In Tunesien muss jetzt wieder Alltag einkehren
05.04.2011 | 20:21 Uhr 2011-04-05T20:21:00+0200
Essen.Die Welt blickt auf Libyen, Syrien, die Elfenbeinküste, den Jemen – die arabischen Revolutionen sind im vollen Gange. Doch was passiert dort, wo alles begann? Wie sieht es in Tunesien aus?
„Chaotisch“, antwortet Alexander Knipperts, Maghreb-Projektleiter der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit. „Aber wenn es nicht chaotisch wäre, wäre es keine Revolution“, sagt er. Knapp elf Wochen ist die Revolution her, allmählich beginnen sich Strukturen zu ordnen. Aber noch etwas hat sich seit der Revolution verändert: „Früher herrschte eine bedrückte Stimmung. Heute ist es laut, die Menschen reden, lachen“, so Knipperts.
Ob die Stimmung so bleibt, hängt stark davon ab, ob die Menschen, die während der Revolution auf die Straße gegangen sind, sich auch in der neuen Interimsregierung wiederfinden. Die wird am 24. Juli gewählt, zirka 50 Parteien sind inzwischen zugelassen. „Davon sind wenige schlagkräftig“, sagt Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments a.D. und Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Erst kürzlich traf er vor Ort führende Persönlichkeiten der Übergangsregierung. Dass die Parteienlandschaft sich noch unübersichtlich darstellt, bestätigt auch Alexander Knipperts. „Es gibt Persönlichkeiten, die ihre Bekanntheit ausnutzen, aber keine wirkliche Struktur bieten können“, sagt er. Beruhigend: Radikale Strömungen kann Knipperts bisher nicht erkennen. Eine Partei, die in einem solchen Verdacht stand, hat keine Zulassung erhalten. Was allerdings fehlt, ist laut Knipperts eine organisierte politische Mitte, „weil sie im alten System keine Chance hatte“.
Warum tunesische Oliven?
Ein Problem sieht Pöttering derzeit darin, dafür sorgen, dass in Tunesien wieder der Alltag einkehrt. „Die Menschen müssen nach der Begeisterung für die Demokratie auch wieder ihre Arbeit leisten“, sagt er. Der Westen könnte seinen Beitrag dazu leisten, meint Dagmar Ossenbrink, Geschäftsführerin der Deutsch-Tunesischen Außenhandelskammer. „Macht Urlaub in Tunesien“, appelliert sie an die deutschen Touristen. Doch auch für Unternehmen lohnen sich Investitionen in Tunesien, da das „family business“ nun weggefallen ist. Damit meint sie den korrupten Ben-Ali-Clan, der die Märkte kontrolliert hat. Zum Beispiel war der Clan unter anderem der Hauptimporteur teurer Medikamente. Will jetzt ein Unternehmen in Tunesien Generika herstellen, findet er einen gänzlich freien Markt vor. Zudem seien laut Ossenbrink die Deutschen beliebt. „Es gibt traditionell gute Beziehungen“, sagt sie. Zumal Frankreich bei vielen Tunesiern nicht mehr unbedingt der Wunschpartner für Geschäftsbeziehungen sei.
Zudem fordert Ossenbrink, den Export anzukurbeln. „Warum braucht Deutschland tunesische Oliven?“ Ihre Antwort: „Um Lampedusa zu stoppen!“ Die EU müsse dafür sorgen, dass Agrarprodukte aus Nordafrika leichteren Zugang zum europäischen Markt erhalten. Das dürfte anderen Ländern wie Spanien kaum passen, die ähnliche Produkte wie Oliven oder Orangen exportieren. „Alle reden von Globalisierung und freier Marktwirtschaft - dann müssen sie sich auch dieser Konkurrenz stellen“, sagt Ossenbrink. Pöttering kann nur zustimmen: „Es kann Wettbewerb mit anderen bedeuten“, sagt er, „aber entscheidend ist, dass wir nun etwas Konkretes tun.“ Zudem fordert er von der europäischen Investitionsbank, Gelder zur Verfügung zu stellen. Und: „Es ist notwendig, kleine und mittlere Unternehmen zu fördern.“

13:05
Man sollte den Bevölkerungen in Europa endlich reinen Wein einschenken und klar kommunizieren auf was man sich als Bürger einzustellen hat wenn die Islamisten in allen Länder die jetzt im Umbruch sind die Macht übernehmen. Denn diese Islamisten werden viele Flüchtlingsströme auslösen richtung Europa und es werden viele Islamisten unter den Flüchtlingen sein um sich in Europa einzuschleichen und hier Sozialgelder zu kassieren mit denen sie die Islamisten in den Heimatländer unterstützen können. Da so zu tun in Europa man wolle das Problem angehen oder gar grossspurig zu vermitteln man hätte alles im Griff, wirkt nur noch befremdlich.
08:22
von tunis kann ich momentan nur abraten, Schiessereien etc. In Hammamet kann man auch ausserhalb vom hotel tagsueber(!) ganz normal spazieren. So ist jedenfalls die Lage von heute.
Tunis war heute abgeriegelt,der Souk geschlossen. Meine Schwester kam nur unter Polizeischutz zur Arbeit im Zentrum von Tunis und ist morgen freigestellt,weil es momentan zu gefaehrlich ist.
23:30
Vorab: wer Mallorca für eine Alternative zu Tunesien hält, ist dort sicherlich besser aufgehoben!
Ich bin jetzt seit einer Woche vor Ort und sehr überrascht, wie - zumindest in der Touristik-Zone um Sousse - schnell sich das Leben normalisiert hat. Von Tag zu Tag füllen sich die Hotels und Strände merklich. Ein Trend, der für den weiteren Weg dieses Landes so viel wichtiger ist, als der Verkauf von Oliven.
Die Sicherheitslage ist - das haben mir auch alle tunesischen Freunde bestätigt - inzwischen wieder auf dem bekannt guten Niveau. Trotz - oder besser auf Grund - einer nun angenehmeren Polizei-Präsenz.
Die einzige wirkliche Änderung: die meisten Menschen hier laufen nun mit einem befreiten Lächeln durch den Tag, es herscht eine erfrischende - aber auch geduldige -Aufbruchstimmung. Wohlwissend, daß der richtige Weg zwar eingeschlagen, aber noch nicht zu Ende gegangen ist.
Ich werde im Sommer wieder nach Tunesien reisen und bin auf die weiteren Fortschritte schon jetzt gespannt.
22:25
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