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Israel hatte den Anschlag in Kerem Schalom erwartet

06.08.2012 | 16:39 Uhr
Israel hatte den Anschlag in Kerem Schalom erwartet
Israelische Soldaten besichtigen einen zerstörten Schützenpanzer: Die Angreifer hatten ihn von einem ägyptischen Grenzposten erbeutet und waren damit auf die israelische Grenze zugerast.

Jerusalem.   Extremisten töteten 16 ägyptische Grenzsoldaten, doch auf israelischer Seite blieb ihr Angriff stecken. So grausam das Geschehen ist: In Israel hofft man, dass sich der erwartete Schulterschluss zweier Gegner nun zumindest Verzögert.

Noch vor wenigen Tagen kritisierte Ägyptens neuer Innenminister Ahmad Jamal a-Din die Warnung der israelischen Anti-Terrorbehörde, den Sinai wegen eines drohenden Attentats sofort zu verlassen: „Ägypten nimmt Israels Warnungen zwar ernst, aber die meisten wollen nur Touristen einschüchtern und die Besucherströme vom Sinai nach Eilat umleiten“, sagte a-Din. Weit gefehlt: In der Nacht zum Montag ereignete sich an der israelisch-ägyptischen Grenze ein schweres Attentat. Terroristen töteten mindestens 16 ägyptische Grenzschützer und stellten damit Ägyptens neue Staatsführung vor gewaltige Herausforderungen.

Gegen acht Uhr abends fuhren zwei Geländewagen mit Männern in schwarzer Uniform auf der ägyptischen Seite der Grenze vor Checkpoint 16 nahe dem Länderdreieck Kerem Schalom vor, wo Israel, Ägypten und der Gazastreifen aufeinanderstoßen. Sie stürmten den Grenzposten, töteten 16 Soldaten und verletzten sieben. Danach bemächtigten sich die Angreifer zweier Armeefahrzeuge und griffen damit Israel an. Einen Armeelastwagen sprengten sie neben einem Wachturm, danach lenkten sie einen Schützenpanzer durch die Bresche im Grenzzaun. Sie kamen nicht weit: Die Israelis hatten die Attacke erwartet. Der Panzer wurde zerstört, mindestens sechs Terroristen getötet. „Unsere Einheiten beendeten die Aktion nur 15 Minuten nachdem sie begann“, sagte General Tal Russo.

Schmuggler, Kriminelle, Extremisten füllten das Vakuum

Monatelang hatten Israels Experten gewarnt, man besitze nicht genug Informationen über Terrorgruppen im Sinai. Nach dem Sturz Husni Mubaraks im Januar 2011 entstand hier ein Machtvakuum, das von Schmugglern, Kriminellen und Extremisten gefüllt wurde: „Es gibt keine Terrororganisation, die nicht im Sinai vertreten ist: Von El Kaida über die Hamas bis zu Verbündeten des Iran“, sagt Benjamin Ben Elieser, Israels ehemaliger Verteidigungsminister. Israel wurde in vergangenen Monaten wiederholt vom Sinai aus angegriffen. Doch im Gegensatz zu damals verfügte die Armee nun scheinbar über Informationen, die das Ausweitung des Attentats auf Israel vereitelten.

Für Jerusalem könnte der Angriff positive diplomatische Konsequenzen haben. Das Attentat könne „für die Ägypter ein Weckruf sein, die Dinge im Sinai mit mehr Ernst anzugehen“ , meinte Verteidigungsminister Ehud Barak. Das Attentat dürfte den naheliegenden Schulterschluss zwischen der radikal-islamischen Hamas in Gaza und Ägyptens neuer Staatsführung unter dem ehemaligen Muslimbruder Muhammad Mursi zumindest vorerst erschweren. Die Täter seien „Beduinen aus dem Sinai“ und „Dschihadisten, die durch Tunnel aus dem Gazastreifen eindrangen“, hieß es in Kairo. Obschon die palästinensische Hamas das Attentat umgehend als „hässliches Verbrechen“ verurteilte und den Hinterbliebenen ihr Beileid aussprach, herrschte in den Medien ein palästinenserfeindlicher Ton.

Die ägyptische Armee gelobt Rache

Präsident Mursi hielt sofort eine Krisensitzung. Die Armee gelobte Blutrache, Mursi versprach: „Diejenigen, die hinter dem Angriff stehen, werden einen hohen Preis zahlen, sei es innner- oder außerhalb Ägyptens.“ Der Grenzübergang nach Gaza wurde geschlossen, Truppen in den Sinai entsandt, um nach den Komplizen der Attentäter zu suchen, während zwei Kampfhubschrauber den Himmel durchpflügten und Hochburgen von Islamisten angriffen: „Die Sicherheitskräfte werden wieder alle Teile des Sinai unter Kontrolle bringen“, sagte Mursi.

Dabei hatte ausgerechnet Mursi den Bewohnern Sinais eine neue Politik versprochen. Das alte Regime behandelte die dort ansässigen Beduinen oft als Problem. Schätzungsweise 600 000 von ihnen besitzen nicht einmal einen Ausweis. Die Wirtschaftsentwicklung nutzte ihre Ressourcen, ging aber an ihnen vorbei. Mursi versprach Abhilfe. Statt Entwicklungsgeldern schickt er nun aber Soldaten in den Sinai. Trotz der schweren Probleme, die Ägyptens Wirtschaft, Gesellschaft und Infrastruktur plagen, ist die Befriedung des Grenzgebiets mit Israel über Nacht zur Mursis dringlichster Aufgabe geworden.

Gil Yaron

Kommentare
07.08.2012
19:30
Oja, die Juden sind immer schuld
von Pinwand | #10

Ani Metaber lenkt wieder mal ab. Verschwörungstheorien sind im arabischen Raum ja üblich. Klar, wenn man selbst nichts gebacken kriegt. Und ich bleibe...
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