In Nordrhein-Westfalen werden viele Impfstoffe knapp

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Was wir bereits wissen
  • Einzelne Impfstoffe, etwa für Babys, sind knapp.
  • Grund für die Knappheit sei zum einen die aufwändige Herstellung, andererseits Rabattverträge der Krankenkassen
  • Die Impfstoffe sind keineswegs knapp, weil so viele Flüchtlinge geimpft werden müssen.

Hagen.. Einige Impfstoffe sind knapp. Es fehlt derzeit in NRW vor allem an der Sechsfach-Impfung für Säuglinge gegen Kinderlähmung, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis B und Hirnhautentzündung (Haemophilus influenzae Typ B).

„Eine Zeit lang hatten wir gar keinen Impfstoff mehr“, sagte Burkhard Lawrenz, Vorsitzender des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Die erste Spritze bekommen Babys eigentlich im Alter von sechs bis acht Wochen. Diese aufschieben zu müssen ist schlecht, so Lawrenz. Besonders wichtig sei der frühe Schutz gegen Keuchhusten. Zumal es weder den Keuchhustenimpfstoff, noch Präparate gegen Hirnhautentzündung einzeln gebe.

Rabattverträge der Kassen machen Impfstoffe knapp

Lieferengpässe bestehen aktuell laut Paul-Ehrlich-Institut auch bei anderen Impfstoffen: bei Produkten zur Grundimmunisierung von Kindern und Jugendlichen, bei Reiseimpfstoffen gegen Hepatitis A und Typhus und bei Grippeimpfstoffen.

„Die Impfstoffe sind keineswegs knapp, weil so viele Flüchtlinge geimpft werden müssen“, sagt Sebastian Sokolowski von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Grund für die Knappheit sei zum einen die aufwändige Herstellung, erläutert Lawrenz. Es dauere Monate, dafür Bakterien- und Zellkulturen zu züchten. „Wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann braucht es ein halbes Jahr, bis Ersatz produziert ist.“ In der Zwischenzeit könnten andere Hersteller nicht mehr einspringen, so Lawrenz. Denn die Krankenkassen handeln Rabattverträge mit den Produzenten aus. Wer da keinen Zuschlag bekommt, der stellt auch nichts her, so der Kinderarzt. „Deshalb sind keine Reserven mehr da.“ Folglich gebe es auch keine Einzelimpfstoffe mehr, die ein Kombipräparat wie die Sechsfachimpfung ersetzen könnten. „Es ist unwirtschaftlich, sie anzufertigen.“

Bei der Apothekerkammer dagegen beruhigt man: „Es gibt Alternativen“, sagt Sebastian Sokolowski. „Geimpft werden alle.“ Nur eben etwas später.