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Arash Sigarchi

Iranischer Blogger knüpft preiswürdiges Netzwerk gegen Zensur

27.06.2012 | 17:18 Uhr
Iranischer Blogger knüpft preiswürdiges Netzwerk gegen Zensur
Preisgekrönt: Der Blogger und Journalist Arash Sigarchi. Foto: Bernd Lauter/WAZ FotoPool

Bonn.   Der iranische Journalist Arash Sigarchi erhält den „BOB“-Medienpreis der Deutschen Welle für den besten Blog. Sigarchi verbreitet aus dem Exil in den USA ungefilterte Nachrichten über sein Heimatland. Der 33-Jährige hat ein riesiges Informationsnetzwerk aufgebaut .

Die Menschen ohne Zensur frei informieren über ein Land, das nicht frei ist und eine Regierung hat, die unliebsame Berichterstatter ins Gefängnis steckt – das ist das Ziel von Arash Sigarchi, iranischer Journalist und Internet-Blogger. Mit Hilfe seines Blogs „Window of Anguish“ („Fenster der Angst“) berichtet er – mittlerweile aus dem Exil in den USA – über Politik und Menschenrechte im Iran . Dafür wurde der 33-Jährige mit dem Hauptpreis der internationalen Blog-Awards der Deutschen Welle geehrt.

Seine Web-Karriere begann Arash Sigarchi 2002 im Iran. Damals war er Chefredakteur einer Lokalzeitung und die Zensur sein täglicher Begleiter – „wie es auch bei anderen Zeitungen dort üblich war“, erzählt Sigarchi. Auf der Suche nach einem Weg, die zensierten Nachrichten doch zu veröffentlichen, stieß der Iraner schließlich auf die zu der Zeit noch relativ unbekannte Blogger-Szene. Das eigene Weblog war dann die Lösung für ihn: Sigarchi begann, alle Informationen, die nicht in die Zeitung durften, in sein Blog zu schreiben. Für den interessierten sich bald sogar ausländische Medien.

Doch seine freie Meinungsäußerung duldete die Regierung nicht. 2004 wurde Sigarchi zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er die Regierung kritisiert hatte. Nach einer Revision wurde die Haftstrafe auf drei Jahre verkürzt. Schließlich durfte Sigarchi das Gefängnis schon nach 24 Monaten verlassen – für die Behandlung eines Zungentumors. Als er nach seiner Genesung wieder verhaftet werden sollte, verließ der Journalist 2008 das Land. Seitdem lebt er im amerikanischen Exil in Washington.

Von dort aus führt er sein Blog weiter. Informationen bekommt er nun über das Internet. Die sozialen Medien wie Twitter und Facebook helfen ihm dabei: „Während meiner Zeit im Iran habe ich mir ein großes Netzwerk aufgebaut, so dass ich immer noch mit mehr als 10 000 iranischen Bloggern und über 600 iranischen Journalisten in Verbindung stehe.“ Teilweise seien seine Informanten Chefredakteure nationaler Medien und erfahrener als er. „Ich kann ihnen vertrauen und sie mir“, so Sigarchi.

Arash Sigarchi recherchiert viel über Internet

Seine Arbeit beim US-Fernsehsender „Voice of America“ und einige persönliche Kontakte in den Iran helfen ihm zusätzlich, zu verstehen, was in seinem Heimatland passiert: „Herauszufinden, ob eine Information richtig ist oder nicht, das gehört zu meinem Job.“

Und das Internet bietet ihm viele Möglichkeiten dafür: Bei einer Nachricht, die ihm ein Freund via Twitter zukommen ließ, fragte er zum Beispiel seine Facebook-Gemeinde. Der Freund schrieb von einem lauten Geräusch in Teheran, einer Explosion ähnlich. Sigarchi stellte die Information auf seine Facebook-Seite und bat seine mehr als 5000 Kontakte um Hilfe. Es stellte sich heraus, dass in der Hauptstadt ein Bombenanschlag verübt worden war. Über Facebook erreichten Sigarchi Bilder des Attentats und kurze Handy-Videos. Am Ende konnte er mit dem Material einen TV-Beitrag produzieren.

Sigarchis unablässiger Einsatz für die Meinungsfreiheit und die objektive Berichterstattung über den Iran auch aus dem Exil heraus, machen sein Weblog zum besten Blog des Jahres 2012. Das entschied die Mehrheit der Jury des „Deutsche Welle Blog Awards“. Seit 2004 verleiht der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik den Preis, der auch unter „The BOBs“ (Best of the Blogs) bekannt ist. Laut Internetauftritt zum Award zeichnet der Preis internationale Webseiten aus, die den offenen Meinungsaustausch im Internet vorantreiben. Zusätzlich will die Deutsche Welle mit der Preisverleihung auf die steigende Bedeutung der Kommunikation über das Internet aufmerksam machen.

Blogger enttarnten falschen Doktor

Die hat Arash Sigarchi bereits erkannt. Als Beispiel nennt er die Entlassung des iranischen Innenministers Ali Kordan 2008. Blogger hatten herausgefunden, dass der Minister, entgegen eigener Angaben, keinen Doktortitel der Universität Oxford besitzt. Danach war Kordan selbst im Iran nicht mehr tragbar. Das zeige, so Sigarchi, dass die sozialen Medien Schritt für Schritt auch die Entwicklung Irans verändern könnten.

Anna Hückelheim



Kommentare
28.06.2012
14:35
Iranischer Blogger knüpft preiswürdiges Netzwerk gegen Zensur
von Mirsu | #1

Das wünsche ich mir für Deutschland auch. Besonders wenn es um Kriminalität geht.

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