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Heimleiter rechtfertigt sich: „Ohne Wachleute geht es nicht“

30.09.2014 | 18:49 Uhr
Heimleiter rechtfertigt sich: „Ohne Wachleute geht es nicht“
Foto aus der Zentralen Unterbringungsstelle in Hemer im Sauerland.Foto: Ralf Rottmann

Ruhrgebiet.   Der Schock wegen der Übergriffe privater Wachleute auf Asylbewerber sitzt tief. Nun versuchen die Beschuldigten, sich zu rechtfertigen. Im Kern sagen sie: Wir waren völlig überfordert. Ein Heimleiter versichert: "Ohne Sicherheitsdienst würden die Bewohner ihre Unterkunft auseinandernehmen.“

Der Ablauf der Vorgänge im Burbacher Flüchtlingsheim ist – bis auf die wenigen Informationen, die den bekannten Videoaufzeichnungen zu entnehmen sind – unklar. Wie erinnern sich die Wachleute, gegen die nun ermittelt wird? Im Kern sagen sie: Wir waren völlig überfordert.

Journalisten des „Siegerland Kuriers“ und von „Spiegel Online“ haben mit ihnen gesprochen. Sie schildern übereinstimmend ein katastrophales Bild von „unkontrollierbaren“ Zuständen in dem Haus, einen „rechtsfreien Raum“. Bilder belegen demnach zugemüllte Duschen, Kot und Erbrochenes auf den Fluren, stapelweise Unterwäsche und Hygieneartikel mit Menstruationsblut auf Toiletten. Es habe Tage gedauert, bis sich jemand darum gekümmert habe.

Zahlreiche Flüchtlinge seien „äußerst schwierige Charaktere“ gewesen, heißt es in den Berichten. Einer habe sich immer wieder den Bauch mit einem Messer „zerfurcht“. Feuerlöscher seien durch das Heim geworfen worden. Die Wachleute fanden sich mit ihrer Personalstärke von vier bis sechs gegenüber rund 700 Flüchtlingen in einer Situation der Unterlegenheit.

„Problemraum“ ohne Toilette

Nicht einmal die bei einigen Anlässen alarmierte Polizei habe geholfen. In der Lokalzeitung erhebt der S. genannte Wachmann den Vorwurf, ein Polizist habe gesagt: „Das nächste Mal holen wir den erst ab, wenn ihr den fünf Stunden bearbeitet habt.“

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Nach den Berichten sind Flüchtlinge zeitweise in einen „Problemraum“ gesperrt worden, stundenlang, ohne Möglichkeit, die Toilette aufzusuchen. Sie hätten aus dem Fenster uriniert. Die Wachleute hätten Handschellen eingesetzt, was als Zwangsmittel strikt verboten gewesen sei. Zu einem früheren Zeitpunkt seien Wachleute durch die Räume gegangen, hätten geprüft, ob Flüchtlinge rauchten: „Hatten sie Rauch geschnüffelt, ist das Zimmer gestürmt worden.“ Diese Wachleute seien auch als „SS-Trupps“ bezeichnet worden. Bei ihnen habe es einen „deutlich erkennbaren rechten Hintergrund“ gegeben.

Die Misshandlungs-Szene erklärt ein Dieter P. genannter Wachmann so: Der Flüchtling habe Alkohol getrunken, sich erbrochen und die Wachleute mit Glasscherben angegriffen. P.: „Dann habe ich die Nerven verloren und ihm gedroht.“

„Steinzeitliches Sozialverhalten“

Massenschlägerei, Randale, Beleidigung. Drogenmissbrauch, Alkoholgelage, Diebstahl: Auszüge aus dem Polizeibericht für Hemer, Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge. Als ein Bewohner im März einen anderen mit einem Zaunpfahl fast totschlägt, schreibt der Bürgermeister einen Brandbrief nach Düsseldorf: Er fürchtet um die Sicherheit in seiner Stadt. Wofür ein Flüchtlings-Heim einen Sicherheitsdienst überhaupt braucht? „Die würden hier sonst die Einrichtung auseinandernehmen“, sagt Horst Labrenz, ihr Leiter.

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Der ist ein Freund offener Worte und beschönigt nichts. Die Zugangszahlen in Hemer seien „der reine Irrsinn“, sie sind jetzt 200 Menschen über dem Limit. An jeder Ecke entstehen da Schlangen, selbst die an der Essensausgabe wird von Sicherheitsleuten bewacht. „Rassismus in Reinform“ beobachtet Labrenz zwischen den Volks- und Religionsgruppen. Besonders problematisch: junge Männer aus Nordafrika. Sie sind es, die im Polizeibericht am häufigsten auftauchen, der Heimleiter bescheinigt einigen von ihnen „steinzeitliches Sozialverhalten“.

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