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Griechenland

Hauchdünner Vorsprung für Griechenlands Konservative

17.06.2012 | 17:40 Uhr
Steht Griechenland vor dem Abschied vom Euro?

Athen  Die Parlamentswahlen in Griechenland gelten als Schicksalswahl für die gesamte EU: Gewinnt die linksradikale Syriza-Partei, will deren Vorsitzender Tsirpas den Sparkurs beenden - das könnte heißen, das Land müsste aus der Euro-Zone. Derzeit liegen die Lager Kopf an Kopf.

Bei der Parlamentswahl in Griechenland liegt die konservative Nea Dimokratia (ND) laut neuesten Prognosen 1,6 Prozentpunkte vor dem Linksbündnis Syriza. Der TV-Prognose vom Sonntagabend zufolge kommt die ND auf 28,6 bis 30 Prozent der Stimmen vor Syriza, das 27 bis 28,4 Prozent erhielt. Die ND will die Sparauflagen der internationalen Geldgeber nachverhandeln, Syriza ist ein Gegner der Auflagen und hat mit der Aufkündigung des Sparkurses gedroht.

Der erste Platz ist ein wesentlicher Vorteil bei der Regierungsbildung, da dieser 50 Bonusmandate im 300-köpfigen Parlament in Athen bringt. Der Nachwahlbefragung zufolge kann die ND auf 127 der 300 Sitze im Parlament in Athen hoffen. Sie wäre damit auf einen Koalitionspartner angewiesen. Dies könnte die sozialdemokratische PASOK sein, die laut Prognosen auf zehn bis zwölf Prozent der Stimmen kam.

Die erste Parlamentswahl am 6. Mai hatte ebenfalls keinen klaren Sieger gebracht. Eine Koalitionsbildung scheiterte am Streit über die Fortsetzung des Sparkurses, weshalb jetzt erneut gewählt werden musste. Die Neonazi-Partei Goldene Morgenröte zieht laut Nachwahlbefragungen mit 6,0 bis 7,5 Prozent der Stimmen erneut ins Parlament ein.

Damit ist der Verbleib der Griechen in der Eurozone weiterhin unklar. Das radikale Linksbündnis Syriza lehnt die die Bedingungen für internationale Hilfen strikt ab. Würde sie die Wahl gewinnen, hatte ihr Vorsitzender Alexis Tsirpas gedroht, die Auflagen für das Rettungsprogramm aufzukündigen. Dann wäre Athen möglicherweise zu einem Verlassen der Währungsunion gezwungen sein.

Tsirpas mach den Griechen Hoffnung

Video
Wenn er gewinnt, droht dem Pleitestaat Griechenland der Abschied aus der Eurozone – Alexis Tsipras, dem Anführer der linksradikalen Partei Syriza, kommt bei der Parlamentswahl in Griechenland am Sonntag eine Schlüsselrolle zu.

Dutzende Journalisten begleiteten deshalb auch den Chef der Syriza, den 37-jährigen Alexis Tsipras, bei der Stimmabgabe in einem Wahllokal in Athen. "Wir haben die Angst besiegt. Heute öffnen wir einen Weg zur Hoffnung, einen Weg zu einem besseren Morgen. Unser Volk ist einig, würdevoll und stolz", sagte Tsipras und fügte hinzu, dass er sich des Sieges sicher sei.

Auch der Parteichef der konservativen Neuen Demokratie gab sich zuversichtlich. "Heute sprechen die Griechen. Morgen beginnt eine neue Ära für Griechenland", sagte Antonis Samaras, als er im Süden Griechenlands am Morgen als erster Spitzenpolitiker des Landes seine Stimme abgab.

Bei einer ersten Abstimmung vor sechs Wochen hatte keine Partei genügend Stimmen für eine Regierungsbildung erhalten, die anschließenden Koalitionsverhandlungen scheiterten. Knapp zehn Millionen Griechen sind wahlberechtigt.

Ende des Sparkurses angekündigt

Euro-Krise
Sieben Fakten zur Schicksalswahl in Griechenland

Am Sonntag entscheiden die Griechen über ihre eigene Zukunft, den Euro und über Europa. Ein Ausstieg aus der gemeinsamen Währung könnte für alle Beteiligten fatale Folgen haben. Der Ausgang der Wahl ist völlig offen. Fest steht aber, dass die meisten Griechen gegen das Sparpaket sind.

Tsipras hatte mit seinem Plan, die Sparmaßnahmen aufzuheben in ganz Europa für Panik gesorgt. Er erklärte jedoch, er wolle den Euro behalten. Samaras hatte betont, es sei seine Priorität, Griechenland in der Eurozone zu halten. "Das Wichtigste, über das wir entscheiden, ist die Frage: Euro oder Drachme", sagte der Vorsitzende der Neuen Demokratie auf der Abschlusskundgebung des Wahlkampfs in Athen. In jüngsten Umfragen erklärten rund 80 Prozent der Bürger, sie wollten den Euro behalten.

Kritik am strengen Auflagen wächst

Seit Mai 2010 ist Griechenland auf internationale Hilfszahlungen angewiesen. Für ihre Hilfe hatte die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) harte Sparmaßnahmen zur Bedingung gemacht.

Kritiker bemängeln allerdings, dass strenge Austeritätsprogramm würge die ohnehin schwächelnde Wirtschaft weiter ab. Griechenland befindet sich mittlerweile das fünfte Jahr in Folge in einer Rezession, die Arbeitslosenquote liegt bei über 22 Prozent und Zehntausende Unternehmen gingen in den vergangenen Jahren pleite.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, sie hoffe auf einen Sieg derjenigen Kräfte in Griechenland, die sich an die getroffenen Vereinbarungen hielten. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die keine Abmachungen einhielten, "jeden anderen am Nasenring durch die Manege führen".

Eurogruppen-Chef Juncker warnte vor der "verheerenden Signalwirkung" eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Eurozone. Sollte die Wahl wirklich dazu führen, wäre die Gefahr groß, dass die gesamte Währungsunion in Turbulenzen gerate, sagte er dem österreichischen "Kurier".

Befürchtungen vor einer finanziellen Kernschmelze der EU

Einem Bericht des "Focus" zufolge fürchtet die Bundesregierung, dass die Krise unbeherrschbar wird, sollten Athen eine Sonderbehandlung erfahren. "Dann würden auch Spanien und Italien auf bevorzugte Behandlung pochen", hieß es demnach im Kanzleramt.

Griechische Zeitungen schrieben von der wichtigsten Wahl seit dem Ende der Militärdiktatur 1974. ND-Chef Antonis Samaras erklärte bei der Stimmabgabe, für das Land beginne am Montag "eine neue Ära".

Der Start in diese neue Ära dürfte jedoch absehbar holprig ausfallen. Möglicherweise endet diese Wahl wie die letzte: in einem Patt der Kräfte. (dapd)



Kommentare
17.06.2012
21:27
Hauchdünner Vorsprung für Griechenlands Konservative
von MalNachgedacht | #12

@10: Na dann mal Prost und Mahlzeit!

Dann brechen uns die Exporte weg.
Problem an der Geschichte: Durch die Lohnpolitik der letzten 10 Jahre ist usnere Binnenwirtschaft auf dem gleichen Niveau wie Griechenland, Spanien, etc.

Keine rosigen Aussichten also,

17.06.2012
20:56
Hauchdünner Vorsprung für Griechenlands Konservative
von Deepyello | #11

Ich kann und will nicht glauben, dass 80% der Griechen für den Euro sind. Das sollte doch der letzte Grieche inzwischen gemerkt haben, dass der Euro nur den weiteren Untergang des Landes bedeutet. Sollte Griechenland aus der Eurozone austreten, würden sicher weitere Wackelkandidaten folgen. Es wäre der einzige und richtige Schritt und ein deutliches Signal an die Banken, dass sie sich nicht weiter auf den deutschen Steuerzahler verlassen können. Hört endlich auf, Deutschland an die EU zu verramschen.
Ich hoffe das die Wahl doch noch zu Gunsten der Eurokritiker in Griechenland ausgeht.

17.06.2012
20:01
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von tommytulpe01 | #10

Vielleicht sollten nicht die Griechen den Euro verlassen, sondern wir Deutsche.Es kann nicht sein,daß wir ganz Europa deren Luxus finanzieren und für die eigenen Bürger bleibt nichts übrig,außer ...... noch mehr Steuern zu bezahlen.Langsam ist Schluß mit Lustig Frau Merkel.

17.06.2012
19:47
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von Pit01 | #9

Schicksalswahl für die gesamte EU? Das glaube wer will.

17.06.2012
19:32
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von roethomaxx | #8

Ich leide als Arbeitnehmr unter der enormen Steuerlast in Deutschland,die unter anderem der Scheckbuchdiplomatie geschuldet ist. Ich kann daher nur hoffen, dass die Griechen mit ihrer Wahl das Ende der Kirmeswährung Euro eingeleitet haben!

1 Antwort
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von Biker72 | #8-1

da hoffe ich sehr stark mit und eine Regierung sollte auch national bleiben und nicht aus Brüssel diktatorisch durchgesetzt werden. Rückfall in alte Zeiten nenn ich sowas.

17.06.2012
19:14
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von buntspecht2 | #7

@5 Warum nur die Griechischen ?

17.06.2012
19:09
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von SimonvonUtrecht | #6

wenjuckts | #5
http://de.kke.gr/

17.06.2012
18:54
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von wenjuckts | #5

welche dieser Parteien will eigentlich dafür sorgen das die ganzen Griechischen Steuerflüchtlinge endlich mal an ***** und Kragen gepackt werden?

17.06.2012
18:38
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von Dschoistick | #4

Und Westerwelle tönt gerade im TV: "Wir wollen, dass Griechenland beim EURO und in der EU bleibt."

Na, da sollte man doch mal eine Volksabstimmung machen ...
Und der Beweis, dass bei der Griechenlandpleite alles am Boden liegt, steht noch aus.
Ich lasse mir den Blödsinn nicht mehr erzählen.

1 Antwort
Hauchdünner Vorsprung für Griechenlands Konservative
von Biker72 | #4-1

Mit "Wir" dürfte er auch nur den Kreis der Euro-Nationalisten aus dem politischen Bereich meinen ;-)

17.06.2012
18:37
Abschied aus dem Euro? Kopf-an-Kopf-Rennen in Griechenland
von ESteiger | #3

wer nicht will der hat schon!

Wir bekommen das auch ohne die hin!

Garantiert sogar!

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