Hilft Rot-Grün in NRW den armen Kindern?
02.05.2011 | 17:48 Uhr 2011-05-02T17:48:00+0200
Essen. Rekordverschuldung für einen guten Zweck: SPD und Grüne rechtfertigen ihren Haushalt mit den hohen Investitionen in das Erziehungs- und Bildungssystem. Das mache sich später bezahlt. Doch kann die Frühförderung wirklich die Armut verringern? Ein Faktencheck.
Darf eine Regierung das? Ist es redlich, wenn die rot-grüne Landesregierung die geplante Neuverschuldung mit dem Schlagwort „Prävention“ rechtfertigt? Die rot-grüne Koalition will jetzt mehr Schulden in Kauf nehmen, um dieses Geld in die Kinder, die Jugend, die Familien zu investieren. In zehn, zwanzig und noch in fünfzig Jahren werde diese Investition Früchte tragen, glaubt Rot-Grün. Die Frage ist nun, ob sich mit Präventionspolitik überhaupt die Ausgaben von morgen beeinflussen lassen – und ob die angekündigten Aktionen den Titel „Prävention“ verdienen.
Was Prävention in Euro und Cent bringen kann, darüber ließ sich die Koalition vom Wirtschaftsforschungs-Unternehmen Prognos ein Gutachten erstellen. Ermittelt wurden die sogenannten sozialen Folgekosten und deren Einsparpotenzial. Soziale Folgekosten treten auf in der Jugendhilfe (Inobhutnahmen, Heimunterbringungen), Jugendkriminalität (Maßregelvollzug), Hartz-IV-Leistungen , Förderklassen für Jugendliche ohne Schulabschluss oder Gesundheit. Ergebnis des Gutachtens: Setzt die Hilfe bereits in der frühen Kindheit ein, lassen sich am ehesten soziale Folgekosten wegen Kriminalität, Arbeitslosigkeit und schlechter Gesundheit vermeiden.
„Frühkindliche Bildung ist der Schlüssel“
Auf die frühe Kindheit setzt die Landespolitik in der Tat; der Ausbau der Betreuungsplätze für Kleinkinder unter drei Jahren steht ganz oben auf der Tagesordnung: 100 Millionen Euro will Rot-Grün 2011 investieren, weitere 80 Millionen für mehr Personal in Gruppen mit Kleinkindern.
„Frühkindliche Bildung ist der Schlüssel“, lobt Heinz Hilgers. Als Vorsitzender des Kinderschutzbundes wird er nicht müde, die Dynamik der Kinderarmut zu beschreiben: Vor elf Jahren sei jedes 15. Kind arm gewesen, heute sei es grob jedes sechste, in 25 Jahren werde jedes zweite bis dritte Kind arm sein – „wenn wir jetzt nicht die Kurve kriegen“.
Keine Kita-Gebühren mehr
Dass Prävention sich auszahlt, hat Hilgers, der bis 2009 Bürgermeister von Dormagen war, vorgemacht. Die Stadt setzt mit Hausbesuchen auf den regen Kontakt zwischen Familie und Jugendamt. Inzwischen hat Dormagen „die kostengünstigste Jugendhilfe in ganz NRW“, sagt Hilgers, der sich auf Untersuchungen der Gemeindeprüfungsanstalt NRW beruft.
Um anderen Kommunen Aktionen wie in Dormagen zu ermöglichen, hat die Landesregierung die Kinder- und Jugendhilfe um 20 auf 100 Millionen Euro aufgestockt.
Neu ist auch die Gebührenfreiheit für das letzte Kindergartenjahr: Ab August zahlen Eltern von Vorschulkindern dafür nichts mehr – egal, wie viel sie verdienen, egal, ob das Kind 25, 35 oder 45 Stunden wöchentlich die Kita besucht. Das kostet in diesem Jahr 62 Millionen Euro, 2012 bereits 150 Millionen Euro.
Dient dies der Prävention, oder ist es lediglich ein Geschenk? Schließlich besuchen fast alle Vorschulkinder bereits einen Kindergarten.
Verwahrung statt Bildung
Wichtiger, sagen die Experten, wäre die Qualitätsverbesserung; viel zu oft werde in Kitas verwahrt statt gebildet. Peter Wenzel, Geschäftsführer des Kita-Zweckverbandes im Bistum Essen, wischt die Einwände vom Tisch. Man dürfe das eine nicht gegen das andere ausspielen. Marita Haude vom Caritas-Verband ergänzt: „Wir verlangen ja auch keine Schulgebühren.“ Heinz Hilgers ist ohnehin der Meinung: „Je selbstverständlicher der Kita-Besuch ist, desto besser für die Bildung.“
Fazit: Rot-Grün plant eine Menge Aktionen, durch die sich nachweislich soziale Folgekosten einsparen lassen. Ein nennenswerter Haushaltsposten ist allerdings die Kita-Gebührenfreiheit – eine familienpolitische Maßnahme, die sicher großen Anklang findet, von der aber benachteiligte Kinder nichts haben. Weil ihre Eltern ohnehin von den Gebühren befreit sind.

22:42
Ich wiederhole mich gern. Siehe Beitrag 26.
10:44
#25
das war aber nicht alles. Der Mindestlohn gehört eben auch dazu.
22:38
Ein Gemeinwesen sollte nicht nach betriebswirtschaftlichen Parametern betreieben werden. Punkt.
13:12
@24 von fauleoma
Man sollte das Kindergeld incl. Freibetrag abschaffen und alle Einrichtungen ab dem 3. Lebensjahr freistellen.
Das haben Sie geschrieben und darauf bezog sich meine Antwort.
10:20
@22 - bitte lesen Sie meinen Post einfach mal zu Ende.
06:56
@4 stimmt auffallend!!
Empfehle auch die Sendung Plusminus von gestern im Internet noch mal zu sehen.
Die Stelle ab Lehman-Pleite und was die Banken machen - nämlich dick Geld verdienen auf Kosten der Kunden und Steuerzahler!
Auch die staatichen Banken!
Gerichtliche Maßnahmen können kaum durchgesetzt werden.....
Das ist schon echter Raubtierkapitalismus!
23:49
@21 von fauleoma
Dass es härtere Zeiten gab als die heutigen, müssen Sie mir nicht erklären.
Das macht aber Ihre Argumentation nicht richtiger.
Wenn Sie das Kindergeld abschaffen und dafür KITAS kostenlos machen, profitieren nur die, die heute aufgrund hoher Einkommen hohe KITA-Beiträge zahlen müssen.
Geringverdienern nehemn Sie dagegen die 184 € Kindergeld und ersparen ihnen dafür im Gegenzug 24 € KITA-Beitrag. (Beitrag bei Einkommen zwischen 13.00 und 25.000 €)
SUPER!
Da ist ja nicht mal unsere Tigerenten-Regierung daruf gekommen.
23:31
zu #11 - ich habe 2 Kinder groß gezogen. Als das erste Kind geboren wurde, gab es noch kein Kindergeld und doch wurden mehr Kinder geboren als heute. Als das 1. Kind im Studium war und das 2. gerade konfirmiert, starb mein Mann/Vater. Erzählen Sie mir nicht, unter welchen Schwierigkeiten Kinder groß gezogen werden müssen. Ich habe also eine Ahnung!
Und Geringverdiener werden mit dem s.g. Hartz IV aufgestockt. Hier würde endlich auch mal ein Mindestlohn helfen.
Es geht auch hier um die Stigmatisierung der Kinder, wenn sie für alles und jedes Anträge stellen müssen.
23:06
In Deutschland gibt es niemanden, der nicht in der Lage wäre seinen Kindern gutes und gesundes Essen zu geben, ihnen den Kindergarten bzw. KiTa Aufenthalt zu gewähren und es zu einer beliebigen Schule zu schicken. Wenn die Eltern das Geld natürlich selbst verjubeln entsteht Kinderarmut, aber das kann man auch nicht mit mehr Geld beheben.
22:49
#15 comptur
Alle Fussballprofis, die Kinder haben, haben leider den Anspruch auf entweder Kindergeld oder Freibetrag. War aber nur ein Beispiel von vielen.