Das aktuelle Wetter NRW 15°C
Mali

Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu

30.06.2012 | 16:29 Uhr
Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu
Ein Bild aus besseren Tagen: ein Tuareg-Nomade vor einer Moschee in Timbuktu. Foto: rtr

Timbuktu.  Die Verwüstung jahrhundertealter Grabstätten islamischer Heiliger im Norden Malis sorgen international für Entsetzen. Die islamistische Terrorgruppe Ansar Dine hat angekündigt ihr Zerstörungswerk fortzusetzen.

Mit der Zerstörung jahrhundertealter Grabstätten haben Islamisten in der Welterbestadt Timbuktu im Norden Malis international Entsetzen ausgelöst. Mitglieder der Islamistengruppe Ansar Dine verwüsteten nach Angaben von Augenzeugen am Samstag drei Mausoleen islamischer Heiliger und kündigten weitere Zerstörungen an. Die Unesco sprach von einer "tragischen Nachricht".

Laut Augenzeugen zerstörten die Islamisten binnen weniger Stunden die Grabstätten der Heiligen Sidi Mahmud, Sidi Moctar und Alpha Moya und zogen anschließend in Richtung weiterer Mausoleen weiter. Die Berichte wurden aus dem Umfeld eines muslimischen Imams bestätigt. Wegen des bewaffneten Konflikts in Mali hatte das Unesco-Welterbekomitee die Wüstenstadt Timbuktu erst am Donnerstag auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.

"Was ist die Unesco?"

Die Islamisten reagierten mit ihrem Zerstörungszug nach eigenen Angaben auf die Entscheidung des Welterbekomitees vom Donnerstag. Ihr Sprecher Sanda Ould Boumana kündigte an, Ansar Dine wolle noch am Samstag "ohne Ausnahme jedes Mausoleum in der Stadt zerstören". Dies sei ein Auftrag "im Namen Gottes". "Wir sind alle Muslime. Was ist die Unesco?", sagte Boumana.

"Das sind tragische Nachrichten für uns alle", erklärte die Vorsitzende des Unesco-Exekutivkomitees, Alissandra Cummins. Sie appelliere an alle an dem Konflikt in Timbuktu Beteiligten, Verantwortung zu zeigen. Ähnlich äußerte sich die russische Sitzungsleiterin in St. Petersburg, Jeleonor Mitrofanowa: "Verschonen Sie das (kulturelle) Erbe", sagte sie an die Islamisten gerichtet.

Putsch der Tuareg und der Islamisten

Das rund tausend Kilometer nördlich von Malis Hauptstadt Bamako gelegene Timbuktu am Rande der Sahara wird auch "Perle der Wüste" oder "Stadt der 333 Heiligen" genannt und zählt seit 1988 zum Weltkulturerbe. Die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert von Tuareg-Stämmen gegründete Stadt war ein geistiges Zentrum des Islam und beherbergt tausende historische Manuskripte. Neben drei großen Moscheen gehören 16 Friedhöfe und Mausoleen zum Weltkulturerbe.

Im März war es Tuareg-Rebellen und islamistischen Gruppierungen infolge eines Militärputsches gelungen, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter Timbuktu und Gao. Die südlich von Timbuktu gelegene Stadt war zuletzt Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Islamisten und Tuareg-Kämpfern. Die Unesco setzte dort das Grab von Askia, einen 1495 errichteten pyramidenartigen Monumentalbau aus Lehm, auf die Liste des gefährdeten Welterbes. (afp)

Kommentare
30.06.2012
17:36
Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu
von Petershans | #2

Ja immer diese Islamisten. Solange sie Gebäude ihrer eigene Kultur (Religion) zerstören und nicht Andersgläubige ermorden, sollen sie ruhig machen.

1 Antwort
Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu
von GrafEngelbert | #2-1

Ein SEHR CHRISTLICHER Kommentar *würg*

Funktionen
Aus dem Ressort
Schweiz nennt Namen möglicher deutscher Steuerbetrüger
Steuern
Die Schweiz als Steuerparadies? Seit die Fahnder durch den Kauf von Bankdaten-CDs in der Vorhand sind, ist es für Steuerhinterzieher brenzlig.
Nationalkonservativer Andrzej Duda siegt bei Wahl in Polen
Polen
Der nationalkonservative Politiker Duda hat die Präsidentenwahl in Polen klar gewonnen. Nach Prognosen erhielt er 52 Prozent der Wählerstimmen.
Zahl fremdenfeindlicher Attacken ist dramatisch gestiegen
Extremismus
Rechtsextreme Straftaten haben seit Oktober vergangenen Jahres in Deutschland deutlich zugenommen. Das zeigen jetzt Zahlen der Bundesregierung.
2018 soll Deutschland frei von Funklöchern sein
Funklöcher
Ein wichtiges Gespräch, eine eilige Mail – und plötzlich: Nichts. Mittendrin bricht die Verbindung ab. Aber nervige Funklöcher sollen bald passé sein.
Varoufakis bestätigt Mitschnitt bei Eurogruppen-Treffen
Varoufakis
Gianis Varoufakis hat eingeräumt, Gespräche beim Treffen der Eurogruppen-Finanzminister mitgeschnitten zu haben. Er mache öfter Aufnahmen per Handy.
article
6825591
Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu
Islamisten zerstören Weltkulturerbe in Timbuktu
$description$
http://www.derwesten.de/politik/islamisten-zerstoeren-weltkulturerbe-in-timbuktu-id6825591.html
2012-06-30 16:29
Politik