Irakische Armee flüchtet aus Ramadi

Ramadi/Palmyra..  Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die letzten Stellungen der Regierungsarmee in der westirakischen Provinzhauptstadt Ramadi regelrecht überrannt. Die IS-Verbände brachten den südlichen Bezirk Malaab gestern vollständig unter ihre Kontrolle, bestätigten Sicherheitskreise in Bagdad. Die irakische Regierung kündigte an, schiitische Kampfeinheiten gegen die Islamisten einzusetzen. In Syrien wurde die IS-Miliz nach blutigen Kämpfen um die antike Oasenstadt Palmyra zurückgeschlagen.

Bei erbitterten Gefechten zwischen Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und der Terrormiliz starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Dutzende Kämpfer beider Seiten. Am Nachmittag sei der IS von Regimetruppen wieder aus Palmyra zurückgedrängt worden. Die US-Armee tötete indes bei einer Kommandoaktion im Nordosten Syriens den Verantwortlichen für die Ölindustrie des IS, einen Tunesier mit Kampfnamen Abu Sajjaf.

Schwarze Fahne gehisst

Die Einnahme Ramadis bedeutet einen schweren Rückschlag für die irakische Regierung im Kampf gegen die Terrormilliz. Ramadi ist die Hauptstadt Unruheprovinz Anbar und zählte in Friedenszeiten rund 500 000 Einwohner. Mit Ramadi kontrolliert der IS nun die dritte Provinzhauptstadt nach dem syrischen Raqqa - der inoffiziellen Hauptstadt des islamischen Staates - und der nordirakischen Millionenstadt Mossul. Die Provinz Anbar hat eine lange Grenze zu Syrien, Saudi-Arabien und Jordanien, was für den IS von besonderer Bedeutung sein dürfte. Schon vor dem Wochenende hatten IS-Milizen das Zentrum von Ramadi eingenommen und auf dem Sitz der Provinzverwaltung ihre schwarze Fahne gehisst. Medien berichteten von einer panischer Flucht irakischer Soldaten aus Ramadi.

In Syrien waren die IS-Milizen waren am Wochenende zunächst weiter auf das Zentrum von Palmyra vorgerückt, das von Assad-Truppen gehalten wird. Sie gelangten damit in unmittelbare Nähe des berühmten Unesco-Weltkulturerbes. Nach Darstellung des regimetreuen Gouverneurs der Provinz Homs, Talal Barasi, drängten die Regierungstruppen den IS gestern aber wieder aus seinen Positionen am Rand von Palmyra und von den umliegenden Hügeln zurück.

Bei den Kämpfen starben mindestens 47 Regierungssoldaten und 29 IS-Milizionäre, wie die Syrische Beobachtungsstelle meldete. Die Organisation, die ihre Berichte aus Informationen von Aktivisten in Syrien schöpft, bestätigte, dass die Regimetruppen die IS-Miliz aus Palmyra zurückschlugen. Dies sei vor allem dem Einsatz schwerer Artillerie zu verdanken gewesen, hieß es.

Mit dem IS-Vormarsch sehen Beobachter und Experten die gut erhaltene Tempelstätte aus dem ersten Jahrhundert nach Christus als extrem bedroht. Sie gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Berichten zufolge war die Stätte bereits 2012 und 2013 bei Kämpfen beschädigt worden. Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr schon einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit.

Die türkische Luftwaffe schoss am Samstag nach Angaben des türkischen Verteidigungsministers Ismet Yilmaz einen syrischen Hubschrauber ab. Yilmaz sagte, der Helikopter sei etwa elf Kilometer tief in den türkischen Luftraum eingedrungen.