In NRW fehlen 300.000 Wohnungen für Behinderte

Viele ältere Menschen müssen sich mit einem Rollator in ihrer Wohnung bewegen. Häufig müssen Wohnungen dafür barríerefrei umgebaut werden.
Viele ältere Menschen müssen sich mit einem Rollator in ihrer Wohnung bewegen. Häufig müssen Wohnungen dafür barríerefrei umgebaut werden.
Foto: WAZFotoPool
Was wir bereits wissen
In NRW müssen mindestens 300 000 Wohnungen für Menschen mit Behinderungen umgebaut werden. Diese Forderung erhob der Behinderten-Beauftragte der Landesregierung, Norbert Killewald.

Düsseldorf.. Der Behinderten-Beauftragte der NRW-Regierung, Norbert Killewald, appellierte an die Wohnungswirtschaft, mehr barrierefreie Wohnungen zu bauen. „Es wäre unverantwortlich, jetzt Steine für 50 Jahre hinzustellen, ohne die steigende Zahl der Behinderten zu berücksichtigen“, sagte Killewald dieser Zeitung. In NRW sind nach Schätzungen der Architektenkammer nur drei Prozent der 8,6 Millionen Wohnungen behindertengerecht.

Die rot-grüne Landesregierung will 2015 die Landesbauordnung an die Anforderungen der Barrierefreiheit anpassen. Am Rande einer Verbändeanhörung im NRW-Bauministerium forderte der Behindertenbeauftragte bei Wohnungsum- und neubauten neue Standards für breitere Bäder, Küchen, Flure und Zuwege für Wohnungen. Im Schnitt müssten rollstuhlgerechte Wohnungen sechs bis sieben Quadratmeter größer sein als üblich, um Bewegungsfreiheit in Bädern und Fluren zu gewährleisten, sagte Killewald.

Wohnungswirtschaft warnt vor hohen Kosten

Derzeit gibt es in NRW 350 000 Rollstühle, außerdem wurden in den letzten fünf Jahren rund 450 000 Rollatoren verkauft. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft warnte aber vor zu hohen Kosten beim behindertengerechten Umbau Hundertausender Wohnungen in NRW.

Nach geltendem Recht gibt es einen Bestandsschutz für Wohnungen. Deshalb müssten Wohnungen auch aus Sicht Killewalds nur bei umfassenden Sanierungen des Altbestandes barrierefrei umgebaut werden. Während es bei der Barrierefreiheit für Neuwohnungen relativ streitfrei bleibe, seien zusätzliche Auflagen in einer neuen Landesbauordnung im Wohnungsbestand hoch umstritten.

Nahverkehr Bundesweit fehlen 2,5 Millionen Einheiten

„Ich werde mich aber mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir Missstände beheben“, sagte Killewald. Derzeit werde zu wenig bedacht, dass Menschen, die in preiswerte Wohnungen einziehen, im Alter als Rollstuhlfahrer oft aus den Wohnungen ins Pflegeheim umziehen müssten, weil die alte Wohnung nicht behindertengerecht sei. Als behindert gelten Menschen, die länger als sechs Monate an einer körperlichen Beeinträchtigung leiden. Darunter fallen auch langfristig pflegebedürftige Menschen.

Nach einer Studie der Universität Münster müssten sogar 700 000 Wohnungen altersgerecht umgebaut werden. Die Bundesregierung hatte den Bedarf an zusätzlichen behindertengerechten Wohnungen 2011 bundesweit auf 2,5 Millionen Einheiten geschätzt.