Hauptsache hausgemacht

Gehen Sie auch manchmal essen? Vielleicht ist Ihnen ja schon mal aufgefallen, dass die hipsten locations, also die dollsten Lokale, ganz schön runtergekommen sind? Abends bei Kerzenlicht fällt das natürlich nicht auf. Aber als ich neulich tagsüber in dieses Szene-Restaurant einfiel, traf mich fast der Schlag: Da bröckelte der Putz von der Decke (gut getarnt mit Barock-Kronleuchter), da wackelten die Holztische (die auch noch wurmstichig waren). Aber das ist Trend, irgendwie retro, und die Speisekarte ist eine Rarität. Stattdessen gibt es ja die große Schiefertafel irgendwo im Raum. Man muss die Brille rauskramen, um die Buchstaben zu entziffern. KNURRHAHN AN HAUSGEMACHTER HONIG-SENFSAUCE . Aha. Hausgemacht ist ja sowieso alles, sagt der Kellner seeehr freundlich. Mit großer Geste doziert er über hausgemachte Butter, hausgemachte Bowle, hausgemachte Vitamine und Omega-Fettsäuren. Nur blöd, dass er nichts zu trinken bringt. Als man ihn bittet, sinkt seine Laune. Er sei ja eigentlich Schauspieler, sagt er. Spielt wahrscheinlich „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“.