„Herr, trockne unsere Tränen“

Was wir bereits wissen
Bewegende Trauerfeier im Kölner Dom für die Opfer des Germanwings-Absturzes. 150 Kerzen brennen – auch eine für den Co-Piloten

Köln..  Vor dem Altar des Doms ­brennen 150 dicke, weiße Kerzen. Für jedes Opfer des Flugzeug­absturzes eine – auch für den, der ihn herbeigeführt hat. Zehnmal so viele Menschen nahmen gestern im Kölner Dom Abschied; dazu Ungezählte auf dem Vorplatz, vor den Fernsehern in aller Welt sahen zu bei einer der größten Trauer­feiern, die Deutschland erlebt hat.

„Es ist etwas zerstört worden“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck, „das in dieser Welt nicht mehr geheilt werden kann.“ Deshalb versuchte der ökumenische Gottesdienst, zu dem mehrere ­Hundert Angehörige, Vertreter der Hilfsorganisationen, Kanzlerin Angela Merkel und weitere hochrangige Politiker auch aus Spanien und Frankreich gekommen waren, vor allem eines zu geben: Trost. „Dass wir alle hier sind“, so der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki, „das soll Ihnen Trost sein, dass Sie nicht allein sind in diesen Stunden der Einsamkeit.“

Man wolle, ja müsse „miteinander und füreinander weinen“, sagte auch die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus: „Nie sind wir mehr Mensch als dann, wenn wir weinen.“ In dem Trauerakt nach dem Gottesdienst wünschte sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft „so sehr, dass Sie unsere große Anteilnahme spüren“. Gauck sprach wie auch schon bei der spontanen ­Gedenkstunde vor drei Wochen in Haltern, das um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des örtlichen Gymnasiums trauert, von einem „Band des Mit-Leidens“.

Notfallseelsorger überreichten kleine Holzkreuze, die zugleich die Form eines Engels haben: an eine Angehörige zum Trost, an Ministerpräsidentin Kraft für die Einsatzkräfte, an Germanwings-Chef ­Thomas Winkelmann für die Mitarbeiter aller Fluggesellschaften.

Beim Absturz des Germanwings-Airbus’ von Barcelona nach Düsseldorf waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben ­gekommen. Der Co-Pilot hatte nach bisherigen Ermittlungen das Flugzeug absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht.