Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Justiz

Immer mehr Bürger rebellieren gegen ihre Stadt

19.12.2010 | 11:35 Uhr

Düsseldorf.Die Klagen vor den Verwaltungsgerichten in NRW nehmen zu. Die Bürger wehren sich gegen die C0-Pipeline am Niederrhein oder die Oberbürgermeisterwahl in Dortmund. Das passt zum Zeitgeist der Protestbewegungen.

Immer mehr wichtige Entscheidungen der Lokalpolitik landen bei der Justiz. „Es gibt das Phänomen, dass vermehrt kommunalpolitisch bedeutsame Verfahren zu Gericht gebracht werden“, erklärte Richter Gerd-Ulrich Kapteina vom Verwaltungsgericht Düsseldorf.

Auffallend viele Bürger suchten bei Konflikten mit der eigenen Stadt Rechtsschutz. Dabei gehe es um Streitfälle wie Sicherheitsbedenken gegen die Kohlenmonoxid-Leitung am Niederrhein, um Lärmschutz am Flughafen Essen-Mülheim, um die ungeliebte Nachbarschaft zum Golfplatz in Willich oder auch um umstrittene Baumfällungen in Emmerich.

Es wird in der Richterschaft offen darüber spekuliert, ob die erhöhte Klagebereitschaft Zufall oder der Zeitgeist von Protestbewegungen wie beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist. „Wir haben den Eindruck, dass das eine Entwicklung mit zunehmender Tendenz ist“, so Kapteina. Der Düsseldorfer Verwaltungsgerichtspräsident Andreas Heusch sieht die Richter zunehmend „in einer Mittlerrolle“ zwischen Bürgerinitiativen und verschiedenen Institutionen. Manche Urteile läsen sich heute wie „rechtliche Gebrauchsanweisungen“, sagte Kapteina.

Belastung der Gerichte auf Rekordniveau

Auch in anderen Gerichtsbezirken sorgten immer wieder kommunalpolitisch brisante Klagen für Aufsehen. So musste das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen im März den Einspruch eines Dortmunder Bürgers gegen die Wiederholung der Oberbürgermeister-Wahl abweisen. Das Oberverwaltungsgericht Münster steht in der Frage des Bebauungsplans für das um­strittene neue Kohlekraftwerk in Datteln sogar seit Monaten im Blickpunkt der gesamten Landespolitik.

Die Belastung der Verwaltungsgerichte bewegt sich weiter auf Rekordniveau. Allein im Bezirk Düsseldorf verzeichnete man im abgelaufenen Jahr 9326 Klageeingänge, – über 50 Prozent mehr als 2007. Experten gehen davon aus, dass nicht allein die heutige Organisationsfähigkeit der Bürger außerhalb der politischen Entscheidungswege zur erhöhten Klagebereitschaft ge­führt hat. Der gesetzliche Rahmen sei zudem durch das EU-Recht so komplex geworden, dass Entscheidungen der Kommunen naturgemäß fehleranfälliger seien.

Tobias Blasius

Facebook
 
Kommentare
20.12.2010
07:10
Blockierter Kommentar.
von dgfdfdgfgd | #48

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.12.2010
22:04
Blockierter Kommentar.
von BerndBrums | #47

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.12.2010
21:39
Bürger klagen gegen ihre Stadt
von CaptainWillard | #46

Wird ein Kommunalpolitiker in einer Talkshow gefragt: Was ist ihr Lieblingsgericht?

Antwort: Keines - bisher haben ALLE meine Entscheidungen gekippt.

Tätä - tätä - tätä!

(Gilt auch für Landes-/Bundespollipack)

19.12.2010
20:30
Bürger klagen gegen ihre Stadt
von jokomo | #45

Wartet mal wieviel Klagen auf die Justiz zukommt
wenn die Dichtigkeitsprüfung der Abwasser-
rohre bis 2015 zum tragen kommt durch die Hun-derttausende Eigenheimbesitzer nach EU-Gesetz
in die private Insolvenz getrieben werden.

19.12.2010
18:45
Bürger klagen gegen ihre Stadt
von combo59 | #44

Im En/Kreis werden heimlich vier neue intekommunale Gewerbegebiete geplant, Gesamtfläche 1 Mionen Quadratmeter. Entstehen sollen Sie in Wetter, in Gevelsberg, in Schwelm und in Witten. Die Planungen laufen seit Anfang 2009. Genau diese vier Städte haben in den neuen Haushalten Ihren Gewerbesteuersatz auf jeweils 490 Punkte angeglichen!
Es sollte so Ablaufen!
Der Regionalverband Ruhr (RVR) ist in diesem Bereich seit Kurzem nicht nur Kommunaler Zweckverband, sondern hat auch Regionalplanungshoheit.
Die Zuständigkeit für den ehemals Gebietsentwicklungsplan (GEP) genannten Regionalplan, der bei Neuausweisungen großer Gewerbegebiete erst geändert werden muß, übernahm er Ende 2009 vom Regierungsbezirk Arnsberg.
Unter Federführung des Ennepe-Ruhr-Kreises und des RVR als Regionalplanungsbehörde, wurde deshalb ein Suchprozess eingeleitet, durch den mögliche Standorte für 2-4 (es werden 4) interkommunale Gewerbegebiete im Kreisgebiet identifiziert werden sollen!
In der nächsten Zeit wahrscheinlich Anfang 2011, soll der Kreistag des Ennepe-Ruhr-Kreises das Konzept beraten, und die getroffene Flächenauswahl beschließen, eventuell als Prioritätenliste.
Danach dürfen sich auch die Räte der kreisangehörigen Gemeinden und die breite Öffentlichkeit damit beschäftigen.
Alles heimlich, still, und leise.
In Wetter war eine Fläche von 150 000 Quadratmeter zur Umwandlung von Naherholung (Landschaftsschutzgebiet) zum Gewerbegebiet seit 2008 geplant. Seit dem gab es Proteste. 2009 dann plötzlich änderte man erst die höchstumstrittene Zufahrt zu diesm Gebiet, dann nahm man die Planungen aus dem Haushalt, anschließend schenkte man uns dort ein Denkmal! Ca 250 Mtr. Eisenbahntrasse der ehemaligen Friedrich Harkortschen Eisenbahn.
Man wiegte uns in Sicherheit, während man schon lange über den neuen Planungen saß!
Aufgedeckt und akribisch beobachtet wurden die Pläne durch die Ig.Stork die dass alles auf Ihrer Seite veröffentlicht hat. Die reine Verhonepipelung der Bürger durch den Kreis, den KVR und den Verwaltungsspitzen der Städte.
Da muß sich doch wirklich keiner mehr Wundern dass die Bürger immer mehr Rebellieren.
Kommplett nachzulesen und weitere Infos hierzu findet man auf der Seite der IG Stork.
www.stork-retten.de

19.12.2010
18:35
Bürger klagen gegen ihre Stadt
von Erbeck | #43

zu # 3 :

Sieg gegen Straßenverkehrsamt ist echt ein Erfolg und nur sehr schwer zu erlangen oder war der Fall so eindeutig ?

19.12.2010
17:56
Blockierter Kommentar.
von Goetz von Berlichingen | #42

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.12.2010
17:14
Bürger klagen gegen ihre Stadt
von rubber | #41

Man kann sich gar nicht oft genug wehren, die Städte machen sonst noch mehr was sie wollen, ohne Rechtsgrundlage!!!

19.12.2010
15:27
Blockierter Kommentar.
von Übernahme einer Gebietsherrschaft nach L Ron Hubbard | #40

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.12.2010
15:18
Blockierter Kommentar.
von froese2907 | #39

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4073328/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
Ramsauer will Punktesystem in Flensburg noch verschärfen
Verkehr
Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt oder andere durch zu nahes Auffahren nötigt, soll im neuen Verkehrssünder-System mit drei Punkten in Flensburg bestraft werden. Das plant Bundesverkehrsminister Ramsauer. Er will die Reform der Verkehrssünder-Datei nach Bürgerbefragungen verschärfen.
Iran will ein zweites Atomkraftwerk bauen
Kernkraft
Der Iran will ein neues Atomkraftwerk bauen. Mit dem Bau soll nach Medienberichten möglicherweise in einem oder zwei Jahren begonnen werden. Der Westen verdächtigt den Iran, den Bau von Atomwaffen anzustreben. Das Land weist die Vorwürfe zurück.