Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Schmähfilm

Islamisten sollen zu Anschlägen gegen Pro NRW aufrufen

25.09.2012 | 11:37 Uhr
Islamisten rufen wegen des Mohammed-Schmähvideos nun auch in Deutschland zu Anschlägen auf. Der Hauptdarsteller soll Deutscher sein.Foto: afp

Essen.  Wegen des umstrittenen Mohammed-Schmähvideos sollen Islamisten nun auch zu Gewalttaten in Deutschland aufgefordert haben. Begründung: Der Hauptdarsteller des in den USA produzierten Films sei Deutscher. Racheakte sollen gegen die rechte Organisation Pro NRW und Politiker verübt werden. Das Bundeskriminalamt nimmt die Drohung sehr ernst.

Im Zuge der weltweiten Proteste gegen das Mohammed-Schmähvideo "Die Unschuld der Muslime" gerät nun offenbar auch Deutschland ins Visier radikaler Islamisten. Wie die Zeitung "Die Welt" berichtet, kursiert im Internet ein Aufruf zu Mordanschlägen gegen einen Schauspieler, die Bürgerbewegung Pro NRW, Politiker und alle Bürger auf, die für eine Aufführung des Schmäh-Videos sind. Das gehe aus einem Propagandaschreiben hervor, das vor einigen Tagen in islamistischen Internetforen auftauchte und der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

In dem achtseitigen Dokument fordere ein deutscher Islamist namens "Abu Assad" seine Glaubensbrüder dazu auf, auch in Deutschland Attentate zu begehen. Bei dem Schauspieler, der in dem islamfeindlichen, in den USA produzierten Film die Rolle des Mohammed spielt, handele es sich um einen Deutschen. Seine Identität sei aber noch nicht bekannt. "Übt Rache" fordere der Verfasser der Drohschrift. "Lasst euer Ziel diesen deutschen Schauspieler dieses Films sein, der die Rolle unseres edlen Gesandten spielte."

Aufruf zu Racheakten gegen Pro NRW, Bürger und Politiker

Zu den Zielen der Racheakte zähle zudem die Bürgerbewegung Pro-NRW, "die unseren geliebten Propheten in Karikaturen belustigte". Die rechte Pro-Organisation hatte zuletzt bei mehreren antiislamischen Kundgebungen Mohammed-Karikaturen gezeigt. Getötet werden sollen auch "jene Politiker, welche die Genehmigung für das Zeigen dieser Karikatur guthießen und erlaubten. Und jene Mitbürger, die sie darin unterstützen, egal wer sie sind."

Protest der Muslime

Veröffentlicht worden sie das Papier von der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF) in einem islamistischen Internetforum, das auch Terrorgruppen wie Al-Kaida nutzen. In Sicherheitskreisen sei der Mordaufruf bereits seit einigen Tagen bekannt und werde sehr ernst genommen, berichtet "Die Welt" weiter. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) sagte der Zeitung: "Die Verlautbarung ist dem BKA bekannt. Sie wird derzeit ausgewertet."

Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld aus

Erst vor wenigen Tagen hatte der pakistanische Eisenbahn-Minister Ghulam Ahmad Balor ein Kopfgeld in Höhe von 100 000 Dollar auf den Produzenten des Films ausgesetzt.   Er rief am Samstag die Kämpfer der radikalislamischen Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida dazu auf, "ihre heilige Pflicht" zu erfüllen und den Produzenten des Videos ausfindig zu machen und zu töten. Bei Ausschreitungen am sogenannten "Tag der Liebe zum Propheten" kamen am Freitag in Pakistan über 20 Menschen ums Leben. Die pakistanische Regierung verurteilte den Aufruf und distanzierte sich umgehend von dem Minister.

Video
Peschawar/Dhaka, 23.09.12: Während auch am Wochenende wieder in zahlreichen Ländern gegen das Mohammed-Video protestiert wurde, setzte der pakistanische Eisenbahn-Minister ein 100.000-Dollar-Kopfgeld für die Ermordung des Schmähfilm-Regisseurs aus.

Aus Angst vor Anschlägen in Deutschland hatte das Innenministerium bereits die umstrittene "Vermisst"-Plakataktion gegen islamistische Radikalisierung Jugendlicher vorläufig gestoppt. "Aufgrund einer aktuellen Gefährdungsbewertung des Bundeskriminalamtes (BKA)" werde der eigentlich für Freitag geplante Start der Poster-Kampagne verschoben, teilte das Bundesinnenministerium am vergangenen Donnerstag in Berlin mit. (mit afp)


Aus dem Ressort
Mundlos und Böhnhardt waren "Typen wie aus einem Kriegsfilm"
NSU-Prozess
Die frühere Rechtsextremistin Jana J. hat im NSU-Prozess die Jenaer Szene in den 1990er Jahren beschrieben. Das Trio aus Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnete sie als "verschworene Gemeinschaft". Die Zeugin ist die frühere Freundin des mutmaßlichen NSU-Unterstützers André K.
Ukrainische Regierung verliert Kontrolle über den Osten
Separatisten
Die ukrainische Regierung in Kiew droht die Kontrolle über den Osten des Landes zu verlieren. In der Stadt Slawjansk sind sechs Panzer mit russischen Fahnen eingefahren — Separatisten haben das Rathaus von Donezk besetzt. Russlands Präsident Putin sieht das Land am Rande des Bürgerkriegs.
Ex-Minister Deubel wegen Untreue zu Haftstrafe verurteilt
Nürburgring-Prozess
Im Nürburgring-Prozess hat das Landgericht Koblenz den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.
Kein Grundrecht auf Ethikunterricht in der Grundschule
Unterricht
Konfessionslose Grundschüler haben kein Grundrecht auf Ethik-Unterricht in der Schule. Eine Mutter aus Freiburg hatte die Teilnahme gerichtlich durchsetzen wollen und berief sich auf das Grundgesetz. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Klage ab — aber geschlagen geben will sie sich nicht.
USA weisen Irans UN-Botschafter wegen Geiselnahme 1979 ab
Diplomatenstreit
Das US-Außenministerium hat die Ablehnung eines Einreisevisums für Irans UN-Botschafter Hamid Abutalebi erstmals offiziell begründet. Demnach werfen die USA Abutalebi vor, an der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979 durch islamisch-fundamentalistische Studenten beteiligt gewesen zu sein.
Umfrage
Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?

Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?