Helmut Schmidt mit Preis des Westfälischen Friedens in Münster geehrt

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat in Münster den Preis des Westfälischen Friedens erhalten.
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat in Münster den Preis des Westfälischen Friedens erhalten.
Foto: Archiv/dapd
Was wir bereits wissen
Altkanzler Helmut Schmidt hat am Samstag den Preis des Westfälischen Friedens erhalten. Gemeinsam mit der Kinderhilfsorganisation "Children for a better World" wurde Schmidt die Auszeichnung in Münster verliehen. Seine Dankesrede nutzte Schmidt für Kritik an Deutschlands Umgang mit der Euro-Krise.

Münster.. Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat am Samstag in Münster den Preis des Westfälischen Friedens erhalten und in seiner Dankesrede Kritik an Deutschlands Politik in der Euro-Krise geübt. Der 93-Jährige teilt sich die Auszeichnung für sein Lebenswerk "als Architekt eines friedlich geeinten Europas" mit der Kinderhilfsorganisation "Children for a better World". Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe schüttete ein Preisgeld von jeweils 50.000 Euro aus. Die Dotierung wurde in diesem Jahr verdoppelt.

Der höchstdotierte deutsche Friedenspreis, der alle zwei Jahre verliehen wird, soll die Erinnerung an das Jahr 1648 wach halten. Die Verträge zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück beendeten den Dreißigjährigen Krieg.

"Bundeskanzlerin Merkel geriert sich als das Zentrum Europas"

Seine Dankrede im historischen Rathaus nutzte Schmidt zur Kritik an Deutschlands Umgang mit der Schulden-Krise in Europa und rügte: "Das deutsche Bundesverfassungsgericht, die Bundesbank und vorher schon Bundeskanzlerin Merkel gerieren sich zum Teil zur Verzweiflung unserer Nachbarn als das Zentrum Europas". Schmidt, der gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing die Weichen zur europäischen Integration stellte, warnte: "Die Europäische Union könnte auch an den Deutschen scheitern."

Deutschland lasse die anderen Mitgliedsstaaten spüren, dass es die ökonomisch stärkste Macht des Kontinents sei. Der Sozialdemokrat wies darauf hin, dass ein Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland heute "leider Gottes von national-egoistischer Sichtweise" geprägt sei.

"Nur Europäische Zentralbank funktioniert zufriedenstellend"

Der Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" kritisierte auch die Institutionen der Europäischen Union. Institutionell hätte die EU "keine wirksamen" Fortschritte bei dem Versuch einer europäischen Verfassung gemacht. Die Brüsseler Kommission habe "20.000 tüchtige Mitarbeiter", aber sie seien mit zweitrangigen Aufgaben befasst. "Allein die Europäische Zentralbank funktioniert zufriedenstellend", betonte Schmidt und spielte damit auf den von der Europäischen Zentralbank angekündigten unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen in Ländern der Euro-Krise an.

Schmidt ließ die Zeit nach dem 1648 im katholischen Münster und im protestantischen Osnabrück geschlossenen Westfälischen Frieden bis heute Revue passieren und resümierte: "Welche Lehren auch immer man aus der Geschichte der letzten Jahrhunderte ziehen will: Jedenfalls dürfen wir Deutschen nie und nimmer Ursache werden für Stillstand, für Verfall oder Zerfall des großen Projektes der Europäischen Union." Die ganze Welt warte darauf, dass Europa endlich mit einer Stimme spreche. Dazu gehöre der unbedingte Wille zur Zusammenarbeit mit den Franzosen und allen anderen Nachbarn. (dapd)