IWF hält Gefahren durch "Grexit" für "überschaubar"

Der IWF dämpft Befürchtungen vor einem "Grexit" Griechenlands aus dem Euro. Ex-EZB-Chef Trichet hingegegen warnt vor gravierenden geopolitischen Folgen.
Der IWF dämpft Befürchtungen vor einem "Grexit" Griechenlands aus dem Euro. Ex-EZB-Chef Trichet hingegegen warnt vor gravierenden geopolitischen Folgen.
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Was wir bereits wissen
Der IWF bremst Befürchtungen vor einem "Grexit" Griechenlands aus dem Euro. Die Weltwirtschaft werde es "ganz gut überleben". Aber die Griechen?

Washington.. Ungeachtet der Griechenland-Krise befindet sich die Euro-Zone nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter auf einem moderaten Wachstumspfad. Nach einem lauen Ergebnis im vergangen Jahr (0,8 Prozent) dürfte das Plus dieses Jahr 1,5 Prozent, im kommenden Jahr 1,7 Prozent betragen, meint der IWF in seinem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick. Allerdings könnte die Krise in Griechenland selbst "viel schlimmere Auswirkungen" haben als bisher angenommen. Die Weltwirtschaft werde dieses Jahr um 3,3 Prozent zulegen - vor allem in den USA zieht die Konjunktur stark an.

Die ökonomischen Gefahren eines Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro hält IWF-Chefökonom Olivier Blanchard alles in allem für überschaubar. "Der Rest der Welt würde das vermutlich ganz gut überleben", sagte er am Donnerstag in Washington vor Journalisten.

"Bitte konzentrieren Sie sich nicht zu stark auf Griechenland"

Ausdrücklich warnte er davor, die Auswirkungen der Euro-Krise und des Börsen-Crash in China zu überschätzen. Blanchard: "Bitte konzentrieren Sie sich nicht zu stark auf Griechenland und die Ereignisse in China!"

Griechenland-Krise Angesichts der Wachstumsdelle in den USA zum Jahresbeginn reduziert der IWF seine Wachstumserwartungen für die globale Wirtschaft für dieses Jahr leicht (minus 0,2 Prozentpunkte) nach unten. Für das nächste Jahr werde aber ein Plus von 3,8 Prozent erwartet.

Ex-EZB-Chef Trichet warnt vor Grexit-Folgen

Der frühere Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet hat vor geopolitischen Risiken einer Destabilisierung Griechenlands in der Finanzkrise gewarnt. Das gelte besonders für den Balkan. "Europa hat eine historische Verantwortung dafür, die Länder aus dem früheren kommunistischen Block fest zu verankern", sagte Trichet der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Er erinnerte an die "kulturelle Nähe der Griechen zur Ukraine und Russland" über die christlich-orthodoxe Religion.

Zusätzlich verschärfe die Nähe zum Nahen Osten und zu Nordafrika mit seinen Kriegen und Flüchtlingsströmen die Lage, sagte Trichet. Das "Risiko einer geopolitischen Ansteckung" werde "in Europa unterschätzt, nicht zuletzt in Deutschland".

Euro-Krise Trichet, der die EZB von 2003 und 2011 geleitet hatte, mahnte einen für IWF und EU akzeptablen Athener Reformplan an. "Wenn bis zum Wochenende kein glaubwürdiger Plan auf dem Tisch liegt, ist ein Grexit sehr wahrscheinlich." Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone käme aber sehr teuer: "Die Gläubiger müssten auf fast die Gesamtheit ihrer Schulden verzichten."

Dagegen plädierte der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber für das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. "Man kann nicht in einer Champions-League-Mannschaft spielen, wenn man nicht fit ist und nicht trainieren will", schrieb der CSU-Politiker im "Münchner Merkur" (Freitag). Griechenland wolle seinen Lebensstandard weiter mit Krediten bezahlen. "Das geht nicht." Zudem könne Athen Nachahmer finden. "Wenn die Frechheit der Athener Regierung siegt, dann ist es mit dem Einhalten von Verträgen endgültig vorbei."

Griechenland sollte bis Donnerstag um Mitternacht sein Reformprogramm vorlegen. Die Staats- und Regierungschefs der 19 Euro-Länder wollten am Sonntag um 16 Uhr über die Griechenlandkrise beraten, zwei Stunden später die Chefs alle 28 EU-Länder. (dpa)