In Bremen dürfen schon 16-Jährige wählen
20.05.2011 | 23:02 Uhr 2011-05-20T23:02:00+0200
Berlin. Wenn am Sonntag in Bremen die Bürgerschaft neu gewählt wird, dürfen auch 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Auf Landesebene ist das eine Premiere. Wählen mitten in der Pubertät – geht das gut? Fragen und Antworten zum seit Jahren diskutierten Thema.
Schon die Werbung mutet jugendlich an: „Gib mir fünf!“ Geworben wird in Bremen für das neue Wahlrecht mit fünf Stimmen. Der Stimmzettel ist - ein Heft. Neue Seiten schlagen die Bremer am Sonntag zudem mit dem Wahlalter auf: Es wird von 18 auf 16 Jahre abgesenkt. Die jungen Leute dürfen wählen, allerdings nicht selbst gewählt werden.
Auf kommunaler Ebene ist es in fünf Ländern möglich, darunter in NRW. Die grün-rote Koalition in Baden-Württemberg schrieb sich das Projekt auf ihre Fahnen. Auf Landesebene wurde es zuletzt für die Wahl des Berliner Senats verworfen, sodass die Premiere den Bremern zusteht. Dabei wird der Urnengang an der Weser zur Feldstudie, zum Pilotprojekt. Noch in der Pubertät, aber schon wählen? Geht das gut?
Mehr Mitsprache für Jugendliche
Was spricht für das Wahlalter 16? Darauf gibt es zwei Antworten, die des Politikers und die des Wissenschaftlers. Die treibende Kraft sind die Grünen, die in den letzten Jahren mehrere Anläufe unternahmen, das Alter gar für Bundestags- und Europawahlen zu senken. Der Abgeordnete Kai Gehring aus Essen erklärt seine Beweggründe: „Unsere alternde Gesellschaft braucht mehr Mitsprache für Jugendliche“, sagte er unserer Zeitung. Sie seien heute so selbständig, dass „wir ihnen die Wahlentscheidung zutrauen.“ Er gibt zu bedenken, „wählen muss aber mit mehr politischer Bildung einhergehen.“
Wann hat ein Mensch die intellektuelle und soziale Kompetenz, eine politische Wahl einzuschätzen? Die ist nach Ansicht von Klaus Hurrelmann „eindeutig früher als mit 18 Jahren gebeben“, sagte er der Taz. In der Schule und durch die Medien würden junge Leute früher mit Themen des politischen Lebens konfrontiert. Die Geschlechtsreife, also die Pubertät, sei im Laufe der Zeit vorverlagert worden. Von 1900 bis heute sei sie um drei Jahre nach vorne gewandert. Nach seinen Worten hört die Kindheit nicht schon mit 15 oder 16 auf, sondern mit zwölf, dreizehn.
Erst mit 18 ist man uneingeschränkt geschäftsfähig
Was spricht gegen ein früheres Wahlrecht? Die Rechtspolitiker in der Union, FDP und SPD haben bei den Debatten im Bundestag stets mit der Volljährigkeit argumentiert. Mit 18 wird man völljährig, mit allen Rechten und Pflichten, ist erst dann auch uneingeschränkt geschäftsfähig.
Was hat die Bremer motiviert? Beschlossen wurde es im Oktober 2009, und damals begründete man es gerade mit dem Signalcharakter. Erstens, Jugendliche sollten nicht nur als „Problempotenzial“ angesehen werden. Zweitens erhofft man sich eine erhöhte Identifikation mit dem demokratischen System. Außerdem betreffen wichtige Fragen - Klimawandel, demografische Entwicklung, Schulpolitik - junge Leute besonders. Bei Bremen sollte man unbedingt noch die Verschuldung hinzufügen: Wer bezahlt die Schulden? Eben.
Die Wahl als pädagogisches Projekt?
Eine Wahl als pädagogisches Projekt? Das Wahlrecht erfordert politische Bildung, es ersetzt sie nicht, erwidern die Skeptiker. „Wer Wahlen als Aufputschmittel für Jugendliche betrachtet, verwechselt sie mit Coca Cola“, schrieb mal ein Wissenschaftler 1996; ein Bonmot, was noch heute in Debatten zum Besten gegeben wird.
Wie groß ist der Einfluss der Erstwähler? Eher gering, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Im Stadtstadt geht es um 10.000 Erstwähler. Aus Umfragen weiß man, dass eine knappe Mehrheit der 16- und 17-Jährigen nicht wählen will. Bei einer simulierten Wahl unter 127.000 Kindern und Jugendlichen blieben extreme Parteien übrigens erfolglos, berichtet Wolfgang Gründiger von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen. Grüne, SPD und CDU bekamen je 20 Prozent, die Linke zehn, die Piratenpartei neun, die FDP acht Prozent.

19:22
Ich plädiere dafür das Wahlalter auf 12 Jahre runterzusetzen und auf 25 Jahre zu begrenzen. Dann haben die Grünen dank der mit Lebenserfahrung ihrer von Lehren indoktrinierten Klientel endlich eine Zweidrittelmehrheit und können den Morgenthauplan durchsetzen.
17:39
Für die überwiegende Mehrheit der rechtschaffenden Jugendlichen ist es eine Zumutung, ihnen das Wahlrecht vorenthalten zu wollen, weil sie für eine Straftat, die sie nicht begehen, nach Jugendstrafrecht verurteilt würden.
15:50
Ist doch passend. Viele unserer Politiker reden doch wie 16-Jährige und wenn man sich die Gesetze ansieht ! Da von der Kommunalpolitik bis in die Bundespolitik nichts mehr ohne Beratungsfirmen und Gutachter entschieden wird, können Jugendliche auch politische Ämter übernehmen. Das würde keiner merken. Wetten ?
13:40
Fakt ist doch, dass die 16- und 17-Jährigen von den Entscheidungen ihrer Politiker ebenso betroffen sind wie jeder andere auch. Also sollen sie auch wählen. Außerdem fühlen sie sich evtl. mehr ernst genommen. Was das Wahlrecht mit der Strafmündigkeit zu tun haben soll, wie hier einige schreiben, ist mir schleierhaft. Zudem gebe ich #11 recht, es wird sich immer über den Politikverdruss der Jugendlichen beschwert. Wie sollen sie sich denn beteiligen und ein gesundes Interesse aufbauen, wenn sie nur ohnmächtig zusehen dürfen?
12:06
Eben, ich möchte auch nicht die Jugend allgemein über einen Kamm scheren, es gibt auch die jugendlichen, die bedeutend mehr Ahnung von Politik haben, wie so mach 50 Jähriger..
Nur die breite Masse ist eben so nicht und Politik im kleinen wäre schon nicht schlecht, ist aber selten vorhanden.
11:54
Die 16 jährigen sind nur mit sich selbst beschäftigt- eine natürlich Entwicklung. Die Gefahr wäre eine NPD Veranstaltung, pardon event :) und die Nazis werden gewählt, weil das shick ist oder aus Protest.
Der Sinn für Recht und Gerechtigkeit hat mit Erfahrung zu tun und die Teenis sind noch unreif um diese zu beurteilen.
11:15
Erst beschweren sich alle, dass die Jugend sich nicht mehr für Politik interessiert, und dann ermöglicht man ihnen zu wählen, und dann ist das auch falsch! Und warum sollten die Jugendliche nicht wählen, wenn viele 70-jährige das dürfen, und dann nur die Parteien wählen, die keine Ahnung haben (z.B.Rentnerpartei)
11:06
Halte davon auch nicht, in diesem Alter ist man noch so manipulirbar und diese ganzen extremen Parteien, die nicht s als Augenwischerei (bsp links partei) betreiben können, sprechen genau solches Klientel an. Die Folgen stell ich mir lieber nicht vor.
Und wie bereits erwähnt wurde, mittlerweile dürfen sie sämtliche sachen immer früher, aber die volle Kraft des gesetzes, die trifft sie erst ab 21, weil sie ja noch Welepnschutz geniesen, dank unserer Regeln.. So ein Quatsch, ich würde sogar fordern, wählen erst ab 21, erst ab dem Zeitpunkt wo man wirklich voll Straffällig und erwachsen ist... Die meisten haben zu diesem Zeitpunkt dann jedenfalls eine größere Reife als mit 16....
10:34
3 jährige können auch schon wählen...welche Bonbons sie haben möchten,also haben die auch schon Wahlrecht (Ironie aus)
09:51
Ich halte davon garnichts! Wenn ich sehe,wie die Erwachsenen merkwürdig wählen, sollte man das Wahlrecht dem Rentenalter anpassen, also Wahlrecht erst ab 69, und die Kinder vor dem Sündenpfuhl Wahlen schützen, ggg