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Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet

20.12.2012 | 20:37 Uhr
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
Kinder sind von Armut besonders betroffen - und jeder sechste in Deutschland läuft Gefahr, eines Tages zu verarmen.Foto: dapd

An Rhein und Ruhr. Das Ruhrgebiet und Berlin sind die von Armut am schlimmsten betroffenen Regionen Deutschlands. Dies ergibt sich aus dem „Bericht zur regionalen Armutsentwicklung“, den der Paritätische Wohlfahrtsverband gestern zum dritten Mal vorgelegt hat. „In Nordrhein-Westfalen hat sich der negative Trend nicht nur fortgesetzt, sondern dramatisch verschlechtert“, sagte dazu Verbandschef Ulrich Schneider. Die bisherigen Armutsberichte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes umfassen den Zeitraum seit 2005 und beruhen auf den Daten des Mikrozensus, in dem Angaben von rund 390.000 Haushalten mit etwa 830.000 Personen verarbeitet sind.

Bundesweit hat demnach die Armutsgefährdungsquote 2011 erstmals im Erfassungszeitraum die Marke von 15 Prozent überschritten und damit den höchsten Stand seit der deutschen Einheit erreicht. Als „armutsgefährdet“ gelten Haushalte, die über weniger als 60 Prozent des gemittelten Einkommens verfügen. In NRW ist die Quote zwischen 2010 und 2011 von 15,4 auf 16,6 Prozent hochgeschnellt. Im Landesdurchschnitt ist seit 2006 eine Zunahme um 19 Prozent zu verzeichnen.

Armutsgefährdungsquote steigt im Ruhrgebiet auf 18,9 Prozent

Krise
Jeder Sechste ist von Armut gefährdet - auch im Ruhrgebiet

Seit der Wiedervereinigung waren noch nie so viele Menschen in Deutschland von Armut bedroht wie heute. Zu diesem Ergebnis kommt der Paritätische Wohlfahrtsverband - und fordert sofortige Gegenmaßnahmen wie einen gesetzlichen Mindestlohn. Das Ruhrgebiet gilt als besonders problematische Region.

Erstmals haben die Berichterstatter auch eigene Werte für das Ruhrgebiet erhoben. Demnach stieg hier die Armutsgefährdungsquote seit 2010 innerhalb eines Jahres von 17,4 auf 18,9 Prozent und lag damit noch deutlich höher über dem bundesweiten Wert als im NRW-Durchschnitt. In der mehrjährigen Betrachtung zeigt sich in einzelnen Ruhrgebietsstädten eine kaum zu überbietende Dramatik. So stieg seit 2005 die Armutsgefährdungsquote in Dortmund um 30 Prozent, in Duisburg um 45 Prozent, in Essen um 57 Prozent.

„Kommunal kommt das einem armutspolitischen Erdrutsch gleich“, sagte Schneider. Er wies darauf hin, dass jeder zehnte Bundesbürger entweder im Ruhrgebiet oder in Berlin lebt. Das Ruhrgebiet sei der fünftgrößte Ballungsraum Europas: „Da ballt sich die Armut.“

Als besorgniserregend bewertete Schneider, dass die Armutsquote, nachdem sie sich seit 2005 hinweg bei rund 14,5% eingependelt zu haben schien, 2011 erstmals um 4% angestiegen sei. Er führte dies auf Sparbeschlüsse zurück, die die Bundesregierung 2010 gefasst hatte, darunter die Streichung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger, die Abschaffung der Energiekosten-Komponente im Wohngeld, die Kürzung der öffentlichen Beschäftigungsförderung.

Wilfried Dolderer



Kommentare
28.12.2012
03:53
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von derNordler | #103

Oberhausen hat 11000 Menschen (5% der Bevölkerung) die nicht schreiben und lesen können! Noch Fragen zur Armut? Denen werden durch Unwissentheit in ihrem Leben einen dreistelligen Millionenbetrag von € vorenthalten! Armut entsteht durch fehlende Bildung! Bildung und Schulentwicklung wird in den Kommunen entwickelt. Ein Armutsbericht ändert nichts daran.

23.12.2012
11:24
Nicht noch mehr Umverteilung - neue Jobs
von PeterPeters | #102

Das Problem ist nicht eine fehlende Umverteilung (in keinem anderen Land wird so viel von oben nach unten umverteilt wie in D), das Problem ist der verpennte Strukturwandel.

Berlin hat es sich als Insel im Sozialismus schön wohl gefühlt und wurde von den anderen Ländern durchgefüttert.

NRW hat stumpf an der Kohle festgehalten.

Schade, Bayern hat den Wandel von Agrar zu Higtech ja geschafft. Nur bei uns wird an alter Industrie festgehalten.

22.12.2012
18:13
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von Schuecke.N | #101

Die Revolution ging schon mal von Frankreich aus, und griff auf ganz Europa über, in naher Zukunft, ohne gravierende positive Änderungen für die normal Sterblichen wird es wieder so sein!

Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten.
Vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.

Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten.
Dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.
Carl Theodor Körner

22.12.2012
17:26
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von wkah | #100

Man kann es drehen und wenden wie man will:
man kann Arbeitslose als faul bezeichnen - auch wenn es nicht stimmt
man kann Arbeitslose als unqualifiziert bezeichnen - auch wenn es nicht stimmt
usw.
Am eigentlichen Problem ändert es nichts. Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre setzte die sogenannte Automation so richtig ein. Und mit welchen wohlwollenden Worten wurde uns das schmackhaft gemacht
"In der Zukunft werden die Menschen mehr Zeit haben, die Menschen werden weniger arbeiten müssen" usw.

Jetzt haben wir diese Zukunft erreicht - und was passiert.............

1 Antwort
wkah | #100
von wohlzufrieden | #100-1

Vielleicht meinte Kohl ja die Massenarbeitslosigkeit mit dem "kollektiven Freizeitpark..."

22.12.2012
17:23
Zeit für die Zeitenwende
von wohlzufrieden | #99

Seit Kohl 1982 die Regierung übernahm, ging es mit Löhnen, sowie mit den Arbeitnehmerrechten in den Keller. Dieser Trend wurde von Schröder fortgesetzt. Die Vermögenssteuer wurde erlassen, und den Reichen Steuergeschenke in Millionenhöhe gemacht, die Bankenwelt dereguliert, und Steuerflüchtlingen ein paradiesisches Leben garantiert. In jedem Armutsbericht steht, das die soziale Schere immer weiter auseinander klafft. Das hängt damit zusammen, das die Löhne immer weiter sinken, die Hartz IV Regelsätze auf einem Menschenunwürdigen Niveau liegen, gleichzeitig aber die Energiepreise in Schwindelerregende Höhe treiben, weil die Energiewirtschaft privatisiert ist, und die fetten Gewinne nicht zu einem gewissen Teil für die Modernisierung der Netze zurücklegte, sondern den Aktionären in den Hals warf. Und da von SPD/CDU keine Besserung zu erwarten ist, kommt es darauf an, die Linke so stark wie möglich zu machen. Sie ist der einzige Garant für soziale Gerechtigkeit und Wohlstand für alle.

1 Antwort
.
von AuroraBorealis | #99-1

Gut und inhaltlich richtig argumentiert.

22.12.2012
17:22
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von Murphy07 | #98

Laut FDP haben wir doch keine Armut in Deutschland. Dafür hat der unfähige Rössler doch extra einen gefälschten Bericht verfassen lassen. Diese FDP sollte man sofort aus der Regierung und dem Land jagen. In allen Altersklassen ihr im Land herrscht Armut und unsere Kanzlerin widerspricht nicht ihren Unfähigen!
nimmt die überhaupt wahr, wer Alles auf vieles verzichten muß?ß

Wie war das mit der spätrömischen Dekadenz ? Brecht... Erst kommt das Fressen und dann die Moral...."

22.12.2012
16:07
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von wohlzufrieden | #97

Allerhöchste Zeit für das bedingungslose Grundeinkommen.

22.12.2012
15:39
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von melr | #96

Egal wie sehr sich bestimmte Gruppen darüber aufregen und in den Kommentaren die Polemikkeule herausholen - es wird sich nichts ändern. Ohne eigene Leistung kein Aufstieg in die finanziell bessergestellten Gruppen.

Und das ist auch gut so, denn "wollen" und "können" sind oft zwei gegensätzliche Dinge. Wer glaubt, die Politik müsse nur wollen um zu können, wird auch in der Zukunft bitter enttäuscht werden.

Wer möchte, kann sich den gleichen Vorgang bei den Griechen anschauen. Nach jahrelanger Selbstbedienung und verfrühten Renteneintritten, ist das Land eigentlich pleite. Unserer Politik wird also nicht wie gefordert "können", will sie nicht wie Griechenland irgendwann vor den Staatsschulden kapitulieren.

@ AuroaBorealis: Dass diese Beschäftigungstherapien für Unwillige nichts bringen, ist allerdings auch bekannt. Es gibt aber auch durchaus sinnvolle Maßnahmen. Nur um die muss man sich kümmern, anstatt auf die Aufforderung vom Amt für das Standardzeugs zu warten.

1 Antwort
@ melr | #96
von AuroraBorealis | #96-1

Zitat: "Wer möchte, kann sich den gleichen Vorgang bei den Griechen anschauen."
ja, schauen wir uns Griechenland an. Schon ein kurzer Blick zeigt, woran dieses Land krankt. Die reichen und superreichen Griechen zahlen keine Steuern. Sie haben z. B. u. a. ihren Wohnsitz auf eine ihrer Superyachten, die vor Griechenlands Küsten dahin dümpeln, verlegt. Bevor es "eng" wurde in Griechenland haben diese ihre Vermögen schnell rüber in die Schweiz transferiert. DAS ist der Knackpunkt und nicht ein paar verfrühte Renteneintritte.

Schwarzgeld
Griechen sollen 261 Milliarden Dollar ins Ausland geschafft haben
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schwarzgeld-griechen-sollen-milliarden-ins-ausland-geschafft-haben-a-853425.html

"Es gibt aber auch durchaus sinnvolle Maßnahmen."
Maßnahmen, die man für sich als sinnvoll betrachtet werden leider kaum genehmigt.
Als Arbeitsloser ist man beim Amt den Arbeitsmarkt-UN(!)kenntnissen von z. B. Ex-T-Com-Mitarbeitern und 25-jährigen ausgeliefert.
Ist so!

22.12.2012
14:59
@ MKTFranke | #89
von AuroraBorealis | #95

„Deutschland ist zwar relativ reich, seine Bürger aber auch maßlos verwöhnt.“
Sie haben zwischen „seine“ und „Bürger“ das Wort „reichen“ vergessen.

„Was erwartet man denn nun in den unteren Sozialschichten?“
Sie haben offenkundig versehentlich das Teilwort „Sozial“ mit dem Teilwort „Finanz“ verwechselt.

„Hemmungsloses staatliches Schuldenmachen, um Geringverdienern und Arbeitslosen ein schönes bequemes Leben zu gönnen?“
Statt „Geringverdiener und Arbeitslose“ können Sie nur meinen „Steuerhinterzieher und Arbeitgeber“.

“Wenn mehr Unterstützung der deutschen Armutsgefährdeten wenigstens Hilfe zur Selbsthilfe wäre.“
Darüber braucht man nicht sinnieren. „Mehr Unterstützung“ gibt es nicht, sondern noch weniger.
„Aber es würde bei den meisten nur auf besagte soziale Hängematte hinauslaufen.“ Damit können Sie nur die nutznießenden Schmarotzer der Arbeitslosenindustrie, wie z. B. Maßnahmebetreiber, meinen.

“Es geht nicht anders.“
Doch, es geht anders. Politik muß das nur wirklich wollen!

1 Antwort
Im Ruhrgebiet ballt sich die Armut - jeder Sechste ist gefährdet
von wohlzufrieden | #95-1

Seht guter Kommentar!

22.12.2012
14:57
Fallstricke in einer Gerechtigsdebatte
von PressefreiheitistVerantwortung | #94

Gerechtigkeitsdebatten sind hochproblematisch - der/die Argumentierende versteht unter Gerechtigkeit zumeist, dass niemand anders "bessergestellt" sein darf als man selbst. Dem liegt psychologisch gesehen der Schutz des Selbstbildes zugrunde. Müsse man vor sich selbst einräumen, dass entweder das eigene Leistungsvermögen oder aber selbst getroffene Entscheidungen TEIL der eigenen (unbefriedigenden) Situation sind, ein Umstand, der für viele unerträglich / inakzeptabel erscheint. Der generelle Ansatz, "Schuld" auf andere projezieren, bietet sich da als Ausweg nicht nur an, er drängt sich förmlich auf: Es gibt ja tatsächlich gesellschaftliche Umstände, die es erschweren bis unmöglich machen, selbst gesteckte Ziele zu verwirklichen. Darüber ist unten ausreichend mehr oder weniger sachlich debattiert worden. Mein Beitrag hier ist also als Denkanstoß zu einer vermehrt rationalen Beschäftigung mit der Problematik zu sehen - nicht als pauschaler Lösungsansatz.

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