IS-Terrormiliz erleidet in Kobane Niederlage

Kobane/Mossul..  Seit Monaten tobt der Kampf um die Kurdenenklave Kobane im Norden Syriens, jetzt scheint er entschieden: Kurdische Milizionäre haben gemeinsam mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) aus fast allen Stadtteilen verdrängt und melden die baldige vollständige Befreiung der Stadt. Auch im Irak steht die IS-Terrormiliz unter Druck.

„Der Widerstand in Kobane hat den Mythos der Unbesiegbarkeit des IS nun endgültig gebrochen“, sagte gestern die Co-Vorsitzende der Kurdenpartei PYD, Asia Abdullah, die sich derzeit in Kobane aufhält. Der Sturm der Terrormiliz auf die strategisch wichtige 55 000-Einwohner-Stadt hatte Mitte September vergangenen Jahres begonnen. Zehntausende Menschen flohen aus der Stadt und den umliegenden Dörfern, die meisten in die Türkei, viele auch in den Nordirak. Zunächst hatte alles danach ausgesehen, dass die Stadt überrannt würde. Die Kurden warnten eindringlich vor einem Massaker. Erst nach mehreren Wochen stand die US-geführte Koalition den bedrängten Kurden mit Luftunterstützung bei. Nach monatelangem Zögern öffnete die Türkei einen Korridor, durch den irakische Peschmerga mit schwerem Gerät ins Kampfgebiet ziehen konnten.

In den Häuserkämpfen sollen mindestens 400 kurdische Milizionäre und wenigstens 1500 IS-Soldaten ihr Leben verloren haben. Asia Abdullah warnt aber vor verfrühtem Jubel. Die Terroristen zögen derzeit neue Kräfte in der Region zusammen, außerdem kontrolliere der IS noch immer zahlreiche Dörfer in der Umgebung der Stadt. Die PYD-Funktionärin bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe beim Aufbau der zerstörten Stadt: „Wir werden Camps und vorläufige Unterkünfte brauchen.“

Kurdische Peschmerga-Kräfte rücken derzeit immer näher auf die Millionenstadt Mossul im Nordirak vor, die seit Juni vergangenen Jahres unter Kontrolle des IS ist. Die Stadt liegt bereits in Artillerie-Reichweite, in den vergangenen Tagen ist das Zentrum unter Feuer genommen worden. In der Nineveh-Ebene östlich von Mossul haben die Peschmerga zahlreiche Dörfer zurück erobert. Die Großoffensive auf die Stadt wird für das Frühjahr erwartet.

In der Jesiden-Hochburg Sindschar im Nordwesten des Irak toben derweil heftige Gefechte zwischen kurdischen Einheiten, die von jesidischen Freiwilligen unterstützt werden, und dem IS. Die zentralirakische Provinz Diyala soll mittlerweile wieder vollständig unter der Kontrolle der irakischen Armee und mit ihr verbündeten schiitischen Milizen sein. Das meldet das kurdische Nachrichtenportal Rudaw. Die schiitischen Brigaden wollen demnach jetzt nach Tikrit, der Heimatstadt des ehemaligen Diktators Saddam Hussein, vorstoßen.