In Griechenland droht nach der Wahl das Chaos
07.05.2012 | 13:18 Uhr 2012-05-07T13:18:18+0200
Athen. Bis November 2011 regierte die "Nea Demokratia" allein in Griechenland, 44 Prozent holte die Partei bei der letzten Wahl. Am Sonntag schenkten ihr nur noch 13 Prozent der Wähler das Vertrauen. Den anderen etablierten Parteien geht es nicht besser. Gewinner sind Extremisten von links und rechts.
Eine "Nacht des Schreckens" hatte die Sonntagszeitung "Proto Thema" ihren Lesern angekündigt, Griechenland drohe "unregierbar" zu werden. Die düstere Vorahnung sollte sich bewahrheiten. Gebannt verfolgten Millionen Griechen bis in die frühen Morgenstunden vor den Fernsehern den Zusammenbruch ihrer politischen Ordnung. "Ja zur Erneuerung, nein zur Selbstzerstörung" appellierte das Massenblatt "Ta Nea", und die Zeitung "Kathimerini" erinnerte daran, der Wahlsonntag sei ein "Tag der Verantwortung für alle". Doch das beherzigten nicht alle. Auch die Mahnung des Staatspräsidenten Karolos Papoulias, man möge "mit klarem Kopf" zur Wahlurne gehen, bewirkte nichts. Das Land im fünften Jahr der Rezession, 22 Prozent ohne Job, unter den Jugendlichen sogar jeder zweite arbeitslos, die Renten gekürzt, die Einkommen allein im vergangenen Jahr um ein Viertel geschrumpft: wer kann da kühlen Kopf bewahren? Die Griechen haben gewählt - und ein politisches Erdbeben ausgelöst. Jetzt stehen sie vor den Trümmern ihres politischen Systems. Und in den Ruinen beginnt politisches Unkraut zu sprießen.
Einen Vorgeschmack dessen, was auf das Land zukommen könnte, bekamen Journalisten am Sonntagabend bei der Pressekonferenz der neofaschistischen Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte). Die Partei kam auf sieben Prozent und wird mit 21 Abgeordneten im neuen Parlament sitzen. "Aufstehen, der Führer kommt", dröhnte es aus den Lautsprechern, als Nikos Michaloliakos den Saal betrat, der Parteichef. Weil die Journalisten sich nicht von ihren Plätzen erhoben und den Hitlergruß verweigerten, den die Anhänger der Partei ihrem Führer entbieten, wurden sie von schwarzgekleideten Ordnern unsanft aus dem Saal befördert.
Rechtsradikale Parlamentarier zeigen den Hitler-Gruß
Ganz ohne Medien wollte Michaloliakos seinen Sieg aber auch nicht feiern. Deshalb durften einige ausländische Reporter im Saal bleiben. Sie erzählten ihren griechischen Kollegen anschließend, wie es war: "Veni, vidi, vici", erklärte Michaloliakos, ich kam, ich sah, ich siegte - der Führer in der Pose eines römischen Imperators. "Der Kampf geht weiter, innerhalb und außerhalb des Parlaments", rief der Parteichef, "wir kommen!" Ältere Griechen erinnern sich noch aus der Zeit der deutschen Besatzung an den Hitlergruß. Jetzt werden sie ihn wohl im Parlament sehen.
Nichts ist wie es war in Griechenland - und keiner scheint zu wissen, was nun werden soll. In Athen bahnt sich ein politisches Chaos an. In den ersten Hochrechnungen hatte sich noch eine knappe Mehrheit der Mandate für die beiden Traditionsparteien abgezeichnet, Konservative und Sozialisten, die zuletzt den Sparkurs gemeinsam stützten. Aber je mehr Stimmen ausgezählt wurden, desto schneller schmolz diese Mehrheit dahin. Am brutalsten traf die Wut der Wähler die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok), die das Land vom Oktober 2009 bis zum November 2011 allein regierte. Sie verlor mehr als zwei Drittel ihrer Wähler, stürzte von 44 auf 13 Prozent ab. Nicht viel besser erging es der konservativen Nea Dimokratia (ND). Sie ging zwar als stärkste Partei aus der Wahl hervor, aber von Stärke kann man angesichts eines Stimmenanteils von 19 Prozent eigentlich nicht sprechen.
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" Der linke Frühling kommt über Europa." Genau, das erklärt den Dachschaden bei manchem Linken im Forum. Die Bäume schlagen aus.........
17:07
Wenn man Deutschland so am Nasenring ziehen würde, wer weiß was man hier wählen würde... die Griechen bekommen es schon hin
16:55
Lieber Kommentator der WAZ,
es war die PASOK unter Papandreou welche bis 2011 regierte und nicht die Konservativen, bitte berichtigen Sie das in Ihrem Artikel. Danke
16:46
Bei der Wahl waren einige Rattenfänger unterwegs!
Die Staatsschulden nicht zurückzuzahlen ist nur dann eine gute Idee, wenn man sich einigermaßen sicher sein kann, auf Jahrzehnte Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften - denn andernfalls finden sich keine Gläubiger für neue Schulden ...
14:46
Der linke Frühling kommt über Europa ... und zieht ganze Staaten in den Abgrund der Anarchie.
Man sollte es eher den linken Winter nennen.
Die Menschen standen in den Griechenland einige Meter vor dem Abgrund, jetzt sind es nur noch Millimeter.
Gestern standen wir noch ab Abgrund. Heute sind wir, dank Banker und neokonservativer Politik schon einen Schritt weiter...
13:41
Super, hat ja bisher immer sooo toll geklappt...
13:31
Der linke Frühling kommt über Europa.
Angesichts der Neo-Faschisten im griechischen Parlament allerdings ein sehr düsterer Frühling... :-(