Jeb Bush steigt in den US-Präsidentschafts-Wahlkampf ein

Jeb Bush will als dritter Bush US-Präsident werden. Für seine Gegner gehört er zum Washingtoner Establishment.
Jeb Bush will als dritter Bush US-Präsident werden. Für seine Gegner gehört er zum Washingtoner Establishment.
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Was wir bereits wissen
Jeb Bush will US-Präsident werden. Doch als Bush gehört er zum politischen Establishment Washingtons. Das könnte für ihn zum Problem werden.

Miami.. Jetzt wird es ernst: Nach seinem Vater George H.W. und Bruder George W. will wohl auch Jeb Bush ins Weiße Haus. Der ehemalige Gouverneur von Florida will am Montag (15.00 Uhr Ortszeit/21.00 Uhr MESZ) in Miami seine Kandidatur für die US-Präsidentenwahl 2016 bekanntgeben. Der 62-Jährige Bush zählt zu den eher moderaten Republikanern. Experten halten ihn für einen der potenziell gefährlichsten Gegner für Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die auf demokratischer Seite als Favoritin gilt.

Gewinnt Jeb Bush die Wahl, wäre er nach seinem Vater George und seinem Bruder George W. das dritte Mitglied der Familie, das ins Weiße Haus einzieht. Allerdings muss Jeb Bush dazu erstmal eine ganze Reihe von republikanischen Mitbewerbern aus dem Feld schlagen.

Jeb Bush gilt als Mann des Establishments

Dazu gehören die Senatoren Rand Paul und Ted Cruz - Lieblinge der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung, die Bush als Vertreter des politischen Establishments brandmarken dürften. Auch Senator Marco Rubio aus Florida und der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, gelten als ernstzunehmende Herausforderer. Walkers offizieller Einstieg in den Wahlkampf wird Ende Juni erwartet.

US-Wahlkampf Dagegen zeichnet sich im demokratischen Lager keine ernsthafte Konkurrenz für Hillary Clinton ab. Sie gilt damit bereits jetzt als wahrscheinliche Spitzenkandidatin ihrer Partei.

Jeb Bushs Kandidatur ist ein "langsames, stetiges Projekt"

Der just von einer Europareise zurückgekehrte Bush räumte in einem CNN-Interview ein, dass ein langer Weg vor ihm liege. Seine Kandidatur sei ein "langsames stetiges Projekt", bei dem es darauf ankomme, als Jeb bekannt und nicht mit seiner Familie in einen Topf geworfen zu werden. "Ich bin nicht George", sagte Bush, der mit einer Mexikanerin verheiratet ist.

Allerdings stolperte er bereits vor seiner offiziellen Kandidatur bei der Frage nach seiner Haltung zum Irakkrieg, den sein Bruder als Präsident begonnen hatte. Anhänger sind auch besorgt darüber, dass der eher introvertierte Bush im Vergleich zu Mitbewerbern wenig energiegeladen wirkt. Erst vor wenigen Tagen tauschte er seinen Wahlkampfmanager aus, was ebenfalls auf Probleme hindeutet. (dpa)

Kurz-Porträt: Das ist Jeb Bush

Insider-Ratschläge über die hohe Politik der USA bekam Jeb Bush vermutlich schon als kleiner Junge am Küchentisch mit auf den Weg. Der 62 Jahre alte Republikaner aus Midland im Südstaat Texas blickt auf eine gewaltige Polit-Dynastie zurück: Schon sein Urgroßvater George Herbert Walker war ein politisch einflussreicher Investmentbanker, sein Großvater Prescott Bush ein namhafter Senator. Sein Vater und sein älterer Bruder bringen es gemeinsam auf insgesamt zwölf Jahre Amtszeit als Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Auch deshalb wurde der Katholik Jeb - der Name leitet sich aus den Initialen seines tatsächlichen Namens John Ellis Bush ab - von seiner Familie bereits "Bush 44" betitelt, in Anspielung auf den 44. Präsidenten des Landes, der im Jahr 2008 allerdings Barack Obama wurde.

Seine Nachsicht könnte Jeb Bush zum Verhängnis werden

Ob sein Insider-Wissen angesichts der verbreiteten Skepsis gegenüber dem Washingtoner Establishment hilfreich ist, muss sich zeigen. Im April brach er eine Lanze für die Millionen illegal in den USA lebenden Einwanderer, die den wohl größten Zankapfel zwischen Republikanern und Amtsinhaber Barack Obama darstellen. Genau diese Nachsicht könnte ihm in den eigenen Reihen zum Verhängnis werden. Kritikern dort ist Bush zu lasch, seine Positionen stufen sie als langweilig und veraltet ein, etwa beim Thema Bildung.

Unvergesslich blieb für viele Amerikaner Bushs erbitterter Kampf für das Leben der Komapatientin Terri Schiavo. Als Gouverneur von Florida (1999-2007) ließ er die schwer gehirngeschädigte Frau, die 13 Jahre im Koma gelegen hatte, wieder künstlich ernähren - obwohl ihr Ehemann Michael die Nahrungszufuhr zuvor abbrechen ließ. Vor dem Tod Schiavos im Jahr 2005 war Bush bis vor das Oberste Gericht der USA gezogen.