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In der AfD bebt es, und NRW ist das Epi-Zentrum

AfD: Es ist unklar, wofür die Partei wirklich programmatisch steht. Die politische Substanz ist dünn.
AfD: Es ist unklar, wofür die Partei wirklich programmatisch steht. Die politische Substanz ist dünn.
Foto: Uwe Zucchi/Archiv

Quo vadis, AfD? Gut zwei Jahre nach ihrer Gründung steht die Partei am Scheideweg. Scharfe Kritik am Euro allein reicht nicht mehr als "Programm".

Die Chaos-Tage, die inzwischen schon Chaos-Wochen sind, gehen weiter bei der AfD. Das Epi-Zentrum des Bebens, das die inzwischen auch nicht mehr so neue Partei durchrüttelt, liegt in NRW. Der Landesverband zerlegt sich munter selbst. Streitereien um Posten und persönliche Animositäten gehen einher mit politischen Richtungskämpfen. Und dies alles im Vorfeld des Bundesparteitags Mitte Juni, bei dem ohnehin neuer Streit zu erwarten ist - denn die Lage in der Bundes-AfD ist aktuell ebenfalls höchst labil. Parteichef Bernd Lucke und die anderen in der Führungsriege haben einen Burgfrieden geschlossen, der nicht lange halten dürfte.

Quo vadis, AfD? Gut zwei Jahre nach ihrer Gründung steht die Partei am Scheideweg. Scharfe Kritik am Euro allein reicht nicht mehr als "Programm". Die von einigen betriebene Annäherung an die Islamgegner von Pegida hat für reichlich internen Streit gesorgt. Deutschnationale Töne wechseln sich ab mit marktliberalen Thesen und mehr oder minder fremdenfeindlichen Tendenzen. Vieles ist unausgegoren, bleibt im Ungefähren. Es ist unklar, wofür die Partei wirklich programmatisch steht. Die politische Substanz ist dünn. Inhaltlich spielt die AfD in der politischen Agenda der Republik jedenfalls keine Rolle. Und ihr Vorsitzender Lucke steht vor allem für sich selbst und seine persönlichen Ambitionen, was ihm längst auch innerparteilich übelgenommen wird.

Die Partei, die den Begriff "Alternative" in ihrem Namen trägt und die als vermeintlicher Gegenentwurf zu den Etablierten angetreten war, ist in erstaunlich kurzer Zeit bei genau dem Gezänk angekommen, für das sie anfangs nur Hohn und Spott gezeigt hatte.

Noch kann die AfD auf ihre Wähler bauen. Die letzten Landtagswahlen in Ostdeutschland wurden für die Partei zum Triumphzug. Bei den Wahlen in Hamburg im Februar, als die AfD erstmals in ein westdeutsches Landesparlament einzog, war die Ausbeute schon magerer. Und auch an diesem Wochenende in Bremen ist der Sprung über die 5-Prozent-Hürde nicht selbstverständlich. Gelingt es Parteichef Lucke und seinem Führungsteam bei dem Bundesparteitag im Juni nicht, einen überzeugenden personellen wie inhaltlichen Neustart hinzulegen, könnte der Siegeszug der AfD schon bald wieder vorbei sein.

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