Hatte die CIA eine Kommandozentrale in einer Sparkasse in Neuss?

Der CIA soll mit Wissen deutscher Behörden in Deutschland tätig gewesen sein. Im Bild: Die Lobby der CIA-Zentrale in in McLean, Virginia.
Der CIA soll mit Wissen deutscher Behörden in Deutschland tätig gewesen sein. Im Bild: Die Lobby der CIA-Zentrale in in McLean, Virginia.
Foto: rtr
Der amerikanische Geheimdienst CIA soll nach Medienberichten mit 100 Experten gegen die Sauerland-Gruppe tätig gewesen sein. Ein Terrorexperte befürchtet nun, der Prozess gegen den Islamisten Daniel Schneider müsse wieder neu aufgerollt werden.

Neuss.. Dass der amerikanische Geheimdienst CIA den entscheidenden Tipp gab, der 2007 die so genannten „Sauerland-Terroristen“ und ihre tödlichen Pläne auffliegen ließ, ist bekannt. Nun jedoch heißt es, die CIA habe sich mit dieser Form transatlantischer Hilfe nicht begnügt, sondern sei in Deutschland sogar operativ tätig gewesen. Laut Focus-Informationen sollen mehr als 100 CIA-Experten eigens eingeflogen sein, um von einer Kommandozentrale in Neuss aus gegen die Terroristen zu ermitteln.

Bei diesen Experten habe es sich um Überwachungsspezialisten, Elektroniker, Chemiker und Dolmetscher gehandelt, die ihre Basis in einem „schmucklosen Gebäude der Sparkasse Neuss“ bezogen hätten. Nur „eine Hand voll Spitzenbeamter im Bundesamt für Verfassungsschutz und im Bundesinnenministerium“ sei darüber informiert gewesen.

Keine Hinweise während Prozess

„Sollte das stimmen, so ist es rechtsstaatlich höchst problematisch“, erklärte am Sonntag der Düsseldorfer Rechtsanwalt Johannes Pausch gegenüber der Funke Mediengruppe.

Pausch, ausgewiesener Terror-Experte und Verteidiger des im Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zu zwölf Jahren Haft verurteilten Islamisten Daniel Schneider, betonte, dass es keinen Hinweis dieser Art während des Prozesses gegeben habe. „Der Senat unter dem Vorsitz Richter Breidlings wusste nichts davon. Wenn der CIA mit Wissen deutscher Behörden hier tätig gewesen ist, hätte das aktenkundig gemacht werden und ins Verfahren einfließen müssen. So etwas kann sogar ein Grund zur Wiederaufnahme des Verfahrens sein“, so Pausch.

Bundesinnenministerium prüft

Eine Sprecherin des damals gegen die Sauerland-Gruppe ermittelnden Bundeskriminalamts wollte den Hinweis auf die CIA-Aktivitäten in Deutschland am Sonntag nicht kommentieren. Im Bundesinnenministerium erklärte ein Sprecher, man prüfe den Sachverhalt, ob es da tatsächlich einen Zusammenhang gebe.

Die Sauerland-Gruppe, die laut Urteil den hundertfachen Tod von US-Soldaten und Zivilisten in Deutschland plante, war im September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden. Zuvor hatten die Ermittler heimlich den Sprengstoff gegen eine harmlose Flüssigkeit ausgetauscht.

Während der Ermittlungen sollen deutsche Behörden und US-Geheimdienstler in Berlin eng zusammengearbeitet haben. Von einer eigenen Kommandozentrale war bislang nie die Rede. Der Neusser Bürgermeister Napp (CDU) zeigte sich am Sonntag fassungslos, er habe „nicht den Hauch einer Ahnung“.