Israel hat Angst vor Assads Chemiewaffen in Syrien

Bestens ausgerüstet: Soldaten der syrischen Armee skandieren auf Trucks ihre Unterstützung für Präsident Baschar Assad.
Bestens ausgerüstet: Soldaten der syrischen Armee skandieren auf Trucks ihre Unterstützung für Präsident Baschar Assad.
Foto: AP/Bassem Tellawi
Was wir bereits wissen
Israels Verteidigungsminister Ehud Barak erhielt vergangene Woche bei einem Truppenbesuch auf den Golanhöhen eine Demonstration dafür, wie nah der Bürgerkrieg im Nachbarland inzwischen gekommen ist. Gefechte ereigneten sich nur wenige hundert Meter entfernt. Tel Aviv ist alarmiert.

Tel Aviv.. Jederzeit, so befürchtet ­Israels Führung, könnten die ­Unruhen in Syrien über die Grenzen schwappen und die eigene Sicherheit bedrohen. Nach dem tödlichen Anschlag in Damaskus am Mittwoch, bei dem fast die gesamte Führungsriege der regimetreuen Armee ums Leben kam, hat Israel begonnen, sich auf einen baldigen Niedergang des Assad-Regimes vorzu­bereiten. Jerusalem will für jede Eventualität in Syrien gerüstet sein.

Nicht nur Syriens Rebellen ­befürchten, dass Präsident Baschar Assad in einer Geste der Verzweiflung kurz vor seinem Ende den ­Befehl zum Einsatz chemischer ­Waffen geben könnte. Syrien verfügt über eines der größten Giftgasarsenale der Welt. Das könnte nach dem Sturz Assads auch seinen Weg in die Hände der libanesischen Hisbollahmiliz finden. Die schiitische Miliz besitzt angeblich mehr als 70.000 Raketen, die jeden Punkt in Israel ­erreichen können. Deswegen „beobachten wir die syrisch-libanesische Grenze sehr genau“, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak.

USA gegen Präventivschlag

Seit ­Wochen erwägt Israel, Syriens C-Waffendepots präventiv zu bombardieren. Die USA sollen sich ­dagegen ausgesprochen haben: Sie befürchten, ein israelischer Angriff könne Assad innenpolitisch stärken.

Barak gab Anweisung, sich auf einen Ansturm tausender syrischer Flüchtlinge vorzubereiten. Hochrangige Militärs befürchten, dass auf dem Golan, bislang Israels ruhigste Grenze, nach dem Zerfall des Regimes Anarchie entstehen könnte.

Schlacht um Damaskus und Aleppo

Aufständische und Armee rangen am Wochenende weiter erbittert um die Vorherrschaft in Damaskus und in der nordwestlichen Wirtschaftsmetropole Aleppo. Am Sonntag kündigten Rebellen eine „Befreiungsschlacht“ um Aleppo an. Tausende Syrer flohen in die Nachbarstaaten.

Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) flohen binnen 48 Stunden bis zu 30.000 Menschen aus ­Damaskus. In der Türkei traf der 25. desertierte General der Armee ein.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warf Assads Führung am Samstag bei einem Besuch in Kroatien vor, Zivilisten nicht zu schützen. Er sei „zutiefst erschüttert über die steigende Zahl von Toten und von Menschen, die gezwungen sind, aus ihren Häusern zu fliehen“.