Jede dritte Geburt per Kaiserschnitt

In den letzten Jahren ist die Kaiserschnittrate vor allem bei Frauen unter 25 Jahren stark gestiegen.
In den letzten Jahren ist die Kaiserschnittrate vor allem bei Frauen unter 25 Jahren stark gestiegen.
Foto: Archiv/dpa
Was wir bereits wissen
Immer mehr junge Mütter entbinden per Kaiserschnitt. Mit insgesamt 48.500 Kaiserschnitten meldeten die Kliniken in NRW 2013 einen neuen Rekordstand.

Düsseldorf..  In NRW wird bereits jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren. 2013 kamen bei 146.500 Geburten 48.500 Kinder nach einer Operation auf die Welt – 2000 mehr als 2012. Vor 15 Jahren betrug der Anteil der Kaiserschnitte nur 22 Prozent. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) ist alarmiert und will die Zahl der Kaiserschnitte zugunsten natürlicher Geburten senken.

„Die natürliche Geburt wird durch den Kaiserschnitt immer weiter verdrängt“, sagte Steffens dieser Redaktion. Aus Sicht der Ministerin sollte eine Operation nur dann erfolgen, wenn sie medizinisch notwendig ist.

Experten warnen vor „Wunschkaiserschnitten“

Der „Runde Tisch“ Geburtshilfe will bis Jahresende Handlungsempfehlungen aufzeigen, dass wieder mehr Frauen die Geburt als natürlichen Vorgang erleben können. „Klar ist, dass es auf die Bereitschaft der geburtshilflichen Abteilungen der Krankenhäuser ankommen wird, an einer Trendumkehr zurück zu mehr natürlichen Geburten mitzuwirken“, so Steffens.

Kaiserschnitte Die Initiative „Kölner GeburtsTag“ kritisierte die hohe Zahl unnötiger Kaiserschnitte und beklagte, dass Operationen höher vergütet würden als eine natürliche Geburt. In den letzten Jahren ist die Kaiserschnittrate vor allem bei Frauen unter 25 Jahren stark gestiegen. Experten warnen in diesem Zusammenhang vor „Wunschkaiserschnitten“.

Nach Angaben von Experten liegt das durchschnittliche Alter einer Frau für die erste Schwangerschaft bei 30 Jahren – biologisch optimal wäre aus Sicht von Frauenärzten eine Geburt bis zum Alter von 24 Jahren. Laut Studien soll das Risiko einer späteren Erkrankung für Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden, höher sein als bei natürlichen Geburten.

Baby-Drama Antje Huster-Sinemillioglu vom Arbeitskreis Frauengesundheit (AKF) verweist darauf, dass sich die Kaiserschnittrate trotzdem in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat. Dabei lag NRW 2013 mit einer Quote von 33,1 Prozent noch über dem Bundesschnitt von 31,8 Prozent. Huster-Sinemillioglu fordert Qualitätskontrollen mit Beratung von Kliniken mit überhöhter Kaiserschnittrate.

Mehrheit der freiberuflichen Hebammen erbringen keine Geburtshilfe

Sorgen bereitet dem Landesverband der Hebammen auch der „eklatante Mangel an Versorgung mit Hebammenhilfe“ in vielen Regionen des Landes. Nach Angaben von Ministerin Steffens gibt es rund 4000 Hebammen in NRW. Die Mehrheit der freiberuflich tätigen Hebammen erbringe aber keine Geburtshilfe, sondern arbeite in der Schwangeren- und Wochenbettbetreuung. Von den restlichen Hebammen hätten zwei Drittel maximal 30 Geburten und ein Viertel maximal zehn Geburten im Jahr 2010 vollendet.

Geburten Ministerin Steffens betonte, dass „Hebammen unverzichtbar sind für die geburtshilfliche Versorgung und für junge Familien in NRW“. Schließlich hätten Hebammen einen besonders guten Zugang zu werdenden Müttern und Vätern. „Sie können ihnen Selbstvertrauen geben und Ängste vor der Geburt nehmen“, sagte Steffens. Allerdings geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf, weil die Kosten der Berufshaftpflichtversicherung zu hoch werden.

Der Arbeitskreis Frauengesundheit verlangte die Einrichtung eines staatlichen Fonds, der ab einer bestimmten Schadenssumme Behandlungs- und Betreuungskosten übernimmt sowie die flächendeckende Einrichtung von Hebammenkreißsälen. Aus Sicht des CDU-Experten Peter Preuß forderte Planungssicherheit für Hebammen, damit Eltern Wahlfreiheit hätten auf Art und Ort der Geburt.