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In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel

22.08.2012 | 19:49 Uhr
Wer Brot selbst produziert, müsste Umsatzsteuer zahlen, wenn er es spendet.Foto: Ingo Otto

Lüdenscheid/Berlin.   Viele Bäckereien werfen ihr Brot abends wieder weg anstatt es Bedürftigen bei den Tafeln zu spenden. Auslöser ist eine Steuernachforderung, die eine Bäckerei in Sachsen erhielt. Obwohl in NRW die Finanzämter gehalten sind, dies nicht zu tun, ist vielen Unternehmen die rechtliche Lage zu unsicher. Darunter auch eine südwestfälische Großbäckerei, die bisher die Lüdenscheider Tafel kostenlos belieferte.

Viele Bäckereien werfen ihr Brot abends wieder weg anstatt es Bedürftigen bei den Tafeln zu spenden. Auslöser ist eine Steuernachforderung, die eine Bäckerei in Sachsen erhielt. Obwohl in NRW die Finanzämter gehalten sind, dies nicht zu tun, ist vielen Unternehmen die rechtliche Lage zu unsicher. Darunter auch eine südwestfälische Großbäckerei, die bisher die Lüdenscheider Tafel kostenlos belieferte.

Tafeln für Umsatzsteuerbefreiung von Sachspenden

Der Bundesverband der Deutschen Tafeln fordert jetzt eine Umsatzsteuerbefreiung von Sachspenden an gemeinnützige Organisationen. Doch in der Zwischenzeit leiden die Tafeln unter der verknappten Versorgung. „Seit drei bis vier Wochen bekommen wir von dem Betrieb keine Backwaren mehr geliefert“, berichtet Dieter Rabenschlag, Vorsitzender der Lüdenscheider Tafel. „Das war ein sehr wichtiger Lieferant. Wenn unsere Kunden bislang zwei bis drei Brote pro Woche bekamen, so mussten wir das jetzt auf ein Brot reduzieren“, sagt der Lüdenscheider Tafel-Chef. Ähnliche Erfahrungen wurden auch bei der Tafel in Werdohl gemacht.

Info
Schonfrist für spendende Bäckereien in NRW
  • Bund und Länder schauen auf ein Verfahren beim Bundesfinanzhof in München, wo in einem ähnlichen Fall entschieden werden soll. Wann, ist unklar. Dort geht es um die grundlegende Problematik sogenannter „unentgeltlicher Wertabgaben“.
  • Bis ein Urteil vorliegt hat das NRW-Finanzministerium die Finanzämter angewiesen, Bäcker, die an Tafeln spenden, bis zur Klärung nicht zu veranlagen.

Die Tafeln im Märkischen Kreis stehen mit dem Problem nicht allein da. „Es gibt eine große Verunsicherung bei unseren Betrieben“, sagt Amin Werner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bäckerhandwerks in Berlin. Das Bundesrecht sieht vor, dass in manchen Fällen Umsatzsteuer auf die Spende von unverkäuflichen Lebensmitteln zu zahlen ist. Das betrifft meist Handwerker, die die Lebensmittel, die sie spenden, selber herstellen. Dann können die Herstellungskosten als Maßstab für die Besteuerung herangezogen werden.

Brot-Preis
Brot wird durch Ernte-Ausfälle teurer

Die Verbraucher müssen sich auf steigende Brotpreise einrichten. Die Rekordpreise für das Getreide könnten nicht länger aufgefangen werden, erklärte der Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks. „Wir gehen von Preissteigerungen aus“, sagte Geschäftsführer Walter Dohr der WAZ.

Forderung nach gesetzlicher Regelung

Bäcker-Handwerks-Chef Armin Werner weiß, dass die Finanzämter unterschiedlich mit dem Gesetz umgehen – die meisten lassen die Spender in Ruhe. Doch: Notwendig sei eine klare gesetzliche Regelung, fordert das Handwerk genau wie der Bundesverband der Tafeln. Sachspenden an Tafeln müssten umsatzsteuerfrei sein.

In einem Brief an Bundesfinanzminister Schäuble und Verbraucherministerin Aigner weisen die Bäcker darauf hin, dass das Steuer-Recht zu kuriosen Situationen führt: Würden die Bäcker, statt ihre Lebensmittel an Bedürftige zu spenden, diese auf den Müll werfen, würde keine Umsatzsteuer anfallen. „Bislang haben wir aus den Ministerien aber noch keine Reaktion bekommen“, sagt Werner. Anke Assig vom Bundesverband der Tafeln sagt: „Es ist unerträglich für viele Spender, dass sie ihre Ware wegwerfen sollen, weil sie ansonsten mit Steuern rechnen müssen.“

Schüler helfen der Tafel

Heinz Krischer



Kommentare
23.08.2012
13:23
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von Unverkennbar | #22

2. ist vielleicht eine unbewiesene Behauptung, aber haben Sie sich mal mit Ressourcenallokation befasst? Auf der Basis, dass ich jeden Euro nur einmal ausgeben kann, sollte der 1. Euro immer für Brot ausgeben werden. Berechnen wir 500g Brot mit 1 Euro macht das pro Person 3 Euro die Woche für Brot. Und dann kann er bei Brot gut zuschlagen. 12 Euro pro Monat. 12 Euro soll jemand im Monat nicht haben? Dann hat er gestörte Präferenzen bei dem, wofür er sein Geld ausgibt.

23.08.2012
11:38
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von modtiger | #21

@Unverkennbar
1. braucht niemand die Produktion der Nachfrage anzupassen. Noch leben wir in einer sozialen Marktwirtschaft, wo jeder selbst entscheiden darf, wie viel er produziert.
2. ist es eine unbewiesene Behauptung, die Tafeln hätten einen Einfluss auf den Markt.
Mich nervt diese ewige Neidgesellschaft. Ok, die Hatzler bekommen ein paar Gratisbrote. Werden sie dadurch reich? Müssen dadurch andere länger arbeiten? Im Gegenteil, die Bäcker tun dies zur Bequemlichkeit. Da die Regale bis kurz vor Ladenschluss gefüllt sein müssen, lässt sich eine gewisse Überproduktion nicht vermeiden. Der Skandal, den der Artikel andeutet, ist doch ein ganz anderer. Nicht Brote an sich, sondern nur die von echten Bäckern selbst gebackenen Brote sollen besteuert werden. Industrie-Pappe aus dem Chemiebaukasten darf kostenlos weitergegeben werden. Nur wenn der Teig selbst gemacht ist, schlägt der Fiskus zu. Und das mit virtuellen Preisen nach Aufwand der Herstellung. Das Gesetz bitte ändern, sofort!

23.08.2012
11:33
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von heikovarus | #20

Es ist Toll,wie Politiker,Stadträte und dergleichen versuchen an Gelder zukommen.
Politiker AD bekommen mal eben 18.000.-€ erhöhung aber dem kleinen Mann will mann
schon wieder schröpfen.Es werden Mio.Tonnen im Jahr vernichtet, warum nicht Spenden und dass kostenöos ohne Steuern.Die Herren und Damen in den Ämtern sollen mal nachdenken und nicht nur ans Einnehmen denken.Bei sich selber sollte mann anfangen mit dem Sparen.Die Preise steigen und steigen aber nur für die Oberen, darum auch die Erhöhung ihrer Diäten.Dem normalen Bürger bleibt nur
alles zusammen zu kratzen um den Monat zu überstehen.

23.08.2012
10:34
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von Moderation | #19

Sehr geehrte Nutzer,

bitte verfassen sie sachliche Kommentare zum Artikel und verlieren sich nicht in Off-Topic-Scharmützeln.

DerWesten-Moderation

23.08.2012
09:49
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von Otto99 | #18

Eine Firma, die Tag für Tag zuviel Brot produziert, sollte mal ihre innerbetrieblichen Abläufe
überprüfen. Oder kann es sein, daß es irgendwelche Vorteile gibt, wenn man bewußt zu viel herstellt?

Und das ein Finanzamt angewiesen wird, das Recht nicht anzuwenden, geht ja gar nicht. Dann gibt es sofort wieder Schlaumeier, die Schlupflöcher ausnutzen.

23.08.2012
08:47
Liebe Schlaumeier,
von bigkahuna | #17

Niemand verlangt von euch, irgendetwas an irgendwen zu spenden.
Spart euch also eure Auflistungen über den Unsinn von Tafeln ( "ich spende Netze-keine Fische"), Kochtipps für Arme, Statistiken über Sozialmißbrauch .
Lasst doch einfach diejenigen, die Brot nicht wegwerfen wollen, sondern an Hungrige weitergeben wollen, in Ruhe !
Spart euch euren Hass auf Obdachlose und H4er für den morgentlichen Blick in den Spiegel auf.

23.08.2012
08:41
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von MalNachgedacht | #16

Lebensmittel wegwerfen...Geht es noch?
Mal abgesehen davon, dass es eh ein Unding ist, die Deckung von Grundbedürfnissen in die Freiwilligkeit auszulagern, sollte man sich mal langsam überlegen, wie man die Armut in Deutschland wirksam bekämpfen kann.

Wie asi sind wir eigentlich geworden, dass an jeder Ecke, die, für die keine Arbeit mehr da ist, beschimpfen und uns Menschen, die fröhlich ihr Geld vor dem Fiskus ins Ausland retten, als Leistungsträger und Vorbilder bejubeln?

3 Antworten
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von MalNachgedacht | #16-1

Boah, guten Morgen Satzbau! :D
Ich probiere es einfach nochmal:

Wie asi sind wir eigentlich geworden, dass "wir" an jeder Ecke, die, für die keine Arbeit mehr da ist, beschimpfen und Menschen, die fröhlich ihr Geld vor dem Fiskus ins Ausland retten, als Leistungsträger und Vorbilder bejubeln?

In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von Black123 | #16-2

danke ich wollte grad schon den duden rauskramen ;D

In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von zebrafannin | #16-3

Die von Ihnen genannten "Vorbilder" stellen sich im Bund alle 4 Jahre und im Land alle 5 Jahre zur Wahl. Und diese wundern sich auch immer wieder, warum die Wahlbeteiligung immer geringer wird in Deutschland...
Wenn sich diese Herrschaften ihre "Pensionen" um knapp 1.600 Euro pro Monat erhöhen können, wie sie es ja jetzt wieder mit den Altersruhegeldern der ehemaligen Bundespräsidenten vorhaben, könnte doch jeder von denen darauf verzichten und diese "Erhöhung", die manch einer in Deutschland noch nicht einmal monatlich als Einkommen auf dem Konto hat, an die Tafeln spenden, damit die Tafeln nicht mehr auf "alte" Lebensmittel angewiesen sind...

23.08.2012
08:36
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von Black123 | #15

für das nackte überleben wird der hartz4-satz sicherlich ausreichen. doch wenn man die wahl hat lebensmittel entweder wegzuschmeißen oder aber an ärmere abzugeben die sich dann vllt auch mal etwas "besonderes" (nein damit meine ich keinen brilli oder urlaub etc.) sollte man diese möglichkeit nicht durch den staat verhindern.

mir stellt sich allerdings die frage warum die leute 2-3 brote die woche brauchen?!

23.08.2012
08:23
Diese ...
von Partik | #14

Hungerleider-Mentalität der "Bedürftigen" und ihrer willigen Speichellecker ist wirklich lächerlich.

Die einen heulen, dass ihre Kinder hungern müssen, wenn sie nicht von den Tafeln unterstützt werden, die nächsten scheinen sich ihre tägliche Portion Gutmenschentum abzuholen, indem sie die Tafeln für unverzichtbar halten.

So ein Unfug. Dieses künstliche Armreden Deutschlands durch irgendwelche Heulsusen ist langsam wirklich übertrienen.

Und wenn die ehemals Spender, nun Entsorger, nicht aufpassen, sind sie wahrscheinlich bald der Buhmann, weil sie wegen ein paar Cent Steuer nicht die angeblich Hungernden unterstützen ...

Statt über so ein Gesetz zu diskutieren, sollte man den Hilfebeziehern lieber beibringen, wie man preiswert kocht. Ein selbstgemachtes 750g Brot kostet samt Energie vielleicht einen Euro.

Liebe Lobbyisten: haut nicht allzusehr auf die Kacke mit dem angeblichen Hungern, das glaubt euch so und so keiner mehr.

1 Antwort
In vielen Bäckereien landet Brot im Müll statt bei der Tafel
von foxtrott | #14-1

Ach herrlich, wenn man am Morgen seinen Menschenhass so schön schwarz-weiß loswerden kann, nicht wahr !? Auf den Wahrheitsgehalt muss man das Geschreibsel ja zum Glück nicht überprüfen...Lobbyisten für Arme in Deutschland, das ist ein schräger Witz...

23.08.2012
08:22
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Name von Moderation entfernt | #13

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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #13-1

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