Irakischer Schuhwerfer Saidi ist frei
15.09.2009 | 11:27 Uhr 2009-09-15T11:27:00+0200
Teheran. Nach neun Monaten Haft ist am Dienstag der irakische Schuhwerfer Saidi wieder frei. Der Journalist hatte den damaligen US-Präsidenten George W. Bush auf einer Pressekonferenz mit seinen Schuhen beworfen und ihn beschimpft. Den 30-Jährigen erwartete ein Heldenempfang
Nach neumonatiger Haft ist der durch seinen Schuhwurf auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush berühmt gewordene irakische Journalist wieder frei. Muntaser el Saidi werde am Dienstag nach Hause zurückkehren, sagte sein Bruder Udai der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Den 30-jährigen Saidi, dessen Aktion in der arabischen Welt umjubelt worden war, erwartete ein Heldenempfang.
Bei einem Bush-Besuch im Dezember hatte Saidi auf einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe in Richtung des damaligen US-Präsidenten geworfen und dabei gerufen: «Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!» Bush duckte sich weg und wurde nicht getroffen. Der Fernsehjournalist wurde festgenommen und wegen Angriffs auf ein ausländisches Staatsoberhaupt zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt. Einen Menschen mit einem Schuh zu bewerfen ist eine schwere Beleidigung in der muslimischen Welt, ebenso wie die Beschimpfung als «Hund».
Ein irakisches Berufungsgericht verkürzte die Strafe später auf ein Jahr. Wegen guter Führung wurde er nun nach neun Monaten entlassen. Eigentlich hatte Saidi bereits am Montag freikommen sollen. «Die Entscheidung zeigt die Integrität und die Gerechtigkeit der irakischen Justizbehörden», sagte Saidis Anwalt Dhiya el Saadi AFP. Sie sei ohne jegliche Einflussnahme von außen getroffen worden.
Mehrfach während der Haft geschlagen
Nach Angaben seines Bruders Udai wurde der Schiit Saidi 2007 in Bagdad entführt und drei Tage lang festgehalten. Anfang 2008 sei er einen Tag lang von den US-Streitkräften festgesetzt worden. Vor Gericht hatte er ausgesagt, in der Haft mehrfach geschlagen worden zu sein.
Vor seiner Rückkehr nach Hause wolle sein Bruder noch bei seinem Arbeitgeber, dem Fernsehsender El Bagdadia, vorbeischauen, sagte Udai el Saidi. Der Privatsender mit Sitz im ägyptischen Kairo hatte dem 30-Jährigen sein Gehalt auch während der Haft weitergezahlt. Als Belohnung für die Berühmtheit, die er auch dem Sender einbrachte, sollte er von diesem ein Haus erhalten. Laut seinem Bruder will Muntaser aber künftig nicht mehr dort arbeiten. Mit dem Geld seiner Bewunderer wolle er ein Zentrum für Witwen und Waisen gründen.
Familie und Freunde bereiteten in seiner Wohnung in der irakischen Hauptstadt ein Willkommensfest vor. Zur Feier des Tages sollte ein Schaf geschlachtet werden. Der Emir von Katar wollte ihm laut Saidis Bruder Durgham ein Pferd aus Gold schenken, der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi wolle ihm einen Orden verleihen, andere hätten Sportwagen versprochen. Zudem erhielt er Heiratsangebote von zahlreichen Frauen. In den kommenden Tagen wird er nach Angaben seiner Familie ins Ausland reisen, um sich für die große Unterstützung zu bedanken. (afp)

14:24
Ich habe seinerzeit schon die Ansicht vertreten, dass Herr Saidi nach kurzer Zeit aus der langen Haft entlassen wird.
Diese Entscheidung halte ich übrigens für richtig.
Das er nun materiallen Gewinn aus dieser Aktion erziehlt, sei ihm gegönnt.
Besser er, alsdass wieder Kinder- und/oder Massenmörder in Teilen der arabischen Welt zu Helden glorifiztiert werden.
14:16
Ich finde Saidi und seine Aktion absolute Klasse. Hätte er ihn mal getroffen, der Massenm..... wäre nicht wie so viele tausend Zivilisten gestorben aber blamiert.
12:45
Was wäre wohl passiert, hätte er den Schuh nach Gaddafi oder diesem Emir geworfen?
Es ist eben nicht das Reich des Bösen, es ist das Reich der Dummheit, der Bigotterie und der Ignoranz.
12:41
Wie primitiv muss man sein, um eine solche Lausbubentat als Heldentat zu feiern?
Liebe arabische Welt, ihr wollt doch als gleichwertige Partner akzeptiert werden. Dann legt doch bitte euren mittelalterlichen Instinkt ab.