Hollande gibt sich in der Stunde des Terrors kaltblütig

Francois Hollande gibt den Franzosen Rückhalt.
Francois Hollande gibt den Franzosen Rückhalt.
Foto: dpa
Francois Hollande ist umstritten. Doch jetzt gibt seine entschlossene Kaltblütigkeit den traumatisierten Landsleuten Rückhalt.

Paris.. Frankreichs Staatspräsident ist ein Mann mit zwei Gesichtern. François Hollande, der die eigenen Landsleute und die europäischen Partner Frankreichs mit seiner ­halbherzigen Reformpolitik bei­nahe zur Verzweiflung treibt, legt in Krisensituationen eine verblüffende Entschlossenheit, ja Kaltblütigkeit an den Tag.

Das war so, als islamistische Rebellen zum Sturm auf Malis Hauptstadt Bamako ansetzten und er über Nacht einen Alleingang französischer Interventionstruppen anordnete. Und das ist in diesen Tagen so, in denen er seinem durch den blu­tigen Terroranschlag in Paris ­traumatisierten Land Rückhalt zu geben versucht.

Die Schockwelle, die das Massaker in den Redaktionsräumen der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ausgeht, hat Hollande keinen ­Augenblick lang unterschätzt. Schon deshalb kam es ihm gar nicht in den Sinn, den Ernst der Be­drohungslage beschönigen.

Aber er wusste zugleich den Eindruck zu vermitteln, dass der Staat sie zu meistern vermag und dass er persönlich die Ruhe und Besonnenheit bewahrt. Sofort ordnete er die höchste Stufe des Terroralarms an und machte deutlich, dass alles ­getan werde, um die Attentäter so rasch wie möglich unschädlich zu machen. Dass die Ermittler die flüchtigen Mörder sehr rasch iden­tifizieren konnten, erhöhte in diesem Fall natürlich die Glaubwürdigkeit des Präsidenten.

Front gegen den Terror

Vor allem aber traf Hollande von Anfang an den richtigen Ton. Nur 40 Minuten nach dem Anschlag traf er am Ort des Geschehens ein. Mitfühlend, die eigene Erschütterung nicht verbergend zeigte er sich, als er dort die feige ermordeten Opfer als Helden der freien Meinungs­äußerung würdigte.

Staatsmännisch trat er auf bei seiner ab­geklärten Fernsehansprache am Abend, in der die Werte der ­Republik beschwor, die Franzosen zur Geschlossenheit aufrief und ihnen versicherte, die Freiheit werde immer stärker sein als die Barbarei.

François Hollande ist immer ein Politiker des Ausgleichs gewesen. Als Präsident freilich trug ihm seine tastende, konsensbetonte Innenpolitik den Ruf eines Zauderers ein und beschleunigte seinen Popu­laritätsverlust.

Im Ausnahmezustand dieser Tage dagegen entstand ein ganz anderes Bild: Durchaus glaubhaft verkörpert Hollande im Augenblick die Standhaftigkeit und die Einheit der Nation – durch sein bestimmtes Auftreten ebenso wie in seinem ­Bemühen, die Repräsentanten aller Religionsgemeinschaften und ­sämtlicher politischen Parteien in die Front gegen den Terror einzubinden.

Es ist die Stunde des Präsidenten.

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