Hochexplosive Stimmung im Jemen nach Rücktritt des Präsidenten

Sanaa..  Nach dem Rückzug der kompletten politischen Führung im Jemen droht dem Land ein gefährliches Machtvakuum. Am Freitag gingen in verschiedenen Städten und Regionen zahlreiche Menschen aus Protest gegen die Huthi-Rebellen auf die Straßen. Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung hatten am Donnerstag ihren Rücktritt bekanntgegeben, nachdem die schiitischen Aufständischen in der Hauptstadt Sanaa den Präsidentenpalast und Wohnsitz des Staatschefs belagert hatten.

Das Parlament will laut Nachrichtenagentur Saba am Sonntag bei einer Krisensitzung über die Situation beraten. Das zunächst auch von den schiitischen Rebellen gebilligte Kabinett war erst im vergangenen November vereidigt worden und sollte einen Versöhnungsprozess im Land einleiten.

Die Huthi-Rebellen, die seit September Sanaa und andere Landesteile kontrollieren, wollen sich im Jemen dauerhaft mehr Einfluss sichern. Der Stamm aus dem Norden fühlte sich seit Jahren benachteiligt. Die Aufständischen favorisieren eine Nord-Süd-Teilung des Landes, wie es sie vor 1990 gab. Präsident Hadi wollte hingegen einen Föderalstaat mit sechs Regionen.

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte vor einer humanitäre Katastrophe. „Wenn nicht bald etwas gegen die aktuelle Krise im Jemen unternommen wird, droht aus dieser gefährlichen Situation eine tödliche zu werden“, erklärte Oxfam und wies darauf hin, dass in dem Land mit 26 Millionen Einwohnern mehr als die Hälfte der Menschen auf Hilfe angewiesen seien. Etwa zehn Millionen haben den Angaben nach noch nicht einmal genügend zum Essen, rund 850 000 Kinder seien akut unterernährt. Millionen hätten ferner keinen Zugang zu sauberem Wasser oder einfacher Gesundheitsversorgung.

In der Hauptstadt Sanaa, den Provinzen Tais und Hodeida kamen nach dem Freitagsgebet zahlreiche Menschen zusammen, um gegen den „Putsch“ der schiitischen Aufständischen zu demonstrieren. Die Proteste verliefen zunächst friedlich. Die Gouverneure der Provinzen im Süden des Landes hatten zuvor mitgeteilt, sie wollten mit sofortiger Wirkung keine Befehle der Militärführung aus Sanaa mehr befolgen.

Steinmeier ermahnt Rebellen

Das US-Außenministerium kündigte aus Sicherheitsgründen den Abzug eines Teils des Botschaftspersonals aus Sanaa an. Dennoch arbeite die diplomatische Vertretung weiter, zitierte der Sender CNN einen Sprecher des State Department.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die Huthis auf, die Gewalt einzustellen. „Die Verantwortung tragen jene, die in den letzten Wochen immer wieder versucht haben, mit Gewalt ihre politischen Forderungen durchzusetzen“, erklärte er nach Angaben einer Sprecherin.