Hisbollah und Israel beschießen sich wieder

Jerusalem..  Bei den schwersten Gefechten an Israels Grenze zum Libanon seit fast einem Jahrzehnt sind gestern drei Menschen getötet worden. Ein spanischer Blauhelm-Soldat starb bei israelischen Angriffen auf den Südlibanon. Israels Armee reagierte mit dem Beschuss auf den Tod zweier Soldaten. Ihr Fahrzeug wurde von einer Panzerabwehrrakete der Hisbollah-Miliz getroffen. Sieben Soldaten erlitten Verletzungen. Die schiitischen Extremisten wollten mit dem Angriff den Tod ihres Kommandanten Dschihad Mughnie rächen. Vor gut einer Woche hatte ein Kommando der israelischen Luftwaffe Mughnieh und fünf weitere Hisbollah-Kämpfer gezielt getötet. Bei dem Luftangriff bei Kuneitra starben außerdem Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden.

Mitglieder der israelischen Regierung und Opposition forderten einen harten Gegenschlag. Trotzdem haben derzeit weder Israel noch die Hisbollah ein Interesse an weiteren Eskalationen. Die schiitischen Extremisten kämpfen in Syrien an der Seite von Präsident Baschar al-Assads Truppen gegen die Rebellen. Das Letzte, was die Kämpfer jetzt brauchen, ist eine zweite Front. Für Israels Armee kam der Angriff aus dem Libanon überraschend. Zwar rechnete man mit einer Racheaktion, nicht jedoch an der libanesisch-israelischen Grenze, wo ein Schlagabtausch erfahrungsgemäß rasch in einen Krieg eskalieren kann.

Erhöhte Alarmbereitschaftim Norden des Landes

Auch der Berg Hermon auf der israelischen Seite des Golan geriet gestern unter Raketenbeschuss. Die Bewohner der Kibutzim im Norden Israels und in der Stadt Kirjat Schmona wurden von den Alarmsirenen geweckt. An beiden Fronten reagierte die israelische Armee mit Artilleriefeuer. Die „rund 20 Panzersalven“ hätten auf syrischer Seite kaum Schaden angerichtet, schreibt der Militäranalyst von Yediot Achronot, Ron Ben-Ischai. Schon jetzt lägen die Kosten für die im Norden ausgerufene erhöhte Alarmstufe und der Einsatz der Luftwaffe bei „Hunderttausenden Dollar“, berichtet das Blatt. Dazu kommen Geschäftseinbußen im Tourismussektor, der momentan Hochsaison hat.

An der Grenze zum Libanon blieben mehrere Straßen gesperrt, Anwohner waren aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Aus Sorge vor einer Ausweitung der Eskalation flohen zahlreiche libanesische Familien aus dem Südlibanon gen Norden. Der Hisbollah-nahe TV-Sender Al-Manar berichtete über den gelungenen Angriff und „viele Verletzte in den Reihen des Feindes“. Der israelische Hörfunk bewertete die „übertriebene Siegesbotschaft“ der Hisbollah als ein Signal, dass sie damit ihre Mission der Vergeltung für Mughnieh und seine Kameraden als erledigt betrachte. Der Analyst Ben-Ischai vermutet hingegen, dass „dies nur ein erster Schlag“ war.

Fast neun Jahre liegt der letzte Libanonkrieg zurück. Die israelische Bodenoffensive hatte im Sommer 2006 die Befreiung zweier in Geiselhaft gefallener Soldaten zum Ziel, die beide, wie sich später herausstellte, schon während des Überfalls der Hisbollah auf ihre Patrouille gestorben waren. Der Krieg forderte fast 600 Tote im Libanon und 163 israelische Opfer. Teil des damaligen Waffenstillstandsabkommens war die Entwaffnung der Hisbollah und die Stationierung libanesischer Truppen im Südlibanon.

Die UNIFIL, UN-Friedenstruppen, die seit 1978 im Libanon stationiert sind, wurde auf 15 000 Soldaten aufgestockt. Ihre Hauptaufgabe lautet, den Waffenschmuggel an die Hisbollah zu unterbinden. Ein Sprecher der UNIFIL erklärte gestern im Anschluss an die Kämpfe, dass es eine Untersuchung geben werde, um die Umstände zu klären, die zum Tod des spanischen Blauhelmsoldaten führten.