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Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran

31.10.2012 | 13:06 Uhr
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
Wer hier wohnt, will auch hier leben: Die jüngste Studie zur Integration von türkischstämmigen Migranten in NRW sieht positive Trends. Das Archiv-Bild zeigt eine Szene von der Weseler Straße in Duisburg-Marxloh.Foto: Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Essen.   Die Integration bei türkeistämmigen Zuwanderern in NRW macht erhebliche Fortschritte. Das ist das Ergebnis der jüngsten Studie des Essener Zentrums für Türkeistudien, die NRW-Integrationsminister Schneider am Mittwoch vorgestellt hat. Die Bereitschaft zur Einbürgerung aber sei "bedenklich" gering.

Spätestens in gut elf Jahren will die Türkei Mitglied der EU sein. Das hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch bei seinem Deutschland-Staatsbesuch gefordert. Wäre es so, könnte man mit Blick auf die jüngst veröffentlichte Studie zu türkischstämmigen Migranten in NRW spätestens im Jahr 2023 womöglich eine 'Einbürgerungs-Welle' erwarten. Denn nach wie vor sei die Bereitschaft hier lebender Menschen mit türkischen gering, die Integration in die hiesige Mehrheitsgesellschaft auch per Pass zu vollziehen. Überwiegend deshalb, weil sie dazu ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgeben müssen und eben kaum wollen. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die NRW-Integrationsminister Guntram Schneider am Mittwoch in Düsseldorf präsentierte.

Seit 1999 ermittelt die Studie die Befindlichkeit türkischstämmiger Zuwanderer in NRW. Jeweils einmal im Jahr befragt das in Essen sitzende Zentrum für Türkeistudien (ZfTI) eine knappe vierstellige Zahl von Migranten und stellt Fragen, die ein Bild vermitteln sollen, wie Türken hierzulande leben und fühlen, inwieweit sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben oder sich gar engagieren.

Die Mehrheit spricht sehr gut Deutsch

Die jüngste Umfrage unter der sperrigen Vokabel "Mehrthemenbefragung" macht vor allem positive Trends in Sachen Integration aus : „Es gibt erhebliche Integrationsfortschritte im Generationenvergleich der türkeistämmigen Zuwanderinnen und Zuwanderer. In der 2. Generation verstehen 86 Prozent, in der 3. Generation sogar 99 Prozent gut oder sehr gut Deutsch. Hier geborene oder aufgewachsene Migrantinnen und Migranten partizipieren in allen Bereichen deutlich stärker als die erste Generation“, erklärte Guntram Schneider. Die Studie entpuppe die "unreflektierte Rede über eine gescheiterte Integration" deshalb als Klischee, dem "entschieden entgegen getreten werden“ müsse, forderte der Minister.

Insbesondere im Bereich der Schul- und Berufs-Bildung hole die dritte Generation der hier lebenden Türken und -innen auf. „Mehr als die Hälfte erwirbt einen höheren Bildungsabschluss als die Elterngeneration“, erklärt Prof. Haci-Halil Uslucan, der Chef des Essener ZfTI . Allerdings weist die jüngste Studie nach wie vor auf die Defizite in dem Bereich hin: Kinder von Höhergebildeten erreichten eher einen höheren Schul-Abschluss als Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern. Dort sei der Anteil ohne berufliche Ausbildung auch in den Nachfolgegenerationen "nach wie vor zu hoch".

Geringe Rückkehrneigung bei Hochqualifzierten

War die Integrations-Debatte vor zwei Jahren noch stark von den umstrittenen Thesen des früheren Berliner Finanzsenators und Bundesbankers Thilo Sarrazin in dessen Buch "Deutschland schafft sich ab" beeinflusst, haben sich die Wogen offenbar geglättet. Mit der Folge, dass nur wenige der Zuwanderer ihre berufliche Perspektive in der Türkei suchen wollten: "Die Daten zeigen, dass die Rückkehrneigung bei Hochqualifizierten zurzeit nicht weiter zunimmt", erklärt ZfTI-Chef Prof. Uslucan. "In der Vergangenheit hatte mehr als ein Drittel der türkischstämmigen Hochschulabsolventinnen und -absolventen diese Rückkehrneigung in Umfragen gezeigt.  Uslucan: „Der Abwanderungstrend im großen Stil blieb aber aus“.

Hier sein und sich hier einbürgern hat bei hier lebenden Türken aber nach wie vor Grenzen. Gründe dafür bilden sich wohl aus einem Gemisch aus Heimatliebe und Bürokratie. Schneider jedenfalls sieht es als "bedenklich", dass nur wenige der türkischstämmigen Migranten in NRW sich auch in Deutschland einbürgern lassen wollten. Er macht dafür vor allem das Staatsangehörigkeitsgesetz aus: "Es kann nicht angehen, dass bei der Hälfte der Einbürgerungen vor allem der EU-Migranten, die Doppelstaatsbürgerschaft hingenommen wird, bei der Einbürgerung Türkeistämmiger aber nicht." Die rot-grüne Landesregierung setze sich deshalb im Bundesrat "für die Hinnahme der Mehrstaatigkeit ein“, erklärte der Minister. Er kündigte zudem eine "Einbürgerungsoffensive" an, die im Jahr 2013 starten soll. Schneiders Fazit: „Wer hier dauerhaft lebt, sollte auch die vollen Bürgerrechte genießen". Denn: "Wir brauchen diese Menschen". (dae/WE)



Kommentare
02.11.2012
11:35
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #20

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.11.2012
10:36
@ Ismet | #17
von Partik | #19

Es sind wahrscheinlich eher die kulturfremden Gebräuche und die starke Religiösität, durch die eine vollständige Integration an sich scheitern muss.

Wir Deutschen sind in der Masse nicht mehr besonders religiös, kennen auch kulturell nur noch wenig strikte Regeln. Der familiäre Zusammenhalt ist eher auf die engste Verwandtschaft beschränkt. Die (Familien-) Ehre spielt bei uns auch weniger eine Rolle.

Eine Integration stellt sich der Deutsche eher so vor, dass Sprache und Gebräuche nach außen komplett abgelegt werden, und man, wie bei östlichen Einwanderern schon passiert, eigentlich keinen Unterschied mehr bemerkt.

Die sogenannte "Basarmentalität", dieses "was kuckst Du?" usw. früherer türkischer Generationen, steckt aber noch zu tief als Vorurteil drin, egal wie sich die jetzige, aufgeklärtere Generation vereinzelt zeigt.

Wenn man sich jedoch die Probleme der Türkei mit ethnischen Minderheiten wie den Kurden betrachtet, ist die türkische Integration hier in D eher hervorragend.

31.10.2012
23:56
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von Pellet | #18

@Ismet: Wie schaffen wir es, mehr solcher vernünftigrn Leuten zu gewinnen? Können Sie nicht ihre unvernünftigen Landsleute zur Vernunft bringen?

31.10.2012
16:01
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von Ismet | #17

Liebe Leute,
ich als Migrant türkischer Herkunft, habe manchmal das Gefühl, das Deutschland nur noch ein Integrationsproblem hat und sonst nichts.
Dieses wird sehr emotional geführt, da "viele" Deutsche wohl negative Erfahrungen mit Türken gemacht haben.
Wir haben keine/n:
- galoppierende Staatsschulden
- Herausforderungen die Schulbildung zu verbessern
- Mangel an Lehrern, Erziehern, Polizisten, Zollbeamten, Feuerwehrleuten, Altenpflegern usw.
- €uro Krise die auch für Deutschland eine erhebliche Belastung darstellt, da Griechenland jetzt doch echtes Geld braucht (Siehe kommenden Wunsch des Schuldenschnitts)
usw.
Für mich ist jemand integriert, der die Sprache einigermaßen beherrscht, sich an die Gesetze hält und nicht (unnötig) auf der sozialen Hängematte liegt.
Genauso gebe ich euch Recht, das „einige“ Türken sich nicht anpassen wollen (oder können?).
Ihr dürft mich gern korrigieren falls ihr das anders sieht.

31.10.2012
15:29
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von 1955 | #16

Diese Studien sind politisch lanciert und so gewollt!
Schon Herr Laschet fand sie großartig, Herr Schneider schließt sich an, warum wohl?
Es geht einzig und allein um die von Türken gewünschte 2. Staatsbürgerschaft, ohne die türkische aufzugeben! Hiermit würde die Zweitgesellschaft mit kiezähnlichen Strukturen noch mehr ausufern und wirkliche Integration auf der Strecke bleiben, weil man mit 2 Staatsbürgerschaften beliebig bleiben kann!

1 Antwort
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von Ismet | #16-1

Ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft nicht behalten, da ich diese nicht wollte.
Nicht alle wollen die doppelte Staatsbürgerschaft, es geht eher darum, das die SPD neue Wählerschaft rekrutieren will...

31.10.2012
15:02
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von michalek | #15

Wer die Integration täglich in der Praxis erlebt, kann sich über das Ergebnis solcher Studien nur wundern. Sobald eine Studie oder Bürger ohne muslimischen Hintergrund den Integrationswillen der meisten Muslime in Frage stellen, wird jede Umfrage als Hetze abgetan .
Wenn schon der türkische Ministerpräsident Erdogan seinen Landleuten rät die Integrationstiefe zu begrenzen, kann die Studie nicht stimmen.
Gegen eine zweite Staatsbürgerschaft, die Deutsche, und die Entgegennahme der damit verbundenen Vorteile und Rechte hat er wohl keine Einwände.

1 Antwort
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von Ismet | #15-1

Da gebe ich Ihnen Recht.
Nur kann man ein Versagen das über 50 Jahre anhält, nicht damit gutmachen, das man nur noch drauf schlägt.
Beide Seiten haben Fehler gemacht, aber statt hier eine Annäherung zu suchen und die Türken (es geht ja anscheinend nur um die!) richtig zu integrieren wird lieber noch mehr eingeschlagen.
Ich bin 73er Jahrgang, bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Habe 3 Jahre KG, 4 Jahre GS und 6 Jahre Hauptschule hinter mir. Habe danach eine Ausbildung gemacht, darauffolgend eine Umschulung zum Industriekaufmann. Nebenbei habe ich den Fachwirten gemacht um einen sozialen Aufstieg zu erleben. Dank an gute (deutsche!) Menschen, die an mich geglaubt haben und mir die Chance gaben mich zu beweisen. Es geht immer das man sich anpasst. Aber gehöre ich dazu? Nein. Die latente "Ausländerfeindlichkeit" bekomme ich dennoch jeden Tag zu Spüren. Wissen Sie was das komische ist, das man sich sogar daran gewöhnt, sofort abgestempelt zu werden, weil man ein Türke ist...

31.10.2012
14:59
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von canberra | #14

……Die Studie unterscheidet beim Herkunftsland zwischen der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion, Polen, dem ehemaligen Jugoslawien und der Gruppe der anderen Länder und zeigt, dass Kinder mit einer türkischen Herkunft im Durchschnitt die schlechtesten Ergebnisse erzielt haben……
http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/deutscher-grundschulvergleich-die-zuwanderung-macht-die-differenz-11927910.html

31.10.2012
14:55
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von RennYuppieRenn | #13

Ich frage mich nach der Motivation eines Guntram Schneider. "Wir brauchen diese Menschen" reicht mir nicht. Wenn er Wähler braucht, schön für ihn.

1 Antwort
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von Ismet | #13-1

Der braucht die Wähler, oder wieso hat die SPD damals die Einbürgerung mit der doppelten Staatsbürgerschaft bis ende 1999 erlaubt?

31.10.2012
14:25
Kommt auf den Wohnort an ...
von Partik | #12

Das kann man deutschlandweit nicht verallgemeinern. Im deutschen Süden ist die Integration sehr viel weiter fortgeschritten als z.B. im Ruhrgebiet oder nord-östlichen Großstädten.

Es kommt auch drauf an, was man unter Integration versteht. Die deutsche Sprache zu verstehen, ist da nur der kleinste Schritt.

Im Ruhrgebiet gibt es immer noch viel zu viele rein türkische, sehr autark lebende Stadtviertel. Dort gibt es den türkischen Supermarkt, den türkischen Schneider, des üblichen "Kulturverein" mit rein türkischer (oder kurdischer, je nach Viertel) Klientel.

Es gibt in der Tat immer mehr sehr gut integrierte Türken, die nicht mehr viel von den vollkommen integrierten Nachfolgegenerationen der Einwanderer aus den z.B. polnischen Gebieten unterscheiden.

Allerdings sieht man auch hier und da gewisse Rückschritte. Statt Techno dröhnt mittlerweile vermehrt türkisch Pop aus den Autofenstern. Festhallen für rein türkische Feste wie Hochzeiten, gibt es mittlerweile in jeder Ruhr-Stadt.

31.10.2012
14:17
Integration bei Türken in NRW kommt laut Studie voran
von FilouDuisburg | #11

Schöner Artikel mit Märchencharakter, denn die Realität hier in Duisburger Stadtteilen wie Marxloh, Bruckhausen, Hochfeld, Homberg oder Rheinhausen sind ganz anders und wie eh und je. Das bedauere ich, aber es ist leider eben so.
Diese ganzen Studien gehörten hinterfragt und sind meistens nicht viel wert.
Das ist wie mit den regelmäßig offiziellen Arbeitslosenzahlen, die angeblich häufig sinken, in der Realität jedoch stetig steigen.
#4 und #5 sprechen mir aus der Seele...

Heinz-W. Geisenberger, Duisburg

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