Jeb Bush zwischen Distanz und Nähe zu Vater und Bruder

Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur des US-Bundesstaates Florida, wird wohl um die Nominierung der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen 2016 kämpfen.
Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur des US-Bundesstaates Florida, wird wohl um die Nominierung der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen 2016 kämpfen.
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Was wir bereits wissen
Jeb Bush gilt als zwar offiziell noch unerklärter, aber aussichtsreicher Kandidat für eine republikanische Bewerbung auf das US-Präsidentschaftsticket 2016.

Washington.. Er würde die Militärausgaben Amerikas drastisch erhöhen. Weil „Schwäche den Krieg einlädt und nur Stärke Frieden ermöglicht“. Er würde mit den Führern des Islamischen Staates nicht verhandeln. „Keine Diplomatie. Sie zu töten, muss die Strategie sein.“ Er würde dem Iran die Anreicherung auch geringster Mengen von Uran nicht gestatten. „Weil es eine existenzielle Bedrohung für Israel darstellt.“ Er würde die Überwachungskapazitäten der NSA nicht beschränken. „Weil es ein enorm wichtiges Instrument ist, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.“ Er hält die Versuche Obamas, das Verhältnis zu Kuba zu normalisieren, für falsch. „Weil der fallende Ölpreis, und damit ausfallende Finanzhilfen aus Venezuela, Kuba in einer schwächeren Position an den Verhandlungstisch gezwungen hätte.“

Jeb Bush, offiziell noch unerklärter aber aussichtsreicher Kandidat für eine republikanische Bewerbung auf das Präsidentschaftsticket 2016, hat sich vor 800 geladenen Gästen in Chicago erstmals außenpolitisch aus der Deckung gewagt. Details? Fehlanzeige. Stattdessen ging der frühere Gouverneur von Florida mit der amtierenden Regierung, deren Handeln er pauschal „unentschlossen und inkonsequent“ nannte, hart in Gericht. Obama habe den Einfluss der USA in der Welt durch seine Rückzugspolitik geschmälert, Verbündete verprellt und die Führungfähigkeit Amerikas beschädigt, sagte Bush.

Jeb Bush spricht von "Fehlern" bei Irak-Politik

Dass Obamas Vorgänger im Weißen Haus, darunter Jebs Vater (1989 von bis 1993) und Bruder (2001 bis 2009), Anteil an der Situation haben könnten, ließ Bush III dezent nur an einer einzigen Stelle anklingen. „Im Irak wurden Fehler gemacht“, sagte er mit Blick auf die international als verheerend angesehene Politik seines Bruders George W. Die Geheimdienstinformationen über angebliche Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein hätten sich als „nicht zutreffend“ erwiesen. Auch habe Amerika es versäumt, nach dem Sturz des Diktators „ein Klima der Sicherheit“ zu schaffen. Äußerungen, die Wellen schlagen könnten. Dick Cheney, Vize-Präsident unter Bush II, hatte erst vor wenigen Wochen erneut behauptet, der Irak-Krieg sei vollständig „legitimiert und richtig“ gewesen.

Jeb Bush weiß um die Gefahr von zu viel Nähe zu Vater und Bruder. In Umfragen gilt sein Nachname nicht nur in demokratischen Wählerschichten als Hypothek. Die Annahme, mit ihm im Weißen Haus werde sich die „Politik von gestern“ fortsetzen, ist auch in konservativen Kreisen verbreitet. Sein Konter geriet plattitüdenhaft: „Neue Herausforderungen erfordern neue Ansätze.“ Er schätze sich glücklich, zwei Familien-Mitglieder zu haben, die „Amerika vom Oval Office aus geprägt haben.“ Aber: „Ich bin mein eigener Herr. Meine Meinungen sind geprägt von meinen eigenen Gedanken und Erfahrungen.“

An diesem Abgrenzungsversuch wurden bereits vor der Spenden-Gala in Chicago Zweifel laut. Unter den Beratern, die Jeb Bush für eine offizielle Bewerbung um die republikanische Präsidentschaftsnominierung in Anspruch nehmen würde, sind fast 20 Prominente aus der Ära Bush I und Bush II. Manche davon mit zweifelhaftem Ruf. Wie Paul Wolfowitz, Architekt des Irak-Feldzugs 2003. Und für viele Menschenrechts-Organisationen ein Kriegsverbrecher.