In Griechenland fehlen Ärzte und Arzneien

Athen..  Vier Monate nach dem Amtsantritt der Links-Rechts-Regierung in Griechenland steht das Gesundheitswesen des Landes vor dem Kollaps. Es fehlt an allem: Ärzten, Pflegern, Medikamenten, sogar an Verbandsmaterial. 4500 Planstellen in den Kliniken sind nicht besetzt.

Weil vielerorts die Medikamente ausgehen, schicken die Ärzte nicht selten Angehörige der Patienten in die nächste Apotheke, damit sie auf eigene Kosten die benötigte Medizin besorgen. In manchen Kliniken müssen die Ärzte sogar Gummihandschuhe selbst besorgen, Pfleger beschaffen Verbandsmaterial auf eigene Kosten, weil das Gesundheitsministerium keine Gelder für Materialanschaffungen mehr bewilligt. Lieferanten sitzen auf Bergen unbezahlter Rechnungen. Ärzte warten seit vier Monaten auf die Bezahlung geleisteter Überstunden.

Mehr Babys sterben

Die Misere des staatlichen Gesundheitswesens trifft vor allem die Mittel- und Unterschicht. Wohlhabende Griechen können sich eine Behandlung in einer der privaten Krankenhäuser leisten und die Medikamente aus eigener Tasche zahlen. Aber für die große Mehrheit sind die Privatkliniken unerschwinglich. Als Folge der Krise hat inzwischen jeder dritte Grieche keine Krankenversicherung mehr. Das hat dramatische Folgen: Weil sich viele unversicherte Frauen keine Schwangerschaftsuntersuchungen mehr leisten können, ist die Säuglingssterblichkeit in den Krisenjahren um 43 Prozent gestiegen.