektur der Euro-Währungsunion zu nutzen, um eine Staatsschuldenkrise zu inszenieren, an die selbst ihre Opfer und natürlich auch unsere großartigen Ökonomen in Gestalt von Politikern und Juristen.
Im Sausesxhritt werden jetzt die Sûdländer im neoliberalen Sinne reformiert. Dass dabei ein ganzes Land ins Chaos gesturzt wird, ist den Geldsäcken egal.

Schlimm allerdings ist, das die neoliberale Logik mittlerweile auch bei den Bürgern verfängt. Die neoliberale Gehirnwäsche funktioniert bestens und es wird noch einiges dauern, bis auch der letzte die Unlogik merkt.

28.08.2012
19:37
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von meinemeinungdazu | #17

An der Gerechtigkeit der Renten kann man die ganze Politik messen. Leider sind die Renten seit Jahren manipuliert, gekürzt und in weniger netto umgewandelt worden, während sich die Politik reichlich selbst am Steuergeld bedient. Wieso haben Mini- und Niedriglöhne mit der Rentenberechnung zu tun, wenn ungeheuer viele Rentner 40 bis 50 Jahre ihre Pflicht getan haben? Warum hat man in die Rentenkasse für fremde Leistungen gegriffen? Von der Politik gibt es keine ehrliche Antworten. Nimmt man überhaupt wahr, dass immer mehr Rentner bereits heute in die Armutsfalle laufen? Viele der massiv gestiegenen Kosten sind nicht mehr bezahlbar. Rentnerhäuser- und wohnungen sind nicht mehr haltbar. Warum? Leider sind unsere Politiker so weit von den Bürgern entfernt wie der Mars von der Erde. Warum sollte überhaupt noch ein Rentner zur Wahl gehen? Ihm droht doch Pest oder Cholera.

28.08.2012
19:17
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von Hugo60 | #16

@partik
Unser Rentensystem basiert auf einem Umlageverfahren. Es wird nichts angespart und das ist auch gut so.Gut so solange sich die Arbeitnehmer darauf verlassen können, dass der Verteilungsschlüssel zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Rentner nicht zulasten von Arbeitnehmern und Rentnern verschlechtert wird.
Grundlage ist das BIP, das nach wie vor wächst.
Die Verschlechterungen im System sind menschengemacht. Besonds hervorgetan hat sich hier die Partei der Arbeiter, die SPD.
Eine Partei sollte das System kennen, leider kennt die SPD das System nicht, obwohl ihr damaliger Führer Schröder und seine Lakeien sich damals einbildeten, großartige Ökonomen zu sein.
Das heutige System Gesetzl nd RiesterRente ist vor allem teuer.
Schließlich muss die Versicherungswirtschaft am Kacken gehalten werden, wofür die so großartigen Ökonomen wie WC und Müntefering sich verantwortlich stellten.

28.08.2012
08:28
Es erwartet doch wohl ...
von Partik | #15

... niemand der heute noch 20-40 Jahre bis zur Rente wartenden Arbeitnehmer, dass er zu diesem Zeitpunkt irgendetwas bekommt?

Bis dahin ist das ganze System längst zusammengebrochen. Es wir maximal eine Grundrente geben, etwas anderes kann gar nicht bezahlt werden.

Die heute fleißig Riestersparenden und Zusatzversicherten bekommen diese Zahlungen natürlich auf die Grundrente angerechnet, sodass auch für diese Hoffenden auch nicht mehr übrig bleiben wird. Zumindest unter der Vorausgabe, dass die diversen Renten-Versicherungsunternehmen dann noch existieren, was eher unwahrscheinlich ist.

Die Sozialsysteme der diversen EU-Länder sind momentan noch sehr unterschiedlich. Das wird sich aber mit der Zeit angleichen, sodass sich ein EU-Einheitsrentenmatsch auf gleichartig niedrigem Niveau einpendelt.

Wer glaubt, heute mit einer kalkulierten Rente xy + einer Zusatzversicherung/Riester in 30 Jahren gut abgesichert zu sein, wird sich noch schwer umschauen ...

28.08.2012
08:27
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von The_Rebel | #14

Spätestens mit Bekanntmachung der Notwendigkeit der privaten Vorsorge sollte doch jedem klar sein, das die Renten nicht mehr sicher sind. Wer kann, sollte sich vernünftig bezahlte Arbeit suchen, die Anderen haben später Anspruch auf Aufstockung bis zur Höhe des Existernzminimums. Wenn den sog. Arbeitgebern keine Billiglohnkräfte mehr zur Verfügung stehen, können sie ihren Betrieb verlegen oder vernüftige Löhne zahlen.

28.08.2012
08:09
8,50 € - die SPD veräppelt uns
von Sahneschnittchen | #13

Und hat seit 1998 die Altersarmut doch regelrecht gefördert. Liberalisierung des Arbeitsmarktes, Zeitarbeit, Hartz 4 um die bestehenden Löhne zu drücken, Abkehr vom Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", Minijob Regelung usw. Anstieg der Niedriglöhner von 98-08 = über 2 Millionen . Über 8 Millionen prekäre Jobs sind auch ein Verdienst der SPD. Und die Mindestlohnforderung von 8,50 ist scheinheilige Wählermanipulation. Als Arbeitnehmer Netto nur knapp über H4. Als Rentner ist er dann ein Sozialfall. Und das weiß auch Guntram Schneider. Ebenso die mittlerweile nicht mehr wählbaren Grünen. Die fordern zwar einen Mindestlohn, wollen sich aber nicht auf eine Höhe festlegen. 2010 waren es 7,50€. Stattdessen fordern sie das eine "unabhängige Kommission aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Wissenschaft" den Mindestlohn festlegt. Arbeitgeber und ihre abhängigen Wissenschaft-Experten wollen aber Billiglöhne.

Einzig die Linke fordert einen Mindestlohn von 10€.

28.08.2012
07:52
Jedem dritten Rentner in NRW droht Altersarmut
von Zanti | #12

Darüber brauch sich keiner wundern, bei uns in der Firma wird viel über den Personalverleih eingestellt, es gibt nur noch befristete Verträge, 400 Euro Jobs und so
weiter. Aber solange unsere lieben Politiker nach ein paar Jahren "Arbeit" tausende von Euro Rente kassieren, ist doch für die alles in Ordnung.

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