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Auszeichnung

Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt

22.09.2012 | 14:32 Uhr
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat in Münster den Preis des Westfälischen Friedens erhalten.Foto: Archiv/dapd

Münster.   Altkanzler Helmut Schmidt hat am Samstag den Preis des Westfälischen Friedens erhalten. Gemeinsam mit der Kinderhilfsorganisation "Children for a better World" wurde Schmidt die Auszeichnung in Münster verliehen. Seine Dankesrede nutzte Schmidt für Kritik an Deutschlands Umgang mit der Euro-Krise.

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat am Samstag in Münster den Preis des Westfälischen Friedens erhalten und in seiner Dankesrede Kritik an Deutschlands Politik in der Euro-Krise geübt. Der 93-Jährige teilt sich die Auszeichnung für sein Lebenswerk "als Architekt eines friedlich geeinten Europas" mit der Kinderhilfsorganisation "Children for a better World". Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe schüttete ein Preisgeld von jeweils 50.000 Euro aus. Die Dotierung wurde in diesem Jahr verdoppelt.

Der höchstdotierte deutsche Friedenspreis, der alle zwei Jahre verliehen wird, soll die Erinnerung an das Jahr 1648 wach halten. Die Verträge zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück beendeten den Dreißigjährigen Krieg.

"Bundeskanzlerin Merkel geriert sich als das Zentrum Europas"

Seine Dankrede im historischen Rathaus nutzte Schmidt zur Kritik an Deutschlands Umgang mit der Schulden-Krise in Europa und rügte: "Das deutsche Bundesverfassungsgericht, die Bundesbank und vorher schon Bundeskanzlerin Merkel gerieren sich zum Teil zur Verzweiflung unserer Nachbarn als das Zentrum Europas". Schmidt, der gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing die Weichen zur europäischen Integration stellte, warnte: "Die Europäische Union könnte auch an den Deutschen scheitern."

Deutschland lasse die anderen Mitgliedsstaaten spüren, dass es die ökonomisch stärkste Macht des Kontinents sei. Der Sozialdemokrat wies darauf hin, dass ein Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland heute "leider Gottes von national-egoistischer Sichtweise" geprägt sei.

"Nur Europäische Zentralbank funktioniert zufriedenstellend"

Der Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" kritisierte auch die Institutionen der Europäischen Union. Institutionell hätte die EU "keine wirksamen" Fortschritte bei dem Versuch einer europäischen Verfassung gemacht. Die Brüsseler Kommission habe "20.000 tüchtige Mitarbeiter", aber sie seien mit zweitrangigen Aufgaben befasst. "Allein die Europäische Zentralbank funktioniert zufriedenstellend", betonte Schmidt und spielte damit auf den von der Europäischen Zentralbank angekündigten unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen in Ländern der Euro-Krise an.

Schmidt ließ die Zeit nach dem 1648 im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück geschlossenen Westfälischen Frieden bis heute Revue passieren und resümierte: "Welche Lehren auch immer man aus der Geschichte der letzten Jahrhunderte ziehen will: Jedenfalls dürfen wir Deutschen nie und nimmer Ursache werden für Stillstand, für Verfall oder Zerfall des großen Projektes der Europäischen Union." Die ganze Welt warte darauf, dass Europa endlich mit einer Stimme spreche. Dazu gehöre der unbedingte Wille zur Zusammenarbeit mit den Franzosen und allen anderen Nachbarn. (dapd)



Kommentare
24.09.2012
13:55
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von meinemeinungdazu | #9

Die Erinnerungswerte Schmidts haben sehr nachgelassen. Er zerstört mit jedem Auftritt ein Stück seiner Vergangenheit. Wer sagt ihm das? Der SPD mit ihren verbrauchten Köpfen, die sie leider nicht austauscht, schadet er somit gefährlich.

24.09.2012
13:20
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von Guntram | #8

"Schmidt ließ die Zeit nach dem 1648 im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück geschlossenen Westfälischen Frieden bis heute Revue passieren" ... dabei verrauchte er vermutlich drei Stangen und gab seine immer fragwürdiger werdende Sicht der Welt zum Besten. Wie wir ja nun wissen, konnten die chinesischen Soldaten gar nicht anders, als die Studenten zu erschießen. Und so viele waren das doch auch gar nicht.
Interessant ist aber, dass Deutschland nun nicht mehr Ursache für den Stillstand der europäischen Einheit sein darf. Genau genommen hat Deutschland diese Einheit im letzten Jahrhundert zweimal versucht, umzusetzen. Was auf wenig Gegenliebe bei unseren Nachbarn und mangelnden Kooperationswillen stieß. Also, an uns lag es nicht.
Übrigens, auch die Franzosen hatten unter einem kleinen Korsen ein ähnliches Projekt in Gang gesetzt.

23.09.2012
18:20
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von K.J.Schmitz | #7

Helmut Schmidt wird von einer großen Mehrheit der Deutschen verehrt und geachtet. Das ändert sich auch nicht, wenn z.B. hier einige tief schwarze ider braune versuchen ihn zu diskreditieren.
Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh drann reibt !!!!

23.09.2012
13:37
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von Broncezeit | #6

Schmidt kritisiert in seiner Rede Frau Merkel weil sie sich sträubt die Schulden anderer Länder zu bezahlen. Er meint Frau Merkel mache Deutschland unbeliebt.
Herr Schmidt will also Deutschland mit dem Scheckbuch deutscher Steuerzahler beliebt machen.
Kann man Beliebtheit und Ansehen kaufen?

23.09.2012
10:55
"Bundeskanzlerin Merkel geriert sich als das Zentrum Europas"
von TreuerLeser | #5

Wenn es so wäre, so liegt sie damit mindestens auf der Linie Ihrer Vorgänger.

Mitte Juli 1976 äußerte ein deutscher Bundeskanzler von den USA aus, „Italien könne im Falle einer Beteiligung der Kommunisten an der Regierung keine wirtschaftliche Unterstützung mehr erhalten“, was zu erheblichen diplomatischen Verstimmungen führte.

Der das sagte, war Helmut Schmidt.

„Jedenfalls dürfen wir Deutschen nie und nimmer Ursache werden für Stillstand, für Verfall oder Zerfall des großen Projektes der Europäischen Union." Führt er weiter aus.

Und er übte nicht nur Kritik an aktiven Politikern, sondern auch an den Bürgern.

Und wenn ich Kommentare auf einigen Zeitungs- oder Internet-Portalen wie auch diesem hier betrachte, hat er rd. 80 % der Kommentatoren gemeint.

Ich glaube, der große Nimbus von Helmut Schmidt beruht z. T. auch darauf, dass ihm niemand mehr zu widersprechen wagt oder auf frühere Ereignisse hinweist.

23.09.2012
07:05
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von stinkefurz | #4

...erst spielt er Schach mit Steinbrück und bringt ihn als seinen Kanzlerkandidaten ins Spiel und jetzt macht er offen Werbung für ihn und im Gegenzug macht er Merkel schlecht. Diejenige, die er vor einiger Zeit noch für ihre Arbeit gelobt hat.

Ist das Spiel durchschaubar !!!

22.09.2012
21:15
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von Melesigenes | #3

Was Herr Schmidts Vorstellung von Frieden ist, konnten wir ja vor wenigen Tagen erleben, als er sein Verständnis für das Massaker der chinesischen Diktatoren an demokratischen Protestieren auf dem Tian anmen- Platz 1989 verkündete. 2.600 Tote, viele Tausend Verletzte und unzählige Hingerichtete bzw. für Ewigkeiten ins Gefängnis oder Arbeitslager Geworfene - Schmidt fands voll korrekt. Und so einer erhält ausgerechnet den Friedenspreis! Vielleicht hätte man ihm besser eine Ausbürgerung nach Rotchina verleihen sollen.

22.09.2012
18:05
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von scouti | #2

Habe Schmidts Rede z. T. auf Phoenix live verfolgt. Gute Rede. Gut wenn ein Politiker auuf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen muss oder will.

22.09.2012
17:57
Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt
von wohlzufrieden | #1

..der hat ja schon damals maßgeblich zur Beendigung des dreißig Jährigen Krieges beigetragen...durch aus räuchern.

1 Antwort
Wie schön,
von kitty73 | #1-1

dass Sie mal wieder nicht zur Sache zu sagen haben und leere Phrasen dreschen als typischer Vertreter der linken Wähler.

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