IS bereitet sich auf die Schlacht um Mossul vor

Essen/Kirkuk..  Die Terrormiliz Islamischer Staat bereitet sich im Irak offenbar auf die Entscheidungsschlacht um die Millionenstadt Mossul im Norden des Landes vor, die sie im Juni vergangenen Jahres erobert hat. Schon in den vergangenen Monaten berichteten kurdische Medien von massiven Schanzarbeiten in den Außenbezirken Mossuls. Jetzt zögen die IS-Kommandeure ihre stärksten Einheiten in der Stadt zusammen, erzählt Rawand Mala Mahmud: „Sie hoffen auf die große Schlacht“.

Rawand Mala Mahmud kommt gerade aus dem Kriegsgebiet, von der Front bei Kirkuk, der erdölreichen Stadt 100 Kilometer südlich von Mossul, die seit Mitte vergangenen Jahres von den Kurden gehalten wird. Erst vor wenigen Tagen hat er seine Peschmerga noch in den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat geführt, jetzt ist er für einige Tage in Deutschland. Mahmud ist in Kirkuk Chef der Patriotischen Union Kurdistans PUK, der zweitgrößten irakisch-kurdischen Partei, die mit Fuad Masum den Staatspräsidenten des Irak stellt.

Der IS hatte bei seinem überfallartigen Vormarsch im Sommer vergangenen Jahres große Gebiete im Irak erobert und war bis in die Nähe Bagdads vorgestoßen. Hunderttausende Menschen waren vor den Extremisten geflohen, die meisten von ihnen in die kurdischen Gebiete im Norden des Landes. Jetzt ist der IS auch dank der Luftangriffe der US-geführten Koalition allerorten auf dem Rückzug. Zuletzt mussten die IS-Kämpfer im zentralirakischen Tikrit eine empfindliche Niederlage einstecken, der Heimatstadt des 2003 gestürzten Diktators Saddam Hussein. Im Norden rücken die Kurden vor und stehen bereits in Artilleriereichweite vor Mossul. „Im Süden von Kirkuk haben wir den IS komplett zerschlagen“, sagt Mahmud. Die Schwäche der Terrormiliz zeige sich in einer neuen Taktik: „Sie haben weniger Munition, deswegen arbeiten sie mehr mit Selbstmordattentätern und Sprengsätzen. Und sie bauen Tunnel, durch die sie attackieren.“ Schon der Kampf um Tikrit dauerte trotz der erdrückenden Überlegenheit der irakischen Armee und den mit ihr verbündeten schiitischen Milizen fast einen Monat – die Schlacht um Mossul werde um einiges härter, glaubt Rawand Mala Mahmud. „Es kann sein, dass die Stadt total zerstört wird.“ Mahmud geht davon aus, dass die Schlacht im Juni beginnen wird.

Heute wird der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi in Washington erwartet. Er will dort mit US-Präsident Barack Obama reden und um die Lieferung moderner Waffen bitten. Nach seiner Rückkehr in den Irak soll eine große Militäroperation in Anbar beginnen, dem sunnitischen Herzland des Irak, in dem der IS zahlreiche größere und kleinere Städte hält.

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