Irakischer Schuhwerfer mobilisiert die Massen
15.12.2008 | 21:51 Uhr 2008-12-15T21:51:00+0100
Bagdad. Muntaser el Saidi, der irakische TV-Journalist, der bei einer Pressekonferenz am Sonntag seinen Schuh nach dem US-Präsidenten George W. Bush geworfen hatte, ist zum Volkshelden geworden. Hunderte Iraker gehen für seine Freilassung auf die Straße - und der Schuh wird zum nationalen Symbol.
Muntaser el Saidi ist Fernsehjournalist und stolzer Iraker. Die erste Eigenschaft verschaffte ihm den äußerst seltenen Zugang zu George W. Bush, die zweite verlieh ihm die zornige Energie, um bei einer Pressekonferenz in Bagdad wutentbrannt seine Schuhe auf den US-Präsidenten zu schleudern. Jetzt sitzt Saidi wegen der ungewöhnlichen Attacke auf den Staatsgast im Gefängnis - und setzte einen neuen Trend im Zweistromland: Der Schuh als anti-amerikanisches Wurfgeschoss.
"Abschiedskuss"
Die Fernsehbilder der Pressekonferenz am Sonntag gingen um die Welt, als Schnipsel wurden sie im Internet millionenfach angeklickt: Bush schüttelt dem irakischen Ministerpräsident Nuri el Maliki die Hand, schaut fragend in die Journalistenrunde - da steht Saidi plötzlich auf, ruft «Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!» und schleudert Schuh Nummer eins in die Richtung des bestbewachten Mannes der Welt. Der duckt sich weg, flink wie eine Katze, und das Wurfgeschoss schlägt hinter Bush in die US-Flagge ein.
Schuh Nummer zwei fliegt weniger zielgenau auf den Präsidenten zu. Maliki versucht, die zweckentfremdete Fußbekleidung noch abzufangen, die schließlich ebenfalls in der Beflaggung niedergeht. Sicherheitsbeamte überwältigen den Schuhwerfer, aus einer kleinen Tür hinter Bushs Rednerpult stürmen weitere Personenschützer - und führen Saidi ab.
Bush nahm's mit Humor
Bush, der zu einem unangekündigten Besuch zum Ende seiner Amtszeit in den Irak gereist war, nahm den Zwischenfall mit Humor: «Wenn Sie die Fakten wissen wollen: Es war ein Schuh der Größe 10 (Deutsche Größe 44)». Er wisse nicht, was das Anliegen des Mannes sei, aber er habe sich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gefühlt. Die irakische Regierung war dagegen wenig amüsiert. In einer Erklärung verurteilte sie die Attacke als «schändlichen Akt» und forderte Saidis Arbeitgeber, den Privatsender El Bagdadia, zu einer Entschuldigung auf.
Saidi stammt aus der Stadt Nassirijah, 350 Kilometer südlich von Bagdad, und lebt mittlerweile mit seinen Brüdern in der Hauptstadt. Seit drei Jahren arbeitet der 29-Jährige für El Bagdadia. Kollegen sagen, Saidi habe den Schuhwurf seit Monaten angekündigt. «Als er schwor, dies zu tun, dachten wir aber, er meint das nicht ernst», erzählt ein Mitarbeiter von El Bagdadia. Im Sender gilt Saidi als «irakischer Patriot» mit tiefer Abneigung gegen die USA. «Muntaser verachtet Amerika. Er verachtet die amerikanischen Soldaten und er verachtet Bush», sagt ein anderer Kollege.
Dem Angreifer droht eine Haftstrafe
Die Verantwortlichen von El Bagdadia stellten sich am Montag hinter ihren Mitarbeiter. Saidi sei ein «stolzer Araber und ein «aufgeschlossener Mann», sagte der Programmverantwortliche Mushir el Chafadschi in Bagdad. Der Journalist habe keinerlei Verbindungen zu Anhängern Saddam Husseins, Familienmitglieder seien unter dem Ex-Diktator sogar verhaftet worden. In einer Erklärung verlangte El Bagdadia von den irakischen Behörden, Saidi unverzüglich freizulassen - und beriefen sich dabei auf die «Demokratie und Meinungsfreiheit, die die US-Regierung dem irakischen Volk versprochen hat».
Der irakische Anwalt Tarek Harb sagte, dass Saidi eine Anklage wegen Beleidigung eines ausländischen Staatschefs riskiere. Im Fall einer Verurteilung drohen im mindestens zwei Jahre Haft. Sollte Saidi des versuchten Mordes für schuldig befunden werden, müsste er mindestens 15 Jahre ins Gefängnis gehen.
Unterdessen machte der Schuhwurf als Ausdruck antiamerikanischer Gefühle im Irak Schule. In Nadschaf gingen am Montag Hunderte Iraker auf die Straße und fügten zu den üblichen antiamerikanischen Parolen noch «Glückwünsche für den Schuh» hinzu. Im Bagdader Stadtteil Sadr City drohten ebenfalls Hunderte Demonstranten Bush mit weiteren Schuhwürfen. Auf zwei vorbeikommende Fahrzeuge der US-Armee ging ein Schuhhagel nieder. Bush dagegen wollte von einer Massenbewegung nichts wissen: «Ich glaube nicht, dass ein Mann, der einen Schuh wirft, für eine breite Mehrheit im Irak steht.» (AFP)

16:40
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04:18
Aus dem arabischen Knigge
Wenn Schuhe auf Bush fliegen
Beim Abschiedsbesuch des US-Präsidenten in Bagdad bewirft ihn ein irakischer Journalist mit seinen Schuhen. Das ist in der Region eine ultimative Erniedrigung.
Denn mit der Sohle eines Schuhs geschlagen oder getroffen zu werden, gilt in der arabischen Kultur als die ultimative Erniedrigung. Eine Geste, die nur für die ärgsten Gegner reserviert wird - eine Art arabisches Abwatschen in aller Öffentlichkeit. In Kairo hatten in den 90er Jahren sogar mehrere Frauen einmal eine Beleidigungsagentur gegründet. Man konnte die Truppe von Umm Buqu, zu deutsch, der Mutter mit der bösen Zunge mieten, um seine Gegner auf offen Strasse anzugehen und zu beleidigen. Ihr Spezialität: Männer mit der Sohle ihrer Pantoffeln auf den Kopf zu schlagen.
aus der taz
Tja, da haben wohl hier so einige, die mal wieder
die Nähe zu irgendeinem Extremismus oder
Fundamentalismus suchen, die Symbolik nicht
verstanden. Also, auf dem Teppich bleiben und
man gut mit der Fundamentalisten-Phobie.
23:28
Hätte ein Schuh den Kopf von George Doppel 0 getroffen wäre doch gar nichts passiert. Was soll denn da auch schon kaputt gehen ?
Holzschuh wäre gut gewesen, Skischuhe wären aber besser, doch im Irak fällt nun einmal kein Schnee, wie schade.
Übrigens werde ich morgen aus Solidarität ohne Schuhe zur Arbeit gehen. Die Iraker haben mit ihrer Schuhaktion mehr Grips bewiesen als der gesamte sinnlose und verlogene Krieg der Hohlbirne Doppel 0.
--Weniger ist eben mehr--
Allerdings trifft dieser Satz beim Verstand von Georgi nicht zu.
Meinen Respekt haben die Iraker jedenfalls und meine Solidarität auch.
Lieber Schuhe werfen als Streubomben oder sonstigen Kriegsdreck.
Das Wettrüsten der Schuhfabrikanten kann beginnen ;-)
23:28
ATTACKE AUF BUSH
Gaddafi-Tochter verleiht Schuhwerfer Orden
Auszeichnung für den Bush-Angreifer: Weil der irakische TV-Journalist Muntaser al-Saidi zwei Schuhe auf den US-Präsidenten geworfen hat, erhält er in Libyen eine hohe Auszeichnung. Auch im Irak wird er als Held gefeiert.
Spiegel-online unter:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,596648,00.html
22:12
Der Journalist hätte dem Bush ein Hufeisen an
die Birne knallen sollen. Ein Hufeisen soll doch
Glück bringen.
20:38
Der Schuhwurf ist das richtige Signal für die imperialistische Politik unter Bush. Der US-Imperialismus war schon Anfang des 20. Jahrhunderts anders als der europäische Imperialismus. Die USA hatten nur wenige Kolonien, sondern in den Staaten des amerikanischen Kontinents und einigen Staaten in Asien Marionettenregierungen eingesetzt. Meist reichten Korruption und Bestechung, manchmal auch ein paar Morde durch die CIA aus, um die Herrschaft zu sichern. Wenn dies nicht reichte, kam es zu Militärinterventionen. Dies funktionierte besser als der europäische Imperialismus. Das Regime des Schahs in Persien wurde auch so eingesetzt. Mit Förderung von Demokratie hatte das wenig zu tun, im Iran wurde gefoltert, die Opposition wurde verfolgt. Das System des Imperialismus unterscheidet zwischen den westlichen Staaten, in denen die Herrenmenschen leben, und den unterentwickelten Staaten. Es ist in sofern rassistisch, als es Herrschaft mit kultureller und rassischer Überlegenheit legitimiert. Diese alte Ideologie wurde dann ersetzt. Angeblich ging es zunächst um den Kampf gegen den Kommunismus (Vietnam), später um Demokratie und Menschenrechte. Aber merkwürdigerweise wurden Demokratie und Menschenrechte immer nur dort verteidigt, wo wirtschaftliche Interessen der USA im Spiel waren. Anfang der 90er Jahre entstand eine neue Situation. Die Sowjetunion brach zusammen und damit verschwand die zweite Supermacht. Die USA nutzten die Schwäche Russlands zur Ostausdehnung der NATO. Russland sollte zurückgedrängt werden. Aber das reichte noch nicht. Mit der „Rosenrevolution“ und der „orangenen Revolution“ , die von den USA finanziert wurden, wurden in Georgien und der Ukraine pro-amerikanische Regierungen installiert. Die Vorgänger-regierungen waren dagegen neutral. Die USA intervenierten in Somalia, dann in Afghanistan und im IRAK. Dann begannen die Niederlagen. In Afghanistan wird sein 7 Jahren Krieg geführt, ohne das ein Sieg der USA in Sicht ist. Die Truppen töten (wenn auch nicht absichtlich) Zivilisten und machen sich die Bevölkerung zum Feind. Ähnliches passiert im IRAK. Die Marionettenregierung in Georgien begann einen Angriffskrieg, den sie verlor. In der Ukraine schlagen die „orangenen Revolutionäre“ aufeinander ein. Die schwache und korrupte Jelzin-Regierung wurde abgelöst. Russland wird unter Putin zwar keine Supermacht, aber eine Großmacht wie Indien oder China, deren Interessen zu beachten sind. Deutlich wird, dass die USA die Welt nicht beherrschen können. Die ganze Welt gehört eben nicht den USA.
19:49
Schade, das er nicht richtig getroffen hat. Hätte aber auch keinen falschen getroffen...
18:57
ernsthaften Schaden angerichtet hat. Das Vorgehen der amerikanischen Armee war terroristisch. Wer bei einer militärischen Aktion billigend in Kauf nimmt, das Zivilisten getötet werden, ist Terrorist. Er ist doch auch nicht viel besser als jemand, der Sprengstoffkoffer in Zügen deponiert.
18:14
Ich habe lange darüber nachgedacht, was Dubbleju eigentlich im Irak und Afghanistan will.
Ich glaube, dass er sich bedanken wollte. Man gab ihm die Gelegenheit, Krieg zu spielen. Verluste einkalkuliert!