Irakische Familie kämpft gegen Abschiebung des Sohnes

Was wir bereits wissen
Dem Iraker Mohamed Abeidi (24) droht die Abschiebung nach Polen. Seine Mutter und sein schwerbehindeter Bruder leben seit rund drei Jahren in Deutschland. Die Familie hofft nun auf einen Aufschub in letzter Minute.

Bochum..  Dem 24-jährigen Iraker Mohamed Abeidi droht am Mittwoch die Abschiebung von Bochum nach Polen. Abeidi war im Sommer 2014 über Warschau nach Deutschland eingereist, um hier Asyl zu beantragen. Seine Mutter und sein schwerbehinderter jüngerer Brüder leben seit rund drei Jahren in Bochum. Laut EU-Verordnung ist das Land für das Asylverfahren eines Flüchtlings verantwortlich, in dem der Betreffende das erste Mal europäischen Boden betrat – im Fall Abeidi also Polen.

„Für die Familie ist das eine extrem schwierige Situation“, sagt Hans Hudde von Amnesty International in Bochum. „Die knapp 70-jährige Mutter ist mit der Pflege des behinderten Sohnes überfordert, und auch für Mohamed ist der Rückhalt seiner Familie sehr wichtig.“

Der 24-Jährige saß vor seiner Flucht sieben Jahre ohne Anklage in einem irakischen Gefängnis. Er sei dort gefoltert worden und gelte als traumatisiert und suizidgefährdet. Sein Vater, der zusammen mit dem Sohn festgenommen wurde, sei noch immer inhaftiert.

Während Abeidis Asylantrag in Deutschland bearbeitet wurde, lebte er im Emsland. Erst seit einem Monat kann sich der 24-Jährige frei im Bundesgebiet bewegen und ist seitdem bei seiner Familie in Bochum.

Es besteht die Möglichkeit, dass Abeidis Abschiebung aufgrund seiner psychischen Verfassung zumindest vorläufig verschoben wird. Heute möchte die Familie dazu den Rat eines Gutachters der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum einholen. Zudem erwägt Amnesty International einen Antrag bei der Härtefallkommission des Landtags, um die Abschiebung zu verhindern.