IS-Miliz soll in Syrien 100 vermeintlich "Abtrünnige" getötet haben

Der Kalif des von der Terrormiliz ausgerufenen "Islamischen Staates" in Mossul, Abu Bakr al-Baghdadi: Offenbar gibt es eine Art "Polizei", die die Gesinnung der IS-Kämpfer kontrolliert. Mehr als 100 vermeintlich Abtrünnige sollen hingerichtet worden sein.
Der Kalif des von der Terrormiliz ausgerufenen "Islamischen Staates" in Mossul, Abu Bakr al-Baghdadi: Offenbar gibt es eine Art "Polizei", die die Gesinnung der IS-Kämpfer kontrolliert. Mehr als 100 vermeintlich Abtrünnige sollen hingerichtet worden sein.
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Die Terrormiliz "Islamischer Staat" soll nach Angaben eines Aktivisten mehr als 100 ausländische IS-Kämpfer getötet haben, die in ihre Heimatländer zurückkehren wollten.

Al-Rakka.. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll in Syrien 100 ausländische Kämpfer aus ihren eigenen Reihen hingerichtet haben. Die Dschihadisten hätten in ihre Heimatländer zurückkehren wollen, sagte ein anonymer Aktivist aus al-Rakka der Deutschen Presse-Agentur. Hunderte weitere Kämpfer befänden sich unter strenger Beobachtung der IS-Führung. Eine "Sittenpolizei" würde vor Ort ihre Gesinnung kontrollieren, bestätigte ein weiterer Aktivist aus der Stadt, der ebenfalls anonym bleiben wollte.

Das nordsyrische Al-Rakka gilt als Hauptstadt des vom IS ausgerufenen "Kalifats" zwischen Syrien und dem Irak. Seit Juni hatten die Extremisten in beiden Ländern in einem raschen Vorstoß Eroberungen gemacht. Seit Beginn von Luftschlägen einer internationalen Koalition Ende September schwindet der Einfluss der IS-Miliz wieder. Knapp 800 Kämpfer sollen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte innerhalb der ersten beiden Monate seit Beginn der Bombardements getötet worden sein.

Zuvor hatte bereits die britische "Financial Times" über die Tötungen vermeintlich "abtrünniger" Dschihadisten berichtet. Nach Angaben der Zeitung sind 400 IS-Mitglieder in Al-Rakka inhaftiert.

IS-Miliz tötet eigene Kämpfer nach Niederlage im Sindschar

Nach der Hinrichtung von "Deserteuren" in Syrien hat die Terrormiliz offenbar auch im Irak Kämpfer aus ihren eigenen Reihen hingerichtet. Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, 45 Mitglieder seien in der nordirakischen Stadt Mossul getötet worden. Die Dschihadisten seien für ihre Niederlage im Kampf um das Sindschar-Gebirge bestraft worden.

Die Sunnitenmiliz IS hatte im Sommer zunächst Mossul erobert und dann große Teile des Nordiraks überrannt. Zehntausende Flüchtlinge hatten sich daraufhin in das Sindschar-Gebirge geflüchtet, der IS hatte das Plateau seitdem eingekesselt. Vergangene Woche befreiten kurdische Peschmerga-Kämpfer in einer Offensive den Sindschar und die IS-Kämpfer mussten fliehen. (dpa)