"Islamischer Staat" bekennt sich zu Anschlag von Tunis

Nach dem schweren Terror-Anschlag vom Mittwoch ist das tunesische Nationalmuseum abgeriegelt.
Nach dem schweren Terror-Anschlag vom Mittwoch ist das tunesische Nationalmuseum abgeriegelt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der IS bekennt sich zu dem blutigen Terroranschlag. Zahl der Opfer ist auf 23 gestiegen. Deutsche sind entgegen früheren Angaben doch nicht darunter.

Berlin/Tunis.. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Terroranschlag in Tunis bekannt. Die Extremisten veröffentlichten dazu am Donnerstag im Internet eine Audio- und Textbotschaft.

Bei dem Anschlag in der tunesischen Hauptstadt hat es entgegen ersten Angaben der tunesischen Behörden keine deutschen Opfer gegeben. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte am Donnerstag: "Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind." Der tunesische Ministerpräsident Habib Essid hatte am Mittwoch in einer ersten Pressekonferenz gesagt, die Toten stammten aus Deutschland, Polen, Italien und Spanien.

Terror Ein spanisches Paar hatte sich nach Angaben tunesischer Medien auch nach Ende des blutigen Terroranschlags die gesamte Nacht im tunesischen Nationalmuseum versteckt. Das Paar sowie ein weiterer Tunesier seien erst am Donnerstagmorgen aus ihrem Versteck im Museum gekommen, berichtete der tunesische Radiosender Mosaique.

Terroristen hatten am Mittwoch das Museum in der Hauptstadt Tunis angegriffen und dabei 23 Menschen getötet, darunter 20 Urlauber. Am Nachmittag konnten Sicherheitskräfte zwei Angreifer töten und im Museum gefangene Geiseln befreien. Nach Angaben von Radio Mosaique ist die nun ebenfalls befreite Spanierin im vierten Monat schwanger.

Bei den zwei getöteten Attentätern des Terroranschlags im Nationalmuseum in Tunis handelt es sich um Tunesier. Das erklärte der tunesische Ministerpräsident Habib Essid am späten Mittwochabend nach einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts, wie lokale Medien berichteten. Einzelheiten zu den Attentätern nannte Essid nicht.

Attentat Willkürlich auf Touristen gefeuert

Bewaffnete hatten am Mittag auf dem Platz, an dem das Bardo-Museum und das Parlament liegen, willkürlich auf Touristen gefeuert und sie bis in das Museum verfolgt, sagte Ministerpräsident Essid. Dort nahmen sie dann zahlreiche Urlauber als Geiseln. Die meisten der etwa 100 Besucher, die sich zu dieser Zeit im Museum aufhielten, konnten jedoch laut Innenministerium rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Tunesische Sicherheitskräfte, die das Gebäude zunächst umstellt hatten, beendeten am Nachmittag die Geiselnahme. Dabei starben nach Angaben des Staatsfernsehens zwei Terroristen und ein Polizist.

"Kriminelle Minderheiten"

Präsident Béji Caïd Essebsi erklärte, ein "riesiges Unglück" habe Tunesien heimgesucht. "Wir müssen mit einer Generalmobilmachung beginnen und die Terroristen endgültig ausschalten", sagte er beim Besuch von Verletzten im Krankenhaus. Bei einer Fernsehansprache versprach Essebsi, Tunesiens Bürger werden "über diese kriminellen Minderheiten" siegen. Im Herzen der Hauptstadt versammelten sich Tausende Tunesier, um ein Zeichen gegen den Terroranschlag zu setzen.

Wahlen International stieß die Tat auf scharfe Kritik. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, die Vereinten Nationen seien solidarisch mit den Menschen und den Behörden in Tunesien. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und führende EU-Politiker waren entsetzt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte den Anschlag "auf das Schärfste".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat auch in Deutschland zu Vorsicht gemahnt. "Der Terrorismus kann überall zuschlagen", sagte de Maizière am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Auch wir haben rückkehrende Kämpfer. Wir sind wachsam. Ausschließen kann man so etwas nicht." Gleichzeitig stellte sich der Minister an die Seite Tunesiens,. "Das ist ein bitterer Tag für dieses wunderbare Land, das beginnt sich zu stabilisieren. Genau deswegen vielleicht wird dort zugeschlagen", sagte de Maizière. (dpa)